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Original oder Fälschung: Diese Tasche ist von Cult Gaia. Ein Patent auf den Entwurf hat die Designerin damit trotzdem nicht. Bild: Getty

Rechte am Design : Wer hat’s erfunden?

  • -Aktualisiert am

Eine Tasche aus Bambus wird erst zum Accessoire dieses Sommers – und dann zum Streitthema. Kann die Marke Cult Gaia ein Recht auf ein Taschendesign haben, das wiederum an die japanische Kultur angelehnt ist?

          Dass ein Unternehmen dem anderen vorwirft, einen seiner Entwürfe kopiert zu haben, ist nichts Ungewöhnliches in der Mode. Schnappschüsse von Outfits auf den Laufstegen landen innerhalb von Sekunden in sozialen Netzwerken, wenig später sind oft ganz ähnliche Kleider und Accessoires in den Filialen der Discounter oder in den Kollektionen der Konkurrenz zu sehen. Plagiatsvorwürfe von sich zu weisen, gehört daher fast schon zum Standardrepertoire der PR-Abteilungen großer Marken. Dass ein Unternehmen auf solche Beschuldigungen seinerseits mit dem Vorwurf des Ideenklaus reagiert, das geschieht schon seltener. Entstammt die so umstrittene Idee auch noch der Tradition eines anderen Kulturkreises als jenem des ursprünglichen Anklägers, wird es richtig kompliziert.

          Das 2013 gegründete Label Cult Gaia aus Los Angeles wirft der ebenfalls amerikanischen Marke Steve Madden vor, sein bekanntestes Produkt kopiert zu haben, nämlich eine halbmondförmige Handtasche aus schmalen Bambus-Streben. Steve Madden hält dagegen, Cult Gaia habe deren Design gar nicht selbst erfunden, sondern aus der japanischen Kultur übernommen. Cult Gaia fordert dennoch Schadenersatz. Junges Start-up-Label gegen etablierte Marke, Plagiatsvorwürfe und kulturelle Aneignung, große Stückzahlen und noch größere Umsätze: Nahezu alle Reizthemen der Modewelt stecken in diesem Streit um eine der am meisten getragenen Taschen des Sommers.

          Dabei begann alles so schön, so leichtfüßig und so erfolgsverheißend. Auf Instagram, in den Straßen von Los Angeles bis Lüneburg, in den Händen von stilbildenden Pop-Diven wie Beyoncé und Rihanna war sie vergangenes Frühjahr zu sehen, die Ark Bag von Cult Gaia. Mit luftdurchlässigen Streben aus Bambus und der halbrunden Form erinnert sie an Körbe und Taschen aus Bast, erscheint aber nicht so leger, als käme man gerade vom Strandausflug. Ihr kleines Format, die kurzen Henkel und ihre symmetrische Form machen die Tasche abendtauglich, glitzernden Partykleidern verleiht sie bodenständige Gelassenheit und allzu verspielt-flatternden Sommerkleidern klare Struktur.

          Die günstige Tasche war monatelang ausverkauft

          Sie bietet genug Platz für große Portemonnaies und Handys, aber auch schmale Haarnadeln sind in ihr sicher aufgehoben. In der naturbelassenen Version passt sie zu jedem noch so extravagant gemusterten Sommerkleid. Für eine It-Bag, als die sie schnell galt, ist die Ark Bag auch noch ein echtes Schnäppchen: Um die 100 Euro kostet die kleine, circa 300 Euro die etwas größere Variante. Die Wartelisten explodierten, monatelang war die Tasche ausverkauft. Jasmin Larian, Gründerin von Cult Gaia, selbst so schön wie ein Model und stets in durchdachtem, aber unaufgeregtem Stil erscheinend, hatte ganz offensichtlich einen modischen Nerv getroffen.

          Ihre Bambustasche mutet wie eine zeitgenössische Variante des legendären Strohkorbs an, den Jane Birkin in den sechziger und siebziger Jahren sogar zum Pelzmantel souverän trug. Es handelte sich um einen unprätentiösen Klassiker mit Historie und Funktion, einen portugiesischen runden Fischerkorb mit Deckel. Diese selbstbewusste Nonchalance greift auch die Ark Bag auf, die stark an japanische Picknicktaschen aus den vierziger Jahren erinnert. Das wirkt sehr unabhängig, ein bisschen verspielt – und dank der unübersehbaren Reminiszenz an die Kultur Japans auch sehr kosmopolitisch. Ausgerechnet Letzteres erweist sich nun als Problem für Cult Gaia.

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