http://www.faz.net/-hrx-8xxrl

Markenlogos : Brillen ohne Namen

Sonnenbrille von Lindberg Bild: Rainer Wohlfahrt

Sonnenbrille von Prada oder Gucci? Das ist bei den neuen Modellen gar nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen. Besonders in der deutschen Hauptstadt boomt die neue Brillenkultur.

          Der größte Fauxpas, den man dieser Tage mit einer Sonnenbrille begehen kann, hat weder etwas mit der Beschaffenheit des Gestells zu tun noch mit der Frage, ob die Gläser verspiegelt sein dürfen. Es geht dabei auch nicht um eine bestimmte Marke, mit der man sich auf gar keinen Fall sehen lassen kann.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der größte Fashion-Fehltritt beim Thema Sonnenbrillen ist jetzt das sichtbare Logo rechts und links auf dem Rahmen. Bis vor ein paar Jahren schien der fette Schriftzug noch geradezu eine Notwendigkeit zu sein, ein Detail, auf das man schon stolz sein konnte, denn man kommunizierte damit: "Seht her, ich verfüge über so viel Stilempfinden wie finanzielle Mittel, um mir eine Brille von Gucci zu leisten."

          Sonnenbrille von Oliver Peoples Bilderstrecke
          Sonnenbrille von Oliver Peoples :

          Einer der schönen Gründe für die Abkehr vom Markendiktat auf dem Acetat-Rahmen ist der Trend zur Manufaktursonnenbrille. Immer mehr Labels machen es vor: Sie fertigen Brillen mit so gutem Design, dass alles andere unwichtig ist. Das Modell der dänischen Marke Lindberg ist dafür ein gutes Beispiel. Ihr Rahmen ist ohnehin aus zu dünnem Metall, übrigens einer der echten großen Trends bei Sonnenbrillen in diesem Sommer.

          In Berlin hat man es früh verstanden

          Der nicht zu beschriftende schmale Metallrahmen - er könnte symptomatisch sein für die coolen namenlosen Brillen von heute. Oliver Peoples, obwohl Teil der Luxottica-Gruppe, die im Auftrag der großen Modehäuser Sonnenbrillen fertigt und mit deren Signatur versieht, hat als einer der ersten damit angefangen, ausgerechnet in den achtziger Jahren, als der Welt der große Boom der Logo-Sonnenbrillen noch bevorstand.

          Wer noch vor 15 Jahren mit einer Oliver-Peoples-Sonnenbrille aus dem Haus ging, konnte sich darauf gefasst machen, etliche Blicke rechts und links auf die eigenen Wangenknochen zu lenken. Wo war nur das Label geblieben? Besonders in Berlin hat man es früh verstanden, die neue Brillenkultur zu pflegen. Zu den erfolgreichsten Design-Betrieben der Yun könnte bald aufholen, nicht zuletzt mit Modellen wie diesem monochromen Gestell. Ace & Tate aus den Niederlanden und Viu aus der Schweiz sind den neuen Institutionen der getönten Gläser auch auf den Fersen. Ihr Logo setzen diese beiden trotzdem auf den Rahmen, allerdings auf die Innenseite.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Wer sich also fragt, woher das Gegenüber die tolle Brille hat und knapp über den Wangenknochen nichts findet, schaut der Zielperson am besten durch die Gläser schräg am Auge vorbei. Irgendwo wird sich da jemand auf der Brille ohne Namen nämlich doch noch verewigt haben.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

          Weitere Themen

          Mehr als nur die Tochter

          Jette Joop : Mehr als nur die Tochter

          In Berlin dreht sich dieser Tage wieder alles um Mode. Seit 20 Jahren schon hält Jette Joop der Stadt die Treue. Sie ist eine der Top-Adressen in der deutschen Designbranche. Vom Geschäft hatte sie anfangs kaum Ahnung.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Nach der Katalonienwahl : Acht Sitze bleiben leer

          Die Separatisten dominieren auch das neue katalanische Regionalparlament – bei der Auftaktsitzung bieten sie aber kein Bild der Stärke. Und was ist mit Carles Puigdemont?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.