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Tennismode „90 Prozent müssen weiß sein“

Zum Auftakt in Wimbledon: Der britische Designer und Inhaber einer Männermodemarke, Jeremy Hackett, spricht im Interview über Farben und Formen der Tennismode.

© AP Ganz in weiß: Maria Sharapova in Wimbledon 2011

Mr. Hackett, Tennis gehört zu den beliebtesten Sportarten in England...

In der Tat haben Sie mich mit Ihrem Anruf bei einem Spiel unterbrochen. Ich schaue mir Roger Federer gegen Jo-Wilfried Tsonga an.

Wimbledon steht vor der Tür. Sie müssen in heller Aufregung sein.

Ein fabelhaftes Turnier, ein kultiviertes Ereignis. Jeder Spieler muss weiße Kleidung auf dem Platz tragen. Dieser Anachronismus, dass man wie früher spielt in einer Welt für sich.

Die Spieler scheinen das zu genießen, einmal dem Showrummel der amerikanischen oder australischen Turniere zu entkommen. Obwohl die Regeln inzwischen gelockert wurden.

Kein Weiß mehr auf dem Platz. Was heißt das jetzt?

Es heißt nun, 90 Prozent der Kleidung müssen weiß sein. Damit kann ich leben. Ich habe mir in den vergangenen Wochen ein paar Matches von den French Open angeschaut.

Die Hälfte der Spieler sieht aus, als würden sie lieber Skateboard fahren wollen. Sie tragen baggy Shirts, lockere Hosen, so als hätte man die Sportler gerade auf der Straße aufgelesen. Und dann diese ganzen Farben!

Jeremy Hackett - Der Britische Modedesigner und Inhaber der Männermodemarke Hackett eröffnet das erste Geschäft in Frankfurt und stellt sich dem Fotografen. Jeremy Hackett © Wohlfahrt, Rainer Bilderstrecke 

Können Sie das Match nicht verfolgen, wenn, sagen wir mal, Verdasco in einem orangefarbenen gemusterten Shirt spielt?

An Wimbledon mag ich gerade diese Kombination aus weißen Spielern und sattgrünem Rasen. Das hält den ganzen Sport zusammen.

Es sieht einfach besser aus, wenn ein Spieler schicke kurze Hosen trägt und dazu ein gestärktes weißes Poloshirt.

Tsonga ist ein Fan von bunten Schuhbändern.

Er ist ein großer Kerl, ein sehr aufmerksamer Spieler, und er ist Teil einer jungen Generation, in der bunte Schnürsenkel zur Mode dazugehören.

Ich sehe sogar Brogues-Schuhe mit bunten Schnürsenkeln. Ich nehme an, das soll lustig sein.

Wie finden Sie ärmellose Shirts auf dem Platz?

Nadal trägt sie ganz gern, nicht wahr? Ich mag sie überhaupt nicht. Ich verstehe, dass es ganz praktisch sein kann, den oberen Bizeps frei zu haben. Ästhetisch finde ich den kurzen Ärmel besser als gar keinen.

Einfach weil die Spieler sofort wie kleine Machos aussehen, die uns ihre Muskeln vorführen müssen. Möglicherweise ist das für einige Zuschauer ein Bonus.

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Sieht es denn auf den Rängen besser aus, was die Kleidung betrifft?

Die normalen Besucher, nun ja, tragen T-Shirts, Polos, Jeans. Nur in den Firmenboxen ziehen sich die Menschen noch fein an.

Würde ich es tatsächlich einmal schaffen, mir dort ein Spiel anzusehen, dann in einem Leinenanzug. Oder einfach nur einen Leinenblazer über einem gestärkten Hemd tragen.

In Cremefarben?

Nein, Blau passt besser, allerdings sollte es nicht zu dunkel sein. Ein pinkfarbenes Hemd sollte dazu passen und eine weiße Hose.

Welche Schuhe würden Sie tragen?

Loafers aus Wildleder passen gut zu so einem Ereignis.

Warum halten die Deutschen Tennis für typisch englisch?

Weil wir Briten es so lange spielen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir es erfunden haben oder die Franzosen. Wir spielen es aber seit den 1850er Jahren mit Begeisterung.

Wer damals ein Landhaus besaß, hatte ganz sicher hinten auf dem Rasen einen Tennisplatz. Denken Sie an einen Roman wie „Wiedersehen mit Brideshead“.

Wenn die Figuren für ein Wochenende aufs Land fuhren, spielten sie dort Tennis. Und damals hatten natürlich alle noch lange cremefarbene Flanellhosen und Flanellshirts an.

Sehr unpassend für den Sport.

Ganz sicher, aber sich das vorzustellen hat eine gewisse romantische Aura.

Das Poloshirt auf dem Rasen hat Tennis auch zu einer modisch prägenden Sportart gemacht.

Fragen Sie mal René Lacoste, ich denke, als Tennisspieler und Modeschöpfer hat er was damit zu tun. Polos sind für Männer eben leicht zu tragen.

Werfen Sie sich in ein solches Shirt, dazu ein Paar Shorts - und Sie haben ein vernünftiges Sommer-Outfit.

Damit ist auch Hackett als Marke groß geworden.

Wir haben das Poloshirt wieder zurück zum Polosport gebracht. Nach wie vor ist es ein Verkaufsschlager für uns.

Jetzt steigen wir in den Tennissport ein und werden ein paar Polos entwerfen, die sich daran orientieren.

Wie können wir uns das vorstellen?

Wir schauen uns Modelle aus vergangenen Zeiten an, als Spieler wie John McEnroe und Jimmy Connors sie in den siebziger und achtziger Jahren getragen haben.

Sie statten seit kurzem Tennisstar David Ferrer aus. Warum?

Ich habe ihn vor einem Jahr getroffen, als er in einem unserer Londoner Läden Autogramme gab, Hände schüttelte und über seine Karriere sprach. Ich kann nur sagen: Absolutely charming.

Haben Sie ihn bei der Gelegenheit überredet, nur noch Weiß zu tragen?

Nein. Wir statten ihn ja nicht auf dem Platz aus, da gibt es wieder andere Sponsoren. Dort muss er tragen, was die von ihm verlangen.

Sie verlangen von ihm, nur Kleidung von Ihnen zu tragen, wenn er nicht spielt?

Wir verlangen gar nichts, wir machen nur Vorschläge.

Die Fragen stellte Ulf Lippitz.

Quelle: F.A.S.

 
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