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Rollkragenpullover : Hoch hinaus bei Minusgraden

  • -Aktualisiert am

Puristisch sympathisch: Rollkragen zum Pencilskirt von Jil Sander Bild: dpa

Der Rollkragenpullover galt lange Zeit als Symbol der Künstler und Kreativen. Aber in diesem streng beginnenden Winter nutzt er auch denen, die lieber weniger denken. Denn das Kleidungsstück hat sich entscheidend verändert.

          Kaum ein Kleidungsstück hat mehr Zeug zum Markenzeichen als er: Im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Prés - Mitte des 20. Jahrhunderts Hochburg des französischen Existenzialismus - diskutierten Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Orson Welles im Café Les Deux Magots und Café de Flore. Abends lauschten sie nur wenige Meter weiter im Kellerclub Le Tabou der französischen Chansonsängerin und Schauspielerin Juliette Gréco, die neben ihrer Stimme noch für etwas anderes bekannt war. Sie stand am liebsten im schwarzen Rollkragenpullover auf der Bühne.

          Klassisch, aber nicht bieder. Angezogen, aber doch lässig. Modern, aber nicht modisch. Den hochgeschlossenen Pullover entdeckten nicht nur die Pariser Existenzialisten als angemessenes Bekleidungsstück. In den sechziger Jahren machten ihn Schauspielerinnen wie Audrey Hepburn und Grace Kelly für eine ganze Generation zum Kult. 1973 verlieh ihm Schauspieler Roger Moore den Anstrich von Abenteuerlust und Männlichkeit, als er in seinem Auftritt als James Bond in „Leben und sterben lassen“ im schwarzen Rollkragenpullover den Bösewicht Kananga verfolgte.

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          Der Auftritt ist Daniel Craig anscheinend in Erinnerung geblieben. Der Schauspieler ließ sich 2015, 42 Jahre später, in der aktuellen James-Bond-Rolle für „Spectre“ im gleichen Outfit - schwarzer Rolli, schwarze Hose - für die Bewerbung des Kinostreifens ablichten. Oder Apple-Gründer Steve Jobs, bis zu seinem Tod im Jahr 2011 trug er nichts anderes als einen schwarzen Rolli zur Jeans.

          Die Beispiele zeigen: Der Rollkragenpullover ist nicht nur ein Klassiker, sondern zugleich markant genug, um seinem Look damit eine gewisse Kante zu geben. Galeristen, Designern, Malern, Schriftstellern scheint das besonders wichtig zu sein, sie tragen jedenfalls auffällig oft Rollkragenpullover. Allen anderen galt das Teil lange Zeit als zu streng.

          Markenzeichen bis zum Lebensende: Der ehemalige Apple-Chef Steve Jobs (r.) trug stets Rollkragen. Bilderstrecke
          Markenzeichen bis zum Lebensende: Der ehemalige Apple-Chef Steve Jobs (r.) trug stets Rollkragen. :

          Das könnte sich jetzt ändern, der Rollkragenpullover meldet sich nun auch jenseits der Architektentische und Vernissagen zurück, auch weil er lange nicht mehr so ernst anmutet wie noch beim letzten großen Rolli-Trend, damals vor fünf Jahren, als das Stück am besten weiß, schmal geschnitten und skiunterwäschendünn sein musste, so wie es Phoebe Philo bei Céline vorgemacht hatte. Heute ist das anders, bequemer: Jil-Sander-Kreativchef Rodolfo Paglialunga kombiniert jetzt kuschelige XL-Rollkragenpullover zu Bleistiftröcken. Stella McCartney verleiht großzügig geschnittenen Kleidern durch den hohen Halsausschnitt eine neue Optik. Valentino schichtet sie unter das Cape. Auch Phoebe Philo hängt bei Céline noch immer am Rolli, aber nun blitzt er auch unter Grobstrick hervor. Und Etro zeigt, dass der Rollkragenpullover für Herren sogar bunt sein darf.

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