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Uhr mit Sanduhr : „Auf eine neue Art über Zeit sprechen“

Philippe Delhotal ist Kreativdirektor für Uhren bei Hermès. Bild: Quang Fabien

Philippe Delhotal hat für Hermès eine Uhr mit eingebauter mechanischer Sanduhr entworfen. Damit kann der Besitzer eine Zeit festlegen, auf die er sich besonders freut. Hier erzählt er von seiner Idee.

          Monsieur Delhotal, Sie haben für Hermès eine Uhr entworfen mit kleiner mechanischer Sanduhr. Darin kann der Besitzer eine Zeit festlegen, auf die er sich besonders freut. Sie heißt „L'heure impatiente“. Wie sind Sie darauf gekommen?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wir wollen mit dieser Uhr auf eine neue Art über Zeit sprechen und haben uns deshalb diese kleine Geschichte ausgedacht. Vor einigen Jahren habe ich zum ersten Mal den Satz gehört: In der Liebe geht es darum, die Treppen hochzusteigen.

          Wer hat das gesagt?

          Georges Clemenceau. Durch diesen Satz bin ich auf die Idee gekommen, neu über den spielerischen Umgang mit der Zeit nachzudenken. Wer kennt das nicht? Aus der Kindheit, als man es nicht erwarten konnte, bis man Geschenke auspacken durfte oder endlich in Urlaub ging. Oder später das Date mit der Freundin. Es geht um den Moment vor dem besonderen Moment.

          Muss man Franzose sein, um auf so etwas zu kommen?

          Vermutlich ja. Wobei: Es könnte auch einfach ein Freund sein, auf den man sich besonders freut.

          „L’heure impatiente“: Das neue Uhrenmodell von Hermès mit mechanischer Sanduhr lässt seinen Träger eine Tageszeit einstellen, auf die er sich freut.

          Braucht die Uhrenbranche jetzt solche neuen Konzepte?

          Der Uhrmacherei fehlt es gerade an guten Geschichten. Viele Uhren sind von ausgezeichneter Qualität. Aber es gibt wenige Produkte, die Emotionen hervorbringen. Ein Chronograph bringt mich nicht zum Träumen. Die meisten leben unter dem Diktat der Zeit.

          Daher sehen auch die neuen Modelle alle ähnlich aus.

          Wir sollten mehr Kreativität und die emotionale Seite der Dinge finden. Es gibt viele ähnliche Uhren. Man muss wirklich mal etwas Anderes ausprobieren.

          Die Uhrenleute gehen halt auf Nummer sicher.

          Ja. Natürlich sind sie angesichts der aktuellen Marktsituation gerade sehr besorgt.

          Das Geschäft mit Asien kriselt, hinzu kommt der nachwirkende Frankenschock, der schwache Rubel und die politisch unsichere Situation im Nahen Osten.

          Je größer die Marke, desto geringer die Bereitschaft, etwas zu riskieren. Das ist schade, denn die Kunden konsumieren heute anders. Sie wollen Produkte, die maßgeschneidert sind und trotzdem nicht unbedingt teurer.

          Die Digitalisierung macht es möglich.

          Ja, aber das Smartphone ist für mich ein Instrument, das ist etwas ganz anderes als eine Uhr, die man auch emotional erleben kann. Das sind zwei verschiedene Produkte.

          Sie fertigen aber auch Lederbänder für die Apple-Watch.

          Im Leder liegt unsere Kompetenz. So kann Hermès ein bisschen am Trend der Smartwatches teilhaben.

          Ihre Kinder sind jetzt 25 und 27Jahre alt, ein Junge, ein Mädchen. Welche Meinung haben sie zu dem Thema?

          Meine Kinder sind mit Uhren aufgewachsen. Sie sind zum Glück sehr von ihrem Vater geprägt und mögen keine Smartwatches. Klar haben sie auch ihr Smartphone, aber am Handgelenk tragen sie echte Uhren.

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