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Möbel-Design : Ist das Kunst oder ein Sofa?

Eher Material fürs Museum als für den Alltag: „Pools & Pouf!“ heißt diese Kreation von Robert Stadler aus dem Jahr 2004. Bild: Foto Patrick Gries

Kunstwerk oder Produkt? Ernsthaft oder absurd? Designkünstler Robert Stadler entwirft außergewöhnliche Möbel: Seine Sofas können schon mal an die geschmolzenen Uhren von Salvador Dalí erinnern.

          Es sollte kein neuer Stuhl werden, sondern die Abwandlung eines schon vorhandenen Stuhls. Doch als Thierry Costes den Designer Robert Stadler bat, den aus dem Jahr 1859 stammenden Kaffeehausstuhl von Michael Thonet für das Pariser Restaurant „Corso Bastille“ anzupassen, wollte sich der Österreicher nicht einfach an noch einer Abwandlung des ikonischen Möbelstücks mit der aus Holz gebogenen Rückenlehne versuchen. „Ich entschloss mich, lieber einen neuen Stuhl für Thonet zu gestalten.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Stadler begann, sich mit dem 214 von Michael Thonet zu beschäftigen. Dabei stellte er fest, dass gute Handarbeit ihren Preis hat. Der Stuhl der Stühle, wie das erste industriell gefertigte Möbelstück auch genannt wird, eroberte einst in Millionenauflage die Welt – auch weil es, zerlegt und in Kisten gepackt, preiswert auf Reisen geschickt werden konnte.

          Damals war die Herstellung kostengünstig, heute ist das anders, da das Holz für den Rücken noch immer von Hand gebogen wird. Stadlers Entwurf mit der Nummer 107 wird hingegen fast ganz maschinell hergestellt. Und während das Gestell aus Massivholz besteht, sind Sitz und fragmentierter Rücken aus Formsperrholz gefertigt. Das macht ihn robust und leicht zugleich, ideal für ein Restaurant wie das „Corso Bastille“.

          Robert Stadler studierte Design in Mailand und Paris.
          Robert Stadler studierte Design in Mailand und Paris. : Bild: Foto Jacques Gavard

          Robert Stadler, 1966 in Wien geboren, entwirft zwar auch Möbel. Er arbeitet aber meist an der Schnittstelle zwischen Design und bildender Kunst. So kann ein Ledersofa bei ihm schon mal an die geschmolzenen Uhren aus einem Salvador-Dali-Gemälde erinnern (Pools & Pouf!, 2004). Erstmals widmen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nun Robert Stadler eine Überblicksausstellung. Die von der Direktorin des Kunstgewerbemuseums Tulga Beyerle initiierte Schau „You May Also Like: Robert Stadler“ ist keine Retrospektive im engeren Sinne, die nur seine eigenen Entwürfe zeigen würde. Die Ausstellung kombiniert vielmehr Objekte verschiedener Künstler aus unterschiedlichen Epochen und präsentiert neben Stücken aus Stadlers eigenem Besitz auch 20 Meisterwerke und unbekannte Artefakte aus acht Sammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen.

          Neben dem Bologneser Hund: So könnte Stadlers Stuhl-Kreation „107“ im Kunstgewerbemuseum präsentiert werden.
          Neben dem Bologneser Hund: So könnte Stadlers Stuhl-Kreation „107“ im Kunstgewerbemuseum präsentiert werden. : Bild: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

          Die Kombination von Objekten aus verschiedenen Epochen soll eine transhistorische „Gemeinschaft der Objekte“ schaffen. Stadler und Kurator Alexis Vaillant wollen erreichen, dass sich der Besucher fragt, ob ein Objekt Kunstwerk oder Produkt ist, kostbar oder schlicht, ernsthaft oder absurd. Stadlers Stuhl 107 könnte sich am Ende zum Beispiel neben einem gut 280 Jahre alten Bologneser Hund aus Meißner Porzellan wiederfinden.

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          Die Ausstellung

          „You May Also Like: Robert Stadler“ des Kunstgewerbemuseums ist vom 18. März bis 25. Juni 2017 in der Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden zu sehen.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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