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Museum in Kapstadt : Starke Kunst im Mocaa

Bei der Eröffnung des Mocaa in Kapstadt war Lungiswa Gqunta nicht dabei. Sie hatte noch an der Universität zu tun. Bild: Claudia Bröll

Die junge Künstlerin Lungiswa Gqunta stammt aus einem Township in Port Elizabeth. Jetzt hängt ihre Kunst im Zeitz Mocaa in Kapstadt. Doch ihre Werke sollen nicht nur schön aussehen, sondern auch aufmerksam machen.

          Flaschen, lauter Flaschen! Die Installationen von Lungiswa Gqunta füllen fast einen ganzen Raum im gerade eröffneten Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz Mocaa) in Kapstadt, dem größten Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst. Die Flaschen hängen an Seilen von der Decke herab, auf verschiedenen Höhen, so dass sich im Seriellen keine Langeweile breitmacht.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Lungiswa Gqunta ist 26 Jahre alt. Sie wuchs in einem Township in Port Elizabeth auf und hat in diesem Jahr ihr Master-Studium beendet. Jetzt hängen ihre Werke nur zwei Stockwerke entfernt von denen des berühmten südafrikanischen Künstlers William Kentridge.

          Begeisterung erinnert an Fußball-Weltmeisterschaft

          Das Zeitz Mocaa markiert einen Wendepunkt für die afrikanische Kunst. Noch nie zuvor hat es ein Museum dieser Art – und dieser Größe – auf dem Kontinent gegeben. Es ist in einem monströsen ehemaligen Getreidesilo am Kapstädter Hafen untergebracht und eines der spektakulärsten Museen der Welt, schon vom Gebäude her auf Augenhöhe mit der Tate Modern in London oder dem Centre Pompidou in Paris.

          Ihre Installation „Divider“ (Trenner) besteht aus 130 Bierflaschen und hat direkten Bezug zu ihrer Kindheit in einem Township.
          Ihre Installation „Divider“ (Trenner) besteht aus 130 Bierflaschen und hat direkten Bezug zu ihrer Kindheit in einem Township. : Bild: AFP

          Die Begeisterung über das Museum erinnert in Kapstadt an die Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Selbst der 85 Jahre alte ehemalige Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, der sich schon lange aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, trat zur Eröffnung Ende September ans Mikrofon. Ein solches Museum, sagte er, zeige auch den Kindern in den Townships, dass sie kreativ sein und als Künstler Erfolg haben könnten. Das hätte auch Madiba, also Nelson Mandela, gefallen, sagte der betagte Nationalheld, auf seinen Stock gestützt, und erhielt dafür brausenden Applaus.

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          Lungiswa Gqunta, die zu diesen aufstrebenden Künstlern gehört, suchte man bei der fulminanten Eröffnungsfeier vergebens. Sie müsse an ihrem nächsten Projekt arbeiten, sagt sie am Telefon, aber an der Kapstädter Universität könne man sie treffen. Also hin.

          Sie wirkt ungemein jung, ist schmal und hat eine markante Kurzhaarfrisur. Mit Äußerlichkeiten sollte man sich bei ihr aber nicht lange aufhalten. Denn Lungiswa Gqunta will die Menschen wachrütteln und mit ihrer Kunst protestieren: gegen die Tatsache, dass schwarze Südafrikaner wie sie häufig immer noch in Townships leben und sich immer noch unterdrückt fühlen müssen.

          Kunst zeigt Unterdrückung schwarzer Südafrikaner

          Sie wurde 1990 geboren, in dem Jahr, in dem Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen wurde. „Für die meisten Schwarzen hat sich seitdem nichts geändert. Wir werden permanent mit dieser Ungerechtigkeit konfrontiert, das ist frustrierend, das macht wütend“, sagt sie. Ausgrenzung und Unterdrückung, das sind für sie die großen Themen, wie für viele junge Menschen in Afrika.

          Ihre Installation „Divider“ (Trenner) im Mocaa aus 130 Bierflaschen hat mit ihrer Biographie zu tun. Ihre Eltern betrieben eine Township-Kneipe. Von früher Kindheit an erlebte sie mit, wie der Alkohol die Menschen ruinierte – und wie er von der weißen Minderheitsregierung gezielt als Mittel der Unterdrückung eingesetzt wurde. „Erst hat sie den Schwarzen verboten, Bier nach traditioneller Art zu brauen, um dann ihr eigenes, stärkeres Bier lastwagenweise in die Townships zu bringen und die Menschen außer Gefecht zu setzen.“ An unterschiedlich langen Seilen hängen die Flaschen von der Decke. Die Seile, die aus Bettlaken und anderen Haushaltsstoffen gedreht sind, sollen an die Zünder von Benzinbomben der damaligen Anti-Apartheid-Kämpfer erinnern.

          Die Eröffnung des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz Mocaa) sorgte in Südafrika für Begeisterung.
          Die Eröffnung des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz Mocaa) sorgte in Südafrika für Begeisterung. : Bild: BOTHMA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

          Die Installation war Teil ihrer ersten Einzelausstellung. Der Mocaa-Chefkurator entdeckte sie in einer Kapstädter Galerie und war so begeistert, dass er die vollständige Ausstellung im Auftrag von Jochen Zeitz, dem Initiator des Museums, kaufte. Denn die Aussage der südafrikanischen Künstlerin passt in das Konzept des ehemaligen Puma-Chefs, leidenschaftlichen Afrika-Förderers und umtriebigen Sammlers, nicht nur Kunst auszustellen, die Geschichte geschrieben hat, sondern auch ganz junge afrikanische Künstler zu entdecken. „Dieser Kontinent muss endlich seine eigene Kulturgeschichte schreiben können“, sagt Zeitz im Gespräch. Ein solches Programm hat ästhetische Folgen: Viele der ausgestellten Kunstwerke haben eine klare, wichtige, relevante Aussage.

          Lungiswa Gqunta sagt, sie habe von einem solchen Triumph ihres Werks kaum zu träumen gewagt. Auch auf der Biennale in Istanbul sind ihre Werke noch bis zum November zu sehen. Es freut sie, dass die Installation nicht in einer Privatsammlung verschwindet, sondern für jedermann sichtbar bleibt, auch für sie selbst und ihre Familie. „Wo sonst schafft man es, seine Werke zu Beginn der Karriere in einem solchen Museum präsentieren zu dürfen?“

          Der persönliche Erfolg ist das eine. Aber die Künstlerin hinterfragt den großen Wirbel um das Mocaa auch. „Bei einem europäischen Künstler würde man nicht dauernd betonen, dass es sich um einen Europäer handelt. Warum also bei uns afrikanischen Künstlern? Gelten wir immer noch als exotisch?“ Sie selbst wolle einfach nur als Künstlerin ernstgenommen werden, ob sie nun aus Afrika kommt oder sonstwoher.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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