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Made in Turkey : Auf dem Basar herrscht jetzt Stille

3,3 Milliarden Euro: Bekleidung ist ein wichtiges Handelsgut in der Türkei. Bild: mauritius images

Die Türkei war lange eines der beliebtesten Produktionsländer für Mode: Die Kosten hielten sich im Rahmen, die Wege waren kurz, die Qualität gut. Deutsche Marken schätzten das Land – und brauchen jetzt einen Plan B.

          Zunächst sah alles danach aus, als wäre die junge Schmuckdesignerin am richtigen Ort gelandet. Sie war 2015 gerade dabei, ihr eigenes Label in Deutschland aufzubauen, und auf der Suche nach einer geeigneten Produktionsstätte. Die junge Frau kam schnell auf die Türkei, ein Land mit langer Schmucktradition. Über gute Bekannte hatte sie einen Kontakt zu einer Fertigungsstätte in Istanbul, einem Betrieb, der seit über hundert Jahren in der Hand einer Familie ist. Die Werkstatt lag außerhalb Istanbuls, einen Ableger gab es direkt in der Innenstadt. „Ich flog kurzentschlossen hin“, erzählt sie. Das war im Dezember vor zwei Jahren. Istanbul schien ein passender Ort für die Verwirklichung ihrer Ziele. „Der Austausch war sehr gut, es war klar, dass der Betrieb meine Standards übernehmen könnte, wir fingen an, Prototypen zu machen. Von der Produktionsseite aus war alles prima.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zeitgleich aber verschlechterte sich die Sicherheitslage in der Türkei erheblich, besonders in Istanbul. Im Januar 2016 sprengte sich ein Attentäter mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Nähe der Hagia Sophia in die Luft. Es folgten Anschläge im März, im Juni, im selben Monat auch am Flughafen. „Das waren Monate, in denen ich sehr viel Zeit dort verbracht habe“, sagt die Schmuckdesignerin. „Es war kein gutes Gefühl.“ Sie überlegte, ob Istanbul wirklich der ideale Ort wäre für die Produktionsstätte, gewissermaßen das Herzstück ihres jungen Labels, und hielt parallel Ausschau nach einer Alternative in einem EU-Land. „Aber obwohl sich die Lage zuspitzte, war ich hin- und hergerissen.“

          Basar wie ausgestorben

          Nach gut einem halben Jahr hatte die junge Frau schließlich schon viel Zeit und Geld in die Produktion in Istanbul investiert. „Das ist eine Beziehung, die man aufbaut. Gerade in der Türkei spielt die persönliche Ebene auch in der Geschäftskultur eine große Rolle.“ Die junge Unternehmerin versuchte die Angst vor weiteren Anschlägen zu vergessen und sich stattdessen auf die Vorteile zu konzentrieren. „Und es tat mir ja auch leid für die Menschen, deren Existenz von der Produktion abhängt. Auch sie sagten hinter vorgehaltener Hand, dass sie Angst hätten.“ Wenn sich die Gründerin im Dezember 2015 noch über den Basar drängeln musste, dann war derselbe Ort im Sommer drauf wie ausgestorben.

          Mitte Juli 2016 war die Schmuckdesignerin dann wieder in Istanbul, um die ersten Prototypen entgegenzunehmen. „Ich bin am Freitagmorgen angekommen und wollte nur schnell in and out machen.“ Samstag in der Früh wollte sie schon wieder zurück in Deutschland sein. In der Werkstatt lief an dem Tag alles so gut wie immer, abends ging die Designerin direkt in ihr Hotel, das am Taksim-Platz lag. „Im Hotel hatte ich noch was gegessen, dann ging es los.“ Es war die Nacht des Putsches. Über ihr flogen Militärjets, „die Leute haben geschrien, es war eine bürgerkriegsähnliche Stimmung, und zugleich wusste niemand, was los war“. Sie blieb in ihrem Hotelzimmer, irgendwann sagte man ihr ohnehin, sie dürfe nicht mehr auf die Straße. „Niemand hatte Informationen, das deutsche Konsulat in Istanbul war nicht zu erreichen, und die deutsche Botschaft in Ankara konnte wiederum nichts über die Lage in Istanbul sagen.“ Die Designerin hing die ganze Nacht am Handy und aktualisierte alle zwei Minuten den News-Ticker. „Samstag bin ich natürlich nicht rausgekommen, Sonntag auch nicht.“ Erst Montag Morgen konnte sie fliegen. Nach zweieinhalb Tagen, die sie durchgängig im Hotel verbracht hatte, nahm sie ein Taxi zum Flughafen und flog zurück nach Hause.

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