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Ringe in Hufeisenform : Alles hat ein Ende, mancher Ring hat zwei

Ringe in Hufeisenform liegen im Trend. Bild: Frank Röth

Schmuck ist nicht immer mehr ein Geschenk von Männern an Frauen. Und er muss nicht immer so konventionell sein: Ringe in Hufeisenform erobern derzeit die Schmuckwelt.

          Jetzt, da sich erfolgreiche Frauen teuren Schmuck nicht mehr nur von Männern schenken lassen, sondern ihn sich auch selbst schenken, musste der Ring neu erfunden werden - als offener Ring. Dieses Schmuckstück wird nicht von Männern an den richtigen Finger gesteckt, um dort eine halbe Ewigkeit zu bleiben und erst im Streit - dann von der Frau - abgezogen und in die Ecke gepfeffert zu werden. Im Gegenteil, gut möglich, dass sich Männer bei offenen Ringen in Hufeisenform fragen, ob die überhaupt fest genug sitzen, so mit einem Anfang und einem Ende? Oder ob man die nicht furchtbar schnell verlieren kann?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Könnte alles zutreffen. Allerdings hat ein Ring neben der schmückenden noch eine praktische Funktion: Wenn man nervös oder gelangweilt ist, kann man gut mit ihm spielen. Da das Ende buchstäblich offen ist, da der Ring stets wie zufällig an den Finger gesteckt aussieht, macht das nur noch mehr Spaß. Klar, dass hinter solchen Ringen auch Frauen stehen müssen, die sie entwerfen, Frauen wie Delfina Delettrez Fendi, die, obwohl noch jung, schon eine Institution in der Schmuckwelt ist. Den Ring aus 9 Karat Gelbgold mit Perle, rotem Email-Kussmund und einer großen Lücke dazwischen (im Bild links in der Mitte), erhältlich über stylebop.com, verstehen andere Frauen trotzdem als Spaßring. Auch witzig, wie die New Yorker Schmuckdesignerin Jennifer Fisher (unten rechts, ebenfalls über stylebop.com) auf Facebook neben Fotos von ihren Ringen ebenso viele Bilder ihrer Kinder und Shakshuka-Eierspeisen zeigt. Oder Frauen wie die Dänin Vibe Harsløf, die nicht nur unter eigenem Namen entwirft, sondern seit dieser Saison auch für Kinraden. Der Stein im Ring (oben in der Mitte) ist deshalb auch eigentlich gar keiner, sondern ein Stück Mpingo-Holz.

          Was nicht bedeuten soll, dass nicht auch in Deutschland interessante Schmuckmacherinnen offene Ringe entwerfen, Juwelierinnen wie Denitza Margova aus Berlin (rechts in der Mitte), deren Kindheit in Bulgarien stets eine wichtige Rolle in ihrer Arbeit spielt - noch heute lässt sie ihre Stücke in einem bulgarischen Familienunternehmen fertigen. Oder Ina Beissner (in der Mitte unten), die in Lima geboren wurde, in Mailand studierte, heute ebenfalls in Berlin arbeitet und dort Objekte entwirft wie diesen Ring, der gleich drei Finger umschließt - und trotzdem offen ist.

          Aber der offene Ring ist mehr als ein interessantes Konzept - diese Modelle müssen auch kommerzielle Renner sein. Das erkennt man daran, dass viele große Häuser nun den Trend aufnehmen. Von Maison Margiela gibt es das Hufeisen-Schmuckstück zusammen mit einem herkömmlichen Modell als „floating ring“ (oben rechts, ebenfalls über stylebop.com), bei Dior umschließt die Tatze des Mitza-Rings (unten links) den Finger eben nur fast, und der T-Square-Ring (oben links) ist bei Tiffany schon fast ein Klassiker, obwohl er erst im September vergangenen Jahres lanciert wurde. Erfunden hat ihn, klar, eine Frau: Francesca Amfitheatrof - nach 177 Jahren die erste weibliche Design-Chefin beim New Yorker Unternehmen Tiffany & Co.

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