http://www.faz.net/-hrx-8yl56

Möbel-Neuheiten: Bella Figura

Bella Figura

Von PETER-PHILIPP SCHMITT

07.06.2017 · Die Parks in Deutschland werden gerade von aufblasbaren Sitzkissen verunstaltet, zum Glück kann man im eigenen Haus seinen eigenen Stil durchsetzen. 16 der schönsten Möbel-Neuheiten als Inspiration.

IMMERSION heißt „Eintauchen“. Und das kann man in der Wanne von Neri & Hu (für Agape). Das Designer-Ehepaar mit Studio in Schanghai – Lyndon Neri wurde auf den Philippinen geboren, Rossana Hu in Taiwan – will Platz schaffen im Bad. Darum ist ihr Waschzuber etwas kleiner, die Seiten sind allerdings auch etwas höher. Der Stadtmensch soll darin aufrecht sitzen und sich dabei trotzdem entspannen können.




TASCHINO bedeutet eigentlich Brusttasche. Der Römer Gabriele Rosa, Jahrgang 1982, verwendet das italienische Wort für seinen Nachttisch (für Zanotta). Statt einer Schublade hat das gerade mal 50 Zentimeter hohe und 35 Zentimeter tiefe Möbelstück ein Ablagefach mit einer Kippöffnung nach oben. Das Gestell besteht aus Stahl, die Platte und der Kasten sind mit Kernleder bezogen.



GREEN hat einen Sitz, der zwischen den vier hölzernen Beinen zu schweben scheint. Den Hocker, den es in zwei Farben (weiß und schwarz) und zwei Höhen (65 und 75 Zentimeter) gibt, hat Javier Mariscal (für Mobles 114) entworfen. Der 67 Jahre alte Spanier ist vor allem mit dem Olympia-Maskottchen Cobi für die Spiele 1992 in Barcelona bekannt geworden.

TADAIMA ist Japanisch und bedeutet so viel wie „Ich bin wieder da“. Die Holzkonsole, die aus vier Teilen zusammengefügt wird und einfach an der Wand lehnt, begrüßt schon im Hausflur den Heimkehrenden, der schnell seine Taschen leeren will. Die Ablage für Schlüssel, Handy und Sonnenbrille hat das Pariser Studio A+A Cooren (dahinter steht das Designer-Ehepaar Aki und Arnaud Cooren) für Classicon erarbeitet.




CABARÉ ist nicht nur ein Beistelltisch. Die obere Platte aus Metall, die innen mit Kernleder bezogen ist, lässt sich auch als Tablett verwenden. Das Untergestell besteht aus Holz. Hersteller ist das Unternehmen Flexform, das in den vergangenen 40 Jahren vor allem von einem Designer geprägt wurde: Antonio Citterio. Doch dieser Entwurf stammt aus der hauseigenen Designabteilung.

ROLL kann auf drei, vier oder fünf unterschiedlich dicken Metallbeinen stehen, je nach Größe der Tischplatte. Der Entwurf stammt von Paolo Cattelan, der in zweiter Generation das im norditalienischen Carrè beheimatete Unternehmen Cattelan Italia führt. Die Platte besteht nicht aus Marmor, sondern aus Keramik mit einer Oberfläche, die dem Gestein nachempfunden ist.





RANDOM ist ein altbekanntes Regal, das von Neuland Industriedesign (Eva Paster und Michael Geldmacher) stammt. Auch wenn die Münchner inzwischen getrennte Wege gehen: Für MDF haben sie ihr Werk mit neuen Farben und Modulen ausgestattet, so dass sich ihre Wandarbeit auch durch die Wohnung schlängeln kann.




UDON hat ein gelernter Schreiner entworfen. Der Schwede Staffan Holm besuchte erst nach seiner Lehre die Hochschule für Design und Kunsthandwerk in Göteborg, wo er heute sein Studio hat. Seinen Bistrostuhl (für Hem) aus gebogenem Buchenholz sieht er in der Tradition von Designern wie Michael Thonet und Hans J. Wegner. Den Entwurf mit den geneigten Beinen gibt es in fünf verschiedenen Farben.

YANZI erinnert an Vögel, die auf Elektromasten sitzen. Tatsächlich sind es Schwalben aus gebürstetem Messing, die nicht nur frei und ungebunden herumzuhüpfen scheinen – sie können auch unter gläsernen Schirmen gefangen sein. Neri & Hu (siehe oben links) haben die poetische Leuchte für Artemide entworfen. Es gibt sie für Decke, Wand, Boden und sogar für den Tisch.




CHEMISE trägt einen Gürtel aus Metall. Die Schlaufe hält Lehne und Sitz zusammen. Auch dieser Sessel (für My Home Collection) ist eine Gemeinschaftsarbeit, sie stammt von li-do. Das Kürzel steht für Laboratore Innocenti Design Office. Das Designstudio in Mailand haben die beiden Italiener Ilaria Innocenti and Giorgio Laboratore 2014 gegründet.




O ist vermeintlich ein Schaukelstuhl, der allerdings leicht das Gleichgewicht verlieren kann. Der Niederländer Marcel Wanders ist bekannt für seine verspielten Entwürfe, die er über die Design-Plattform Moooi vertreibt. In dem kreisrunden Sitzelement, das von allen Seiten gut gepolstert ist, soll man sich ausruhen - und zugleich Spaß haben können.

LENNOX erinnert an eine Blüte. Das Sofa, das aus den fünfziger Jahren zu stammen scheint, hat in Wahrheit der 1966 in Malta geborene Designer Gordon Guillaumier für den italienischen Hersteller Lema erarbeitet und erst dieses Jahr vorgestellt. Der Zweisitzer, der auf bronzefarbenen Metallbeinen ruht, ist eine Ergänzung zu seinem 2015 eingeführten Sessel gleichen Namens, zu dem auch ein gepolsterter Hocker gehört.




EDDY trägt einen berühmten Namen - den des belgischen Radrennfahrers Eddy Merckx. Auch der Designer des Sessels, Alain Gilles, kommt aus Belgien. Vor allem aber ist Eddy (Bonaldo) nach der selben Logik wie ein Fahrrad aufgebaut: mit einem Gestell aus Metallrundrohr und einer ergonomisch geformten Sitzschale. Inspiration, sagt Gilles, sei für ihn das Fixie gewesen, das Vintage-Rad mit starrem Gang.




BAK verbindet gleich drei Materialien: Metall, Leder und Holz. Das äußere Gerüst des Regals besteht aus Stahl, der den vier Böden aus Walnussholz Stabilität verleiht. Die Seitenelemente hat der Designer Ferruccio Laviani mit Leder überzogen – für die Verarbeitung von Leder ist das friaulische Unternehmen Frag seit fast 100 Jahren bekannt.

KOSI hat keinen Lattenrost, sondern Sprungfedern. Rahmen und Matratze lässt Moritz von Schmeling (für Zeitraum) seitlich von ellipsenförmigen Beinen fassen, getragen wird das Ganze von einer Kreuzzarge. Den Arbeiten des 36 Jahre alten Münsteraners merkt man an, dass er Schreinermeister ist. Zum Bett gehört auch ein Kopfteil aus Massivholz, das mit seinen abgerundeten Seiten eine Umarmung andeutet.




POCKET bietet, wie der Name schon sagt, Stauraum - und das unter der Sitzfläche. Dort ist Platz genug für Handtasche, Jacke und Laptop. Der Sessel mit den kurzen Beinen, den Eva Prego und Cutu Mazuelos (Stone Designs) für Blå Station entwickelt haben, könnte in einer Hotellobby stehen, aber auch im Wohnzimmer, wo Katzen den Unterstand lieben dürften.

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 07.06.2017 14:00 Uhr