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Statement Sweater : Vom Langweiler zum Bestseller

Statement-Sweater von Markus Lupfer Bild: Fabian Fiechter

Der Pullover galt lange als uninteressant und bieder. Seit er das Prädikat „Statement Sweater“ trägt, wird in den Modemagazinen bei Paparazzi-Fotos nicht mehr auf die Handtasche, sondern auf den Pullover geachtet. Er ist das It-Piece der Saison.

          Wenn man so will, erinnert die Karriere des Pullovers an John Travolta. Der war auch mal ganz oben, in den siebziger und achtziger Jahren, als er sich im Glitzerlicht der Discokugel in die Herzen der Menschen tanzte. Dann interessierte sich keiner mehr für ihn, er musste sich mit Nebenrollen begnügen, während andere über den roten Teppich liefen und Preise gewannen. Dann kam ein großer Regisseur und brachte ihn zurück ins Rampenlicht. Seitdem läuft es ziemlich gut: Hauptrollen, Oscar-Nominierungen, Privatflugzeuge und Dauergast auf dem roten Teppich.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und was hat das mit einem Pullover zu tun? Der hatte auch mal seine große Zeit in den achtziger Jahren, als er bunt bedruckt und in XXL-Format ein sorgenfreies Leben an der Seite der Leggings führte. Und dann fiel er in ein tiefes schwarzes Loch. Plötzlich galt das Strickteil als langweilig, fade, bieder, ein Kleidungsstück, das Nerds, Studienräten und anderen Menschen, die Mode für ein seltsames Hobby halten, vorbehalten war. Dabei musste der Pullover zusehen, wie andere für die Hauptrollen in der Garderobe gecastet wurden: Cardigans, Westen und Blazer.

          Der Hype um den Statement-Sweater

          Es brauchte keine Regisseure, sondern Designer, die den Pullover wieder aus der dunklen Ecke holten. Einer der Ersten war Markus Lupfer, 42 Jahre alt, gebürtiger Schwabe, wohnhaft in London. Auch er wurde mal gehypt, geriet ein bisschen in Vergessenheit und war 2005 plötzlich wieder da, als er die Idee hatte, sich ganz auf das Thema Strick zu konzentrieren - und schließlich zwei Jahre später anfing, sie mit Motiven zu versehen. „Wir waren mit unseren fröhlichen und unbeschwerten Strickpullovern Vorreiter, daher freut es mich besonders, dass sie momentan so angesagt sind“, sagt er heute.

          Tatsächlich ist der Pullover in dieser Saison nicht mehr nur ein Kleidungsstück, das in die Mode zurückgefunden hat. Es ist auch eines, das in dieser Saison zum Bestseller wurde. Modemagazine sprechen gar davon, dass der Pullover die neue It-Bag sei, ein Teil also, das in der Kategorie „begehrenswert“ die allerhöchste Stufe erreicht hat.

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          „Für Jahre war Strick sehr klassisch und einfach, durch die ,Statement Sweater‘ bekommt Knitwear Persönlichkeit“, erklärt Markus Lupfer das Phänomen. Ein Grund dafür könnte der hohe Wiedererkennungswert sein. Denn begehrenswert sind nicht die unifarbenen Pullover aus teuren Garnen wie Kaschmir oder Merino, sondern die, die mit Print, Grafik oder Applikation eine Botschaft aufweisen. So gesehen hat der Strickpullover in Eintracht mit dem Sweatshirt dem T-Shirt den Rang abgelaufen, das über Jahrzehnte dazu diente, jede noch so belanglose Botschaft an den Mann zu bringen.

          Die Pullover mit aufgedruckten Tigerköpfen von Kenzo (Signature-Elementen!) gehörten in diesem Sommer zu den ersten Modellen, die den Hype um die Statement-Sweater auslösten, gefolgt von den plakativen Prints der Marke Givenchy, die ein bisschen an Versace aus den besten Zeiten erinnern und in diesem Herbst von Prominenten in London, New York und L.A. getragen werden.

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