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Die Strumpfhosen-Frage : Nahtloser Übergang

  • -Aktualisiert am

Sitzt sie? Reißt sie? Juckt sie? Die Fragen rund um Strumpfhosen treiben Frauen auf der ganzen Welt um. Junge Labels wie Bataillon Belette gehen deswegen in die Offensive. Bild: Hersteller

Ein Teil, an das viele Frauen monatelang nicht gedacht haben, wird schon in wenigen Wochen wieder wichtig sein: die Strumpfhose. Dabei sind die Probleme bekannt: Sie reißt schnell, rutscht und schadet der Umwelt. Ein paar Ideen, wie sie verbessert werden kann, gibt es aber schon.

          Unter allen Kleidungsstücken ist die Strumpfhose jenes, das mit Abstand die größten Probleme verursacht. Auf eine Strumpfhose ist nicht ohne weiteres Verlass. Einer Strumpfhose droht jederzeit eine Laufmasche. Eine Strumpfhose kann rutschen, selbst wenn man meint, die richtige Größe zu tragen. Auch deshalb darf man eine Strumpfhose auf gar keinen Fall zu heiß waschen, und sowieso immer nur von Hand. Und selbst dann ist ihre durchschnittliche Lebenserwartung winters kürzer als die einer Wespe im Sommer. Wer Pech hat, trägt sie nur ein einziges Mal oder ruiniert sie gleich beim ersten Anziehen. Dann beläuft sich der Nutzwert auf null. Die Strumpfhose ist somit das einzige Kleidungsstück, das man nicht nur braucht, sondern tatsächlich verbraucht.

          Auch wegen dieses horrenden Verschleißes werden jährlich weltweit zwei Milliarden neue Strumpfhosen produziert. Das ist nicht nur für Frauen, die sie tragen, mühsam, es ist auch problematisch für die Umwelt. Denn Strumpfhosen werden – sofern es sich nicht um die dicken aus Wolle handelt – aus einem Nylon-Elastan-Gemisch hergestellt. Diese beiden Fasern sind zumindest bislang anschließend nicht mehr voneinander trennbar, und die Teile somit noch nicht recycelbar. Hinzu kommt, dass es sich bei den beiden Materialien um synthetische Garne handelt, die auf Petroleum basieren und schon durch ihre Gewinnung und Verarbeitung Umweltschäden anrichten. So wird bei dem Herstellungsprozess von Nylon beispielsweise Distickstoffmonoxid freigesetzt, besser bekannt als Lachgas. Und auch Elastan ist nicht ohne: Seine kaum aus dem Wasser zu filternden Mikrofasern sind überall. Elastan ist damit eines der maßgeblichen Elemente, das die Meere verschmutzt.

          Das Ziel: Den Produktionskreislauf zu schließen

          Nun könnte man versuchen, künftig auf Strumpfhosen zu verzichten. Nur sagt sich das Anfang September, nach einem warmen Sommer, etwa so einfach, wie es sich nach einem Teller Pasta am Abend vornehmen lässt, ab dem nächsten Tag auf Kohlenhydrate zu verzichten. Ein Start-up aus Schweden versucht es mit einem anderen Weg: Swedish Stockings will an dem umweltunfreundlichen Fußabdruck der Strumpfhose schrauben. Seit 2013 beschäftigen sich die Schwedinnen Nadja Forsberg und Linn Frisinger mit der Frage, wie man das kurzlebige und umweltbelastende Modeprodukt nachhaltig verbessern kann. Sie haben verschiedene Ansatzpunkte identifiziert und produzieren ihre Strumpfhosen aus Nylonneben- und -abfallprodukten. Den Fertigungsprozess haben Forsberg und Frisinger ebenfalls optimiert. Sie produzieren solarbetrieben und mit einer Zero-Waste-Politik in einer Fabrik in Italien. Für den Färbeprozess wurden Wasserreinigungsanlagen installiert. Wiederverwertungssysteme recyceln alte Strumpfhosen, die Kunden einschicken können, beispielsweise zu Wassertanks.

          „Es wäre natürlich ideal, wenn man aus alten Strumpfhosen ein neues Paar machen könnte“, sagt Linn Frisinger. „Dann wäre unser Ziel, den Kreislauf zu schließen, erfüllt.“ Daran arbeiten die Unternehmerinnen derzeit zusammen mit den finanz- und ressourcenstarken Leuten von H&M. „Die Trennung von Elastan und Polyamid ist ein sehr wichtiger Schlüssel, um die gesamte Modeindustrie nachhaltiger zu machen“, so Frisinger. „Wenn es uns gelänge, einen Weg zu finden, Nylon und Elastan zu trennen, wäre das quasi der heilige Gral des Recyclings.“ Bis dahin werden die Strumpfhosen von Swedish Stockings beispielsweise aus alten Fischernetzen gefertigt.

          Das Problem der kurzen Lebensdauer versucht derweil ein anderes junges Label in den Griff zu bekommen. Es sind die Gründer von Bataillon Belette, Pia Buck und Daniel Moser. „Unsere Strumpfhose ist nicht unkaputtbar“, sagt Daniel Moser gleich zu Beginn einschränkend. „Aber unser Beitrag zur Nachhaltigkeit ist der, die Lebensspanne des Produkts zu verlängern.“ Die Frankfurter haben einen recht ambitionierten Titel für ihr Unterfangen: „Slow Wear“. Im Hinblick auf Strumpfhosen könnte man den fast ironisch nehmen. Aber immerhin: Pia Buck und Daniel Moser sind Automobilinnenraum-Designer und kennen sich mit robusten Fasern aus. Auch sie wunderten sich, warum es noch keine bessere Lösung für das Material von Strumpfhosen gab. Mit den Kontakten zu Garnherstellern aus ihrem Tagesgeschäft machten sie sich an das Problem der Laufmasche.

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