http://www.faz.net/-hrx-91tv5

Nachlass von Audrey Hepburn : Die Frau mit den Ballerinas

Hepburn-Porträt von Steven Meisel (1991), Silbergelatine-Abzug (2000 bis 3000 Pfund) Bild: Katalog

Audrey Hepburns Söhne lassen Teile des Nachlasses ihrer Mutter in London versteigern – und im Internet. Darin findet sich das Filmskript von „Breakfast at Tiffany’s“ – mit Notizen der Stilikone in türkisfarbener Tinte.

          „The Personal Property of ...“ oder „The Personal Collection of ...“ heißt die Zauberformel. Damit kommen noch die unscheinbarsten Dinge ins Rampenlicht, die einst im Besitz eines Filmstars waren. Und die erstaunliche Preise erzielen, wenn wahre Anhänger zu Bietern werden. Leuchtende Beispiele sind die Nachlässe von Marilyn Monroe, Katharine Hepburn oder Marlon Brando.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Jetzt also Audrey Hepburn, die als „The Film and Fashion Legend“ annonciert wird. Dieses „Fashion“ ist tatsächlich ein Unterscheidungsmerkmal für die 1929 als Audrey Kathleen Ruston in Belgien geborene Tochter eines englischen Bankiers und seiner niederländischen Frau Ella Baroness van Heemstra. Es lässt sich ja nicht sagen, dass Marilyn Monroe mittels ihrer Anziehsachen zum Erfolg kam. Schon eher Marlon Brando – mit einem weißen T-Shirt, das er 1951 in Elia Kazans Film „Endstation Sehnsucht“ mehr ausfüllte als trug. Audrey Hepburns gut 20 Jahre ältere Namensschwester Katharine – verwandt sind sie wirklich nicht – machte Schule mit ihrem leicht unterkühlten Look.

          Es sind die persönlichen Gegenstände der Stars, von denen die höchste Anziehungskraft ausgeht auf die sentimentale Gemeinde. Das wird auch bei Audrey Hepburn so sein, wenn ein goldenes Feuerzeug zum Aufruf kommt, verziert mit dem Schriftzug „For My Fair Lady“ und der Gravur „Gene Allen, December 1963“. Gene Allen war der Art Director des Films; die Schätzung liegt freundlich bei 3000 bis 5000 Pfund. Oder bei einer Puderdose der Firma Ciardetti in Florenz, die das Monogramm AHF trägt – Audrey Hepburn Ferrer (sie war mit ihrem Kollegen Mel Ferrer von 1954 bis 1968 verheiratet). Es firmiert mit 2000 bis 3000 Pfund. Solche Dinge sind Berührungsreliquien: 2004 brachte eine silberne Zigarettendose aus dem Nachlass von Katharine Hepburn, die 1940 die Crew von George Cukors Film „Die Nacht vor der Hochzeit“ für sie signiert hatte, sagenhafte 57.000 Dollar; die Taxe lautete 800 bis 1200 Dollar.

          Ballerinas, von Audrey Hepburn fest in der Mode verankert (das Paar bei der Auktion von 1500 Pfund an) Bilderstrecke
          Ballerinas, von Audrey Hepburn fest in der Mode verankert (das Paar bei der Auktion von 1500 Pfund an) :

          Kleidungsstücke bedienen diese gesuchte Nähe zum Idol womöglich noch intimer. Am lustigsten ist, im Fall von Audrey Hepburn, eine ganze Phalanx jener bunten Schläppchen, die sie in der Mode fest verankert hat. Erwartungen „von 1500 Pfund an“ sind annonciert, eine Menge Geld für ein Paar getragener Ballerinas. Neben einem himmelblauen Satin-Cocktailkleid ihres Lieblings-Couturiers Hubert de Givenchy (Taxe 10.000/15.000 Pfund) ist da ein superklassischer Trenchcoat von Burberry aus ihrer Garderobe. Auch wenn es bestimmt nicht der Regenmantel ist, in dem sie als Holly Golightly 1961 in Blake Edwards' unverwüstlichem „Frühstück bei Tiffany“ ihren ausgesetzten Kater („Cat!“) aus einem New Yorker Hinterhof zurückholt, soll das Teil doch 6000 bis 8000 Pfund bringen.

          Dem „Kleinen Schwarzen“ zu seiner Karriere verholfen

          Nicht mehr zu haben ist das schwarze Abendkleid, das sie im selben Film trug – und das dem „Kleinen Schwarzen“ zu seiner Karriere verhalf. Nein, es war nicht von Coco Chanel, sondern wieder von Givenchy, und klein war es auch nicht, sondern eine veritable lange Robe mit raffiniertem Schnitt. Es wurde 2006 in London für 456.200 Pfund versteigert; geschätzt war es auf 50.000 bis 70.000 Pfund. Was solche Kleider von Stars noch können, ist von Marilyn Monroe zu lernen: Ihr hautfarbenes Glitzerdress, in dem sie 1962 für John F. Kennedy „Happy Birthday, Mr. President“ hauchte, war zum ersten Mal 1999 in einer Auktion, dann wieder im November 2016 in Los Angeles: Wer auch immer die 4,8 Millionen Dollar dafür hinlegte, hat es zum wohl teuersten Kleid überhaupt gemacht.

          Audrey Hepburn hat in ihrer eigenen Liga gespielt und mit ihrer europäisch geprägten Art, mit ihrem zurückhaltenden Charme, der sie in Amerika zur Heroine machte, aus dieser stardom eher die Luft rausgelassen. In ihrem Nachlass finden sich, neben all den privaten Memorabilia und den Fotografien, auch von ihr annotierte Filmskripts. Darunter ist das von „Breakfast at Tiffany's“ mit Notizen in türkisfarbener Tinte. Die Schätzung von 60.000 bis 80.000 Pfund scheint realistisch, denn persönliche Drehbücher sind begehrte filmhistorische Pretiosen: So ging 2005 Marlon Brandos Exemplar zum „Paten“ an einen anonymen Telefonbieter für 312.800 Dollar, gut das Dreißigfache des Schätzpreises.

          Seit Ende der Sechziger zog sich Audrey Hepburn aus dem Filmgeschäft zurück, für ihre Familie und schließlich für ihr humanitäres Engagement. Bis kurz vor ihrem Tod 1993 reiste sie als Unicef-Sonderbotschafterin in Krisengebiete wie Somalia, Sudan, Bangladesch und Äthiopien und sammelte Spenden – auch dabei ihrem unverkennbar schlichten Stil treu.

          Die Auktion

          Einlieferer der Gegenstände aus Audrey Hepburns Nachlass sind ihre Söhne Sean Ferrer und Luca Dotti, aus ihrer Ehe mit dem italienischen Psychiater Andrea Dotti. Die Hauptauktion findet am 27. September bei Christie's in London statt; vom 19. September bis zum 3. Oktober läuft zudem eine Online-Auktion.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

          Weitere Themen

          Tourismus zerstört Postkarten-Idylle Video-Seite öffnen

          Inselparadies Raja Ampat : Tourismus zerstört Postkarten-Idylle

          Der Archipel im Osten Indonesiens gilt als neuer Tourismus-Hotspot des Landes: Türkisfarbenes Wasser, entlegene Inseln und unberührte Natur. Doch insbesondere die indigene Bevölkerung sieht die Entwicklung kritisch und fürchtet neben ökologischen Schäden auch einen Identitätsverlust.

          Sie bleibt

          Porträt von Roksanda Ilincic : Sie bleibt

          In ihrer Jugend im zerrissenen Jugoslawien stand Roksanda Ilincic schwierige Zeiten durch. Heute ist sie eine der wichtigsten Londoner Designerinnen. Ihre Lebenserfahrung kann sie in Brexit-Zeiten gut gebrauchen.

          Und stetig grinst der Clown

          Kinocharts : Und stetig grinst der Clown

          In Nordamerika schafft es „Blade Runner 2049“ an die Spitze der Kinocharts – und bleibt doch hinter den Erwartungen zurück. Hierzulande gibt es kein Vorbei am erfolgreichsten Horrorfilm der Geschichte.

          Topmeldungen

          Jamaika-Koalition : Der Grünstreifen am Horizont

          Vor vier Jahren haben die Grünen ihre Chance auf eine Beteiligung an der Regierung vertan. Diesmal wollen sie ernsthaft verhandeln. Das geht nur, wenn die Parteilinken mitmachen. Doch, sind die dazu bereit?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.