Home
http://www.faz.net/-hrx-7azic
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Neue Schiaparelli-Kollektion Rosa Bommeln für die Urmutter

Premieren gibt es viele in der Haute-Couture-Woche, eine reizt aber ganz besonders: Christian Lacroix stellt in Paris seine Kollektion für die Marke Schiaparelli vor.

© AFP Von gestern für morgen: Lacroix-Entwurf für Schiaparelli

So viel los war im Musée des Arts décoratifs schon lange nicht mehr. Premieren gibt es zwar genug in der Haute-Couture-Woche, die an diesem Donnerstag nach einem Dutzend Schauen und unzähligen Präsentationen endet - unter anderem die erste Kollektion höherer Schneiderkunst der niederländischen Übertreibungskünstler Viktor & Rolf seit Jahren. Aber ein anderes Duo reizt die Phantasien noch stärker: Elsa Schiaparelli, 1890 in Rom geboren und 1973 in Paris gestorben, die wichtigste surrealistische Modeschöpferin; und Christian Lacroix, 1951 in Arles geboren und 1973 nach Paris gekommen, einer der größten lebenden Couturiers.

Alfons  Kaiser Folgen:

„Ja, ich hätte ihr noch leibhaftig begegnen können“, sagt Lacroix, der in dem Kunstgewerbemuseum an der Rue de Rivoli im Nadelstreifen-Anzug bei brüllender Hitze Hunderte Gäste begrüßt. „Mein erstes Jahr in Paris war ihr Todesjahr. Aber leider habe ich sie nie getroffen.“ Der Modeschöpfer, der seit den Achtzigern mit seinen ausufernden Entwürfen bekannt wurde, seine Marke aber 2009 in den Ruin führte und seitdem mit dem Innendesign von Zügen oder der Ausstattung von Opern von sich reden macht, verehrt die große Vorgängerin dennoch: „Ohne sie wäre ich sicher auch Modemacher geworden - aber bestimmt nicht ein solcher Designer.“

Die Besucher schwitzen vor Begeisterung

Kein Wunder also, dass der italienische Modeunternehmer Diego Della Valle („Tod’s“), der 2006 die Markenrechte an Schiaparelli erwarb, Christian Lacroix bat, die erste Kollektion für das neu auf den Markt kommende Modehaus zu entwerfen. Eine Zentrale direkt an der Place Vendôme gibt es schon, auch eine lizenzerprobte Geschäftsführerin (Camilla Schiavone) sowie eine Markenbotschafterin (Farida Khelfa). Jetzt müssen nur noch die Kleider her. Und an überschäumender Phantasie, die es mit den unzähligen Experimenten der anti-minimalistischen Gegenspielerin von Coco Chanel aufnehmen kann, fehlt es diesem Musterschüler des Extremen nicht.

FASHION-FRANCE-SCHIAPARELLI-LACROIX © AFP Vergrößern Die alte Elsa hätte ihre Freude an den Entwürfen

Die alte Elsa hätte ihre Freude an den nur 18 Entwürfen: wehende Feder-Gamaschen, rosafarbene Bommeln am Hut, schreiende Volumen und ebenso laute Farbkombinationen - blaue Handschuhe, grüner Schal, himmelblau-goldener Gürtel, lila Oberteil. Die ausgestellten Mäntel mit Taschen und Schleifen an den unmöglichsten Stellen plustern die Modegeschichte auf. Mit der historisierenden Pracht, seiner Spezialdisziplin, gerät Lacroix auch nicht in Verdacht, eine flache Kollektion zu entwerfen - wie es überhaupt die Couture-Kollektionen von Chanel über Dior bis Armani an nichts fehlen lassen, um nicht mit dem Prêt-à-porter verwechselt zu werden.

Mehr zum Thema

Die Besucher - unter ihnen Carla Bruni, Riccardo Tisci, Christian Louboutin - schwitzen vor Begeisterung. Jean Paul Gaultier, der zum Beispiel im Flakon-Design viel von der Urmutter gelernt hat, antwortet nur mit einem Lachen auf die Frage, ob er die nächste Kollektion für die Marke macht - die Designer sollen sich abwechseln. Rosita Missoni ist mit ihrer schwangeren Enkelin Margherita gekommen. Auch sie hat Schiaparelli nie persönlich erlebt. „Aber man macht sich keinen Begriff davon, wie wichtig sie war“, meint die Patriarchin der italienischen Strickmarke Missoni. „Letztlich wurden auch wir durch sie beeinflusst.“ Schiaparelli lebt also überall weiter - nicht nur in Paris, auch in Italien.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Termine des Tages Kaputte Brustimplantate

Ein neuer Gerichtstermin zu Schadenersatzforderungen gegen den TÜV im Skandal um Billig-Brustimplantate in Toulon, unzählige Quartalsberichte und einige Einkaufsmanagerindizes. Mehr

24.07.2015, 06:27 Uhr | Wirtschaft
Label Gauchère Klar, kühl, kantig

Die deutsche Designerin Marie-Christine Statz über die Kollektion ihres Labels Gauchère für die kommende Herbst-/Winter-Saison, die sie in Paris zeigt. Mehr

09.03.2015, 10:35 Uhr | Stil
Günter Kupetz Der Mann hinter der Flasche

Jeder hat schon einmal Wasser aus der Perlenflasche getrunken. Kaum einer weiß aber, wer eines der erfolgreichsten Produkte gestaltet hat: der Designer Günter Kupetz. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt

25.07.2015, 10:00 Uhr | Stil
Mailänder Modewoche Designer holt Menschen mit Behinderung auf den Catwalk

Er hat für Armani gearbeitet und Outfits für Lady Gaga entworfen: Jetzt hat Antonio Urzì auf der Mailänder Modewoche eine ganz besondere Kollektion vorgestellt. Extravagante Entwürfe für Menschen mit und ohne Behinderungen. Mehr

03.03.2015, 09:29 Uhr | Stil
Monstera deliciosa Schaut auf dieses Blatt!

Die Beliebtheit der Monstera ist ungebrochen. Woran liegt das? Auf den Spuren einer echten Berliner Pflanze, die nicht nur gut aussieht, sondern auch hervorragend schmeckende Früchte trägt. Mehr Von Florian Siebeck

22.07.2015, 08:59 Uhr | Stil

Veröffentlicht: 03.07.2013, 17:03 Uhr