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Kompostierbares Einweggeschirr : Natur zum Essen

Ein Teller ist ein Teller ist eine Seerose: Die Inspiration für das federleichte Geschirr war Victoria amazonica. Die Teller und Schüsseln werden aus Zuckerrohrresten hergestellt und sehen trotzdem wie Porzellan aus. Bild: Christian-M. Pohlert

Die neue Besteckserie des schwedischen Designer-Duos Bernadotte & Kylberg besteht zu 100 Prozent aus pflanzlichem Material und ist biologisch abbaubar. Ungewöhnlich genug, doch kann dieses kompostierbare Geschirr in unserer Plastikwelt bestehen?

          An einem Steak haben sich die beiden noch nicht versucht, aber an einer rohen Kartoffel. Und eine Kartoffel, sagt Oscar Kylberg, sei ja wohl der eigentliche Härtetest. Zumindest wenn es um Plastik-besteck geht. Dabei ist schon der Begriff Plastik irreführend: Die neue Besteckserie des schwedischen Designer-Duos Bernadotte & Kylberg besteht zu 100 Prozent aus pflanzlichem Material und ist biologisch abbaubar. Das Material, kurz CPLA genannt, entsteht bei der Fermentierung von Maisstärke. Noch ungewöhnlicher ist der Stoff, aus dem die Teller und Schüsseln der Einweg-Kollektion Amazonica sind: Bagasse. Dabei handelt es sich um Faserreste, die bei der Produktion von Zucker aus Zuckerrohr entstehen. Bagasse zerfällt nach der Kompostierung in nur wenigen Wochen zu Erde. Selbst die Servietten zur Kollektion, auf denen sich grafisch das Geschirr wiederfindet, sind aus kompostierbarem Zellstoff hergestellt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Carl Philip von Schweden und Oscar Kylberg haben erstmals ein echtes Massenprodukt auf den Markt gebracht. Auftraggeber war das auf Tischgedecke spezialisierte Unternehmen Duni mit Sitz im schwedischen Malmö. Fast eineinhalb Jahre hat die Arbeit an dem Projekt gedauert. Was es werden sollte, stand von Anfang an fest. Auch dass die Einwegartikel umweltfreundlich sein sollten. Die Materialien aber ergaben sich erst mit der Zeit.

          Über allem habe ein Slogan gestanden, den sie sich auch in ihrem Stockholmer Studio groß an die Wand hefteten: „Celebrate Food“. Kylberg nennt es das Herzstück der Kollektion: „Wir wollen Mahlzeiten zelebrieren.“

          Dabei half ihnen das Material Bagasse, das von weitem wie Porzellan wirkt, doch viel leichter ist und eine ungleichmäßige Oberfläche hat. Wie bei sehr dünnem Porzellan scheint Licht durch die Teller und Schalen. Obwohl es ein Wegwerf-Produkt ist, wirkt es fast so edel wie das feinkeramische Erzeugnis.

          Der Elfenbeinton unterstreicht noch die Idee, dass das Hauptaugenmerk auf den Speisen liegen soll. Sie sind dann die Farbtupfer auf dem neutralen Untergrund. Das Weiß des Geschirrs sei durchaus gewollt, sagt Kylberg. Allerdings lasse sich das Abfallprodukt Bagasse sowieso nur schlecht einfärben. Die Herstellung indes ist einfach: Die ausgepressten Zuckerrohrstengel werden pulverisiert, zu einer Paste verarbeitet und in Formen gepresst.

          An der Form haben die beiden Schweden besonders lange getüftelt. „Wir haben uns von einer Seerosenart aus dem Amazonasgebiet inspirieren lassen“, erzählt Kylberg. Tatsächlich fügen sich der flache und der tiefe Teller mit der kleinen Schale obenauf zu einer großen Blüte zusammen, die wie eine Seerose auf Wasser schwimmen könnte.

          Kylberg lacht, wenn man ihn auf Bezüge zu Carl Philips Familie anspricht. „Reiner Zufall“, sagt er in Vertretung seines Partners, der sich an diesem Tag in Stockholm um seinen im August geborenen zweiten Sohn Gabriel Carl Walther kümmern muss. Die Riesenseerose Victoria amazonica trägt also nur zufällig den Namen von Carl Philips älterer Schwester, der schwedischen Thronfolgerin Victoria. Koinzidenz ist auch, dass Königin Silvia eine brasilianische Mutter hatte und in São Paulo aufwuchs.

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