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Städtetaschen : Paris, Madrid, Oer-Erkenschwick

  • -Aktualisiert am

Aus Metropolen und Metropölchen: Eine Million Taschen verkauft Avrahami jeden Monat. Bild: Dieter Rüchel

Auf der ganzen Welt erblickt man sie, diese Taschen. Boaz Avrahami hat sie erfunden, jeden Monat verkauft er eine Million Stück. Ein Besuch im niederländischen Hauptquartier.

          Alles folgt einer Logik. Wer einen Rembrandt kauft, der kauft auch einen Rahmen. Und wer Krawatten kauft, der kauft auch Schals. Boaz Avrahami spricht aus Erfahrung, wenn er das sagt, und er sagt, wer Schals kauft, der kauft auch Mützen und in Holland auch Schirme, denn die braucht er, weil es oft in Holland regnet. Erst dann kommen die Taschen. Und mit den Taschen kommt das Geld. Boaz Avrahami sitzt an seinem Mac in einem schmucklosen Lagerhaus mit verspiegelter Außenfassade vor den Toren Amsterdams und sagt: „Ich kann mir alles leisten, was ich möchte.“

          Wenn bei Avrahami das Telefon klingelt, geht es oft um ein paar Meter. Avrahami hat immer gern ein paar Meter Ladenzeile mehr, denn mehr Meter bedeuten mehr Umsatz. Avrahami ist jetzt 53, und vor nicht allzu langer Zeit hat er etwas erfunden, das sein Leben nachhaltig verändern sollte: Städtetaschen. Schwarze Taschen, auf denen nichts steht als der Name der Stadt, in der sie gekauft wurden. Seine Firma Robin Ruth agiert heute in 40 Ländern der Welt, sie verkauft in Souvenirgeschäften, Flughäfen, bei Macy’s, Galeria Kaufhof, Karstadt, Disneyland, den Universal Studios, Madame Tussauds. Es gibt Buchläden, die verkaufen mehr von Avrahamis Taschen als Bücher. An jeder Touristenbutze kriegt man diese Teile.

          Zehn Jahre lang zu viele Morgen

          Boaz Avrahami wird in Israel geboren. Mit 23 Jahren verlässt er das Land. Es gibt zu viele Grenzen, das Land ist zu klein, er will die Welt sehen und kommt nach England. Als Punk lebt er auf den Straßen von Chelsea, bis es ihn nach Amsterdam verschlägt. Er will Mathe und Statistik studieren, doch ein wohlhabender Freund sagt: Studiere nicht, verdiene jetzt dein Geld. Und Avrahami macht das. Gemeinsam fangen sie an, aus Hongkong importierte Ölgemälde in Amsterdam zu verkaufen. Gefälschte Rembrandts, van Goghs, was die Leute so wollen. Jeden Tag von Neuem. „Man baut sich etwas auf, und morgen ist es vorüber“, sagt Avrahami. Die meisten Leute brauchen nur ein Bild. „Und morgen fängst du wieder von vorne an.“ Zehn Jahre lang sieht er zu viele Morgen, hat keine Wochenenden, er will das Leben wieder genießen. Und so hört dieser Lebensabschnitt auf.

          „Was wusste ich denn schon“, sagt Avrahami heute. „Ich wusste, wie ich Produkte aus China importiere. Ich kann Waren schnell und präzise beurteilen. Und ich wollte etwas mit Mode machen.“ Mit Mitte 30 eröffnet er mit seiner damaligen Freundin, die heute seine Frau ist, ein Krawattengeschäft. Er nennt es „Tie Land“. Lokomotiven, Palmen, Tiere, Weiß, Rot, Blau. „Ich liebe die amerikanische Flagge. Das ist die beste Farbkombination, die man sich vorstellen kann.“ Zuerst verkauft er 1000 Krawatten im Monat, dann 3000 in der Woche, irgendwann sind es 4000.

          Äußerst erfolgreich: Avrahami im Lager der Amsterdamer Zentrale.

          Heute verkauft Avrahami allein eine Million Taschen jeden Monat. In Amsterdam arbeiten 15 Festangestellte für ihn. Drei Fabriken bei Schanghai produzieren ausschließlich Robin-Ruth-Produkte. Auf der ganzen Welt kosten die Taschen etwa gleich viel, 15 bis 25 Euro, in Russland sind sie etwas teurer. „Aber unser stärkster Markt ist Amerika, in New York verkaufen sich die Produkte wie verrückt.“ Wenn Avrahami über den Times Square läuft, sieht er überall seine Taschen. „Das ist nicht mehr normal.“ Eines Tages spricht er eine Trägerin an und fragt, ob das eine echte Robin-Ruth-Tasche sei. Da sagt sie: Keine Ahnung. „In diesem Moment wusste ich, dass sich etwas ändern muss.“ Die fehlende Markenplazierung war ein Kompromiss der frühen Jahre. Er wollte die Marke aufbauen, aber die Händler sagten: Mit Label verkaufen wir deine Taschen nicht.

          Die Händler reißen sich um seine Ware

          Jetzt kann es ihm egal sein, heute reißen sich die Händler um Avrahamis Ware. Gerade hat er Geschäfte in Brasilien eröffnet, Chile ist in Planung, Argentinien, Mexiko, Kuba, das sind nur die jüngsten Ziele der Expansion. Von China verspricht sich Avrahami sehr viel, drei Partner helfen bei der Vorbereitung für den Markteintritt.

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