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Tipps für die Selbständigkeit : Plan Plein

„Eigentlich sind wir noch Newcomer“: Philipp Plein. Bild: © ImagesPhoto/Splash News/Corbis

Wie baut man ein Mode-Imperium auf? Philipp Plein hat das ohne einen einzigen Kredit geschafft. Uns hat er seinen Step-by-Step-Guide verraten.

          Schritt 1: Unabhängigkeit schaffen

          Ich habe nicht angefangen, Jura zu studieren, mit der Absicht, irgendwann mal Modedesigner zu werden. Das war eine Entwicklung. Obwohl ich schon damals die Ambition hatte, mich selbständig zu machen. Bis zum Abitur war ich im Internat, anschließend wollte ich unbedingt meine Unabhängigkeit zurück. Ich fing an, in Erlangen zu studieren und habe eine Zeitlang bei meinen Eltern in Nürnberg gelebt. Als Student ist man eben immer noch finanziell von den Eltern abhängig. Also musste ich Geld verdienen. So fing ich an, mich für alles Mögliche zu interessieren, auch für Möbel.

          Schritt 2: Keine Scheu, das Gegenteil von dem zu tun, was alle machen

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war das Zeitalter der New Economy, als ich ein In­teresse für Möbel entwickelte. Alle wollten Internet­firmen gründen, Yahoo und AOL waren gerade raus­ge­kommen. In diesem Moment habe ich mich für die Old Economy entschieden. Ich habe angefangen, Möbel­stücke zu zeichnen, später dann auch die ersten Proto­typen umzusetzen.

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          Schritt 3: Ein Pilotprojekt starten

          Ich habe zu der Zeit, 1998, ja noch studiert, die Möbel waren eine Art Pilotprojekt. Die Firma dazu fand ich in den neuen Bundesländern – zwei Brüder, die Möbel geschweißt haben. Die ersten Stücke waren katastrophal. Eigentlich konnten sie gar keine Möbel machen, sondern nur Industrieanlagen schweißen. Aber sie waren ambitioniert, ich musste die Prototypen nicht bezahlen, so lange sie nicht perfekt waren. Als es soweit war, bin ich damit auf die ersten Messen gegangen – und habe in den Anfangsjahren trotzdem nichts verkauft. Ich habe Möbel entworfen und gebaut, aber niemand hat sie gekauft, denn die Marke war ja unbekannt.

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          Schritt 4: Das eigene Angebot überdenken

          Es gab nach ein paar Jahren den Punkt, an dem ich gesagt habe: Hey, die Edelstahlmöbel sind ja toll, aber du brauchst da etwas Warmes, eine Art Kissen. Leder! So habe ich mir eine Ledermesse in Italien herausgesucht, um dort Leder zum Polstern meiner Möbel zu kaufen. Nur war das vorrangig eine Messe für Textilleder, für Taschen, Schuhe, Gürtel, das wusste ich nicht. Alles war sehr modisch angehaucht, und überall gab es geprägtes Krokoleder. Also habe ich geprägtes Krokoleder gekauft und – wieder in Ostdeutschland – einen Polsterer ausfindig gemacht, der bei seiner Mutter lebte. Dort in dem Dorf herrschte regelrechte Landflucht. Dann kam das Leder, und er konnte damit nichts polstern, weil es so bröckelhart war. Ich kannte mich ja nicht aus. Ich hatte Leder für Schuhe bestellt. Das war eine Katastrophe, ich hatte dafür ein paar tausend Euro bezahlt. Dann kam die Idee, dass wir damit einen Tisch beziehen. Kroko­leder als Tischoberfläche!

          Schritt 5: Riesenglück haben

          Die Möbelmesse in Köln stand vor der Tür. Es ist wichtig zu erwähnen, dass das damals die große Zeit von Rolf Benz war. Das Unternehmen hatte die Hälfte einer ganzen Messehalle eingenommen, was weiß ich, wie viel Quadratmeter, ein dreistöckiger Messestand. Ich hatte meinen Stand jedenfalls genau neben dem von Rolf Benz. Das war gigantisch! Ich hatte natürlich meinen Kroko-Tisch dabei, und der hat sich wie geschnitten Brot verkauft. Das war die erste Million Umsatz. So konnte ich den Tisch in allen Farben herstellen, als Konsole, Nachttisch, Schreibtisch, dann gab es einen Stuhl dazu. Und nach einem Jahr gab es ihn dann im Otto-Katalog, made in China. Die Kleinen werden eben immer als Inspirationsquelle genommen.

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