http://www.faz.net/-hrx-7rhdn

Berliner Modewoche – Tag 3 : Aufgeräumt abgeräumt

Keine Ego-Show: Schumacher Bild: AP

Neue Farben, neue Stoffe, neuer Markenname. Der dritte Tag der Modewoche geht ganz anders zu Ende, als er angefangen hat.

          Von wegen einmal den Laufsteg hinauf, einmal hinunter. Johanna Perret und Tutia Schaad erarbeiten sich langsam einen Ruf für witzige Schauen-Locations. Vor einem Jahr liefen ihre Models durch die Neue Nationalgalerie, während die Besucher draußen bleiben mussten, vor den Fensterscheiben des Glaskubus. Dann, im Januar, stiegen die Models auf hohe Podeste in der Chipperfield-Kantine. Die Gäste mussten aufschauen. Am Mittwochabend vor ihrer nächsten Schau trifft man das Duo gegen 22:30 Uhr an der Bar der „Vogue“-Party. Und? Die für Donnerstag um 12 Uhr Mittag angesetzte Schau im Kronprinzenpalais könne leider nicht im Garten gezeigt werden, wie ursprünglich geplant, erzählen sie. „Für 12 Uhr mittags ist Regen angesagt“, sagt Johanna Perret. „Das komplette Seating haben wir vorhin nach drinnen verlegt.“

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          12 Uhr mittags tags darauf, der Donnerstag der Modewoche: strahlend blauer Himmel. Also alles zurück in den Garten. In Südfrankreich, Inspirationsort ihrer Kollektion, hätte man natürlich eine andere Wettersicherheit. Aber die wieder einmal clean gehaltenen Mäntel, Seidenblusen mit langen Ärmeln und Hosen der beiden gehen dann doch weniger auf die Südfranzösin als auf die Deutsche ein. Die muss während dieser Berliner Modewoche ja mit allem rechnen, von Platzregen bis Affenhitze. Die zurückgenommenen Entwürfe garnieren die beiden mit großen Knoten. Die tauchen mal vorne am Kleid auf, am Rock, auf Seiden-T-Shirts, auf Hosen. Und, das ist der Witz, die Location scheint wie auf die Knoten abgestimmt. Im Wind heben und senken sich die Seidenstoffe und entwickeln ein Eigenleben. Die Gäste müssen also weder aufschauen noch draußen warten – sondern können endlich einmal durchatmen.

          Auch Dorothee Schumacher hat vor einiger Zeit tief durchgeatmet. Und nach sage und schreibe 25 Jahren setzt sie sich endlich selbst namhaft in Szene. Wie sie am Donnerstag in der F.A.Z. ankündigte, wird aus der Marke Schumacher nun „Dorothee Schumacher“. Am Tag vor der Schau – sie trägt schon ein lackiertes Kleid mit ausgestelltem Rock in ihrer Lieblingsfarbe Nude aus der neuen Kollektion – erklärt sie uns in aller Seelenruhe während der Vorbereitungen, dass die Marke trotzdem keine Ego-Show ist, sondern ihre Kinder bei wichtigen Entscheidungen gerne mitreden.

          An der Kollektion soll sich nichts ändern, obwohl die neuen Entwürfe auf dem Laufsteg in der St.-Elisabeth-Kirche am Donnerstagmorgen tougher als üblich anmuten. Dorothee Schumacher arbeitet viel mit Schwarz und Weiß, mit strengen Linien. Gegen die Rüschen auf den Oberteilen setzt sie gekreuzte elastische Rückenriemen: Bondage-Elemente bei Dorothee Schumacher! Und mit dem immer wieder auftauchenden Netzstoff in der Kollektion schüttelt sie auch das letzte bisschen Puderzucker von ihren Kleidern.

          Weitere Themen

          Perret? Schade!

          Berliner Modemarke hört auf : Perret? Schade!

          Angeblich erlebt die Berliner Modeszene gerade wieder einmal einen Aufschwung. Doch jetzt hört auch eine der besten deutschen Marken auf. Besteht die Hauptstadt mehr aus Schein als Sein?

          Chrom trifft Ton

          Möbeldesign : Chrom trifft Ton

          Hochglänzend und perfekt das eine, unvollkommen und archaisch das andere. Es ist kein Zufall, dass die beiden gegensätzlichen Materialien im Moment überall auftauchen.

          Topmeldungen

          Diesel-Ermittlungen : Porsche-Manager in Untersuchungshaft

          Nach der Großrazzia bei Porsche gibt es neue Details aus den Ermittlungen: Ein Porsche-Mitarbeiter sitzt in Untersuchungshaft. Nach Informationen von FAZ.NET handelt es sich bei dem Verdächtigen um Motorenchef Jörg Kerner.

          Apples Premium-Handy : Gewinnmaschine iPhone

          Apple ist das wertvollste Unternehmen der Welt. Ein neuer Vergleich zeigt die unglaubliche Dominanz des Konzens– und auch des neuen „Flop“-Handys.

          Antisemitismus : Wo bleibt der Schutz?

          Die Auspeitschung eines Kippa-Trägers ist nicht nur Körperverletzung. Ihre Symbolik weckt düstere Erinnerungen – jetzt braucht es mehr als vorgefertigte Solidaritätsbekundungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.