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Veröffentlicht: 12.02.2017, 17:23 Uhr

New Yorker Modewoche Kurz vor Panik

Die New Yorker Mode steckt in der Krise. Billigmarken, mangelndes Interesse und Angst vor Trumps Politik sind nur ein paar der Gründe. Da hilft auch keine Fashion Week.

von , New York
© AP Goldig: Präsentation der Kollektion von Jason Wu

Es muss ja keine große Schau sein. Zehn Models kommen in den Saal, stellen sich vor die Videowand, bleiben ein paar Minuten und gehen wieder. Das war’s. „Die Mode reflektiert ihre Zeit“, sagt Designer Thakoon Panichgul. Das heißt in diesem Fall wohl: Wenn man eine kleine Präsentation veranstaltet, dann spart man sich das Geld für eine große Schau. Und damit das alles nicht zu trostlos nach Herbst und Winter 2017 aussieht, blühen auf den Kleidern des New Yorker Modemachers Frühlingsblumen.

Alfons  Kaiser Folgen:

Aber die Lage bleibt traurig. Ausgerechnet zur Fashion Week, die am vergangenen Mittwoch begann und noch bis Donnerstag dauert, herrscht trübe Stimmung in der New Yorker Modebranche, in der mehr als 900 Unternehmen etwa 180000 Menschen beschäftigen.

44752583 © EPA Vergrößern Superstar Gigi Hadid war natürlich auch da. Diesmal in einem Outfit von Jeremy Scott.

Bei vielen Marken sinken die Umsätze

Nur eine Schau verbreitet eine andere Stimmung: Raf Simons’ Premiere für Calvin Klein am Freitag ist von durchschlagendem Erfolg bei Kritikern und Einkäufern. Die angeblich 20 Millionen Dollar, die der Designer pro Jahr bekommt, müssen für den Konzern Phillips-Van Heusen kein rausgeschmissenes Geld bedeuten. Das Beispiel Gucci, wo ein neuer Designer zuletzt zu einem Umsatzwachstum von 20 Prozent führte, beweist: Mit starkem Design ist noch immer viel zu holen.

Aber natürlich nicht überall. Ralph Lauren legt schlechte Quartalszahlen vor und entlässt den Geschäftsführer Stefan Larsson nach nicht einmal anderthalb Jahren. Michael Kors, der ewige Sunnyboy, steht nicht mehr auf der Sonnenseite – der Umsatz ist im letzten Quartal auf 1,35 Milliarden Dollar gesunken. Und erst Marc Jacobs! Der ehemalige Louis-Vuitton-Designer fand bei einem Gespräch des LVMH-Chefs mit Investoren eine denkwürdige Erwähnung: Bernard Arnault sagte, er habe zur Zeit mehr Probleme mit seiner Marke Marc Jacobs als mit dem neuen amerikanischen Präsidenten.

Krise trifft auch die Kaufhäuser

Weiter geht’s zu Tiffany & Co.: Wegen schlechter Zahlen wird nach der Kreativdirektorin nun auch der Vorstandsvorsitzende ausgewechselt. Zu einem geringen Teil liegt das an den Sicherheitsvorkehrungen und Demonstrationen vor dem Hauptgeschäft am Trump Tower, zum größeren am vergeblichen Versuch, die „Millennials“ für sich zu begeistern.

Auch die Kaufhäuser leiden. Allein Macy’s wird in diesem Jahr 63 Geschäfte schließen. Plötzlich stellen die Amerikaner fest, dass sie all ihre Einkaufszentren nicht mehr brauchen – weil sie pro Einwohner fünf Mal so viel Mall-Fläche haben wie die Briten und acht Mal so viel wie Italiener.

Calvin Klein © Reuters Vergrößern Plastik über Federkleid: Die Show von Calvin Klein war ein großer Erfolg.

Ärger mit Ivanka sorgt für steigende Aktienkurse

Und als ob das nicht genug wäre, muss sich Nordstrom nun auch noch mit dem Präsidenten herumschlagen. Die Kaufhauskette aus Seattle hatte angekündigt, die Ivanka-Trump-Kollektion nicht mehr anzubieten, weil sie sich vor allem im zweiten Halbjahr 2016 schlecht verkaufte; auch Neiman Marcus nahm die Produkte aus dem Sortiment. Und schon kam eine Twitter-Mitteilung von „@realDonaldTrump“ himself: „Meine Tochter Ivanka wurde so unfair von Nordstrom behandelt. Sie ist eine tolle Person – bringt mich immer dazu, das Richtige zu tun. Schrecklich!“

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Als Trumps Beraterin Kellyanne Conway daraufhin sagte, „Kauft Ivankas Sachen“, geriet sie wegen Verletzung der Ethikstandards in Bedrängnis. Immerhin ging der Nordstrom-Aktienkurs nach oben.

Alexander Wang © Reuters Vergrößern Bella Hadid läuft für Designer Alexander Wang.

Angst vor hohen Produktionskosten

Gefahren lauern für die Modebranche überall. Die Billiganbieter wachsen weiter. So eröffnet Primark im März das erste Großgeschäft in New York, in der Staten Island Mall. Der wachsende Online-Handel – auch Amazon baut das Modesortiment weiter aus – bringt Boutiquen und Kaufhäuser in Schwierigkeiten. Nachwachsende scheren sich kaum noch um alte Marken. Und nun müssen sich Hersteller und Händler auch noch vor Trumps „border adjustment tax“ fürchten. Eine unterbrochene Lieferkette vom Billiglohnland Mexiko nach Norden könnte nicht durch Produzenten in den Vereinigten Staaten aufgefangen werden – denn die gibt es kaum noch.

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