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Modewoche in New York: Passt ins Bild

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Modewoche in New York – Passt ins Bild

Von FLORIAN SIEBECK

17.02.2017 · Die New Yorker Modewoche leidet an Designerschwund. Die restlichen Modemacher liefern für Herbst und Winter 2017 dennoch ein paar Ideen.

Victoria Beckham Geschäftlich läuft’s rund bei Victoria Beckham, nur auf die Schlagzeilen über unvorteilhafte Mails ihres Mannes vor der Schau hätte sie verzichten können – besonders, wenn das beste Marketingtool die eigene Person ist. So kam denn auch die ganze Familie nach New York, um ihre Kollektion „für selbstbewusste Frauen“ zu sehen: Sweater mit Rollkragen, Baggypants und an den Füßen keine High-Heels mehr, sondern flache Schuhe und Wedge-Boots („einfach lebensnaher“). Schwungvolle Kleider in Chiffon und Organza mit Prints, die an Paul Nashs surrealistische Gemälde erinnern, werden von weit geschnittenen Mänteln und Blazern im Zaum gehalten. Überhaupt: Blazer zum Rock – das hat sie nach eigener Aussage selbst noch nie getragen und deshalb einfach mal ausprobieren wollen.

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Michael Kors Stark soll sie sein, die neue Frau, sagt Michael Kors, aber auch feminin. Die Straßen New Yorks seien für ihn immer noch die beste Modenschau: Von Tomboy bis Bombshell ist alles dabei – Edie Campbell, Ashley Graham, Joan Smalls, Kendall Jenner. Die Frau solle sich „sicher und sinnlich“ fühlen: Unscheinbares Make-up, die Kleider hochgeschlossen, statt Minis tulpenförmige Röcke. Kors nimmt den urbanen Dschungel zu wörtlich, mit viel Python-, Geparden- und Leopardenmuster. Legt dicke Pelzmäntel über Jumpsuits, zeigt Abendgarderobe aus fließendem Lamé. Hauptsache, es fühlt sich gut an. Einem Sweater verpasst er Ärmel auf Hüfthöhe, zum Binden, „aber nur einlagig, ich weiß ja, dass niemand dicke Hüften will“. Und was soll das sein? „Ich nenne es einen Schmoo. Ja. Es sieht aus wie ein Schmoo.“

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Public School Es war nicht dem Platzmangel geschuldet, dass die Laufstege eng waren und die Gäste bei Public School zusammenrücken mussten. Es war ein Symbol: Sprecht miteinander! Dao-Yi Chow und Maxwell Osborne stiegen im Dezember bei DKNY aus, um sich ganz ihrer eigenen Marke zu widmen. Die Affinität zur Streetwear und die aktuelle Politik taten ihr Übriges: Die Slogans „Make America New York“ und „We need leaders“ galten Donald Trump. Ob dazu militärisch inspirierte Tarnkleidung zwischen Sport- und Streetwear passt? Oder das gedruckte Konterfei von Michael Jordan als Hoffnungsträger? Der trotzige Blick in die Zukunft sieht viel Layering-Möglichkeiten für Grenzübertritte in andere Klimazonen. Und ein Puffermantel in Olive, Indigo und Schwarz ist die Rüstung fürs Zeitalter alternativer Fakten.

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Proenza Schouler Die Revolution fängt mit flachen Schuhen an. Raus aus dem Bademantel, auf die Straße! Das war die Message von Proenza Schouler: Lederkleider mit transparentem Überzug aus Plastik sollen, very New York, an Müllbeutel erinnern. Cut-out-Kleider, die sich wie Pinselstriche über den Oberkörper ziehen, hoch angesetzte Hosen, abstrakte Drucke, übergroße Blazer, Kleider mit halbkreisförmigen Ausschnitten. Es ist die letzte Kollektion, die Proenza Schouler in New York zeigen, und es ist eine Verbeugung vor der Stadt. „In den letzten Wochen haben wir die verloren geglaubte Stimmung in der Stadt gespürt.“ Lazaro Hernandez und Jack McCollough verabschieden sich nicht wegen des politischen Klimas - „die Kollektionstaktung ist zu hoch“, sagt Hernandez. Fortan zeigen sie ihre Mode in Paris.

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Narciso Rodriguez Man hört ihn nicht so gut wie die in der Mode, die lauter schnattern. Aber Narciso Rodriguez lässt sich davon nicht beirren, wie die feinsinnig geschnittene Kollektion für Puristen zeigt. Klare Schnitte, fallende Stoffe, knöchellange Hosen, Cocktailkleider, Mäntel zwischen schwarz und weiß. Keine Prints, keine Stickereien, nur horizontale Cut-Outs, als hielten sie ein Oberteil noch mal eben zusammen. Aufgeschnittene, überlange Ärmel flattern hinter der Trägerin wie in einem Windkanal. Die Farbpalette beschränkt sich auf Nichtfarben und erdige Töne wie ein bräunliches Orange. Rodriguez besticht durch Handwerkskunst. „Kein Schnickschnack.“ Den Zirkus sollen die anderen machen. Dieser Designer bleibt ein Pragmatiker – das wissen auch Sarah Jessica Parker und Raf Simons im Publikum zu schätzen.

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Prabal Gurung Femininums ist für diesen Designer mehr als ein Trending Topic auf Twitter. Das zeigt Prabal Gurung auf dem Laufsteg – und schickt It-Mädchen wie Bella Hadid und Plus-Size-Models wie Candice Huffine in T-Shirts auf den Laufsteg, auf denen „The Future is Female“, „Voices for Choices“ und „We Will Not Be Silenced“ steht – das Motto-T-Shirt, das zu Punkzeiten in Umlauf gebracht wurde, ist auch in dieser Saison da. Ausschlag für dieses Statement gab der Women’s March, an dem er im Januar in New York teilgenommen hatte. Für den Designer, der in Nepal mit seiner alleinerziehenden Mutter aufwuchs, war es ein Erweckungsmoment. Modedesigner sollten sich viel mehr politisch engagieren, fordert er. Und wer die Mittel habe, Aufmerksamkeit zu schaffen, der solle sie auch nutzen.

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Philipp Plein Als sich die Schau um eine Stunde verspätet, gibt die Modechefin der „New York Times“ auf und sucht das Weite. Plein kann nichts dafür. Der Münchner hatte für seine erste Schau in New York hohen Besuch erwartet: Madonna. Als die nach 90 Minuten dann endlich die Public Library beehrt (hier hätte man Plein wirklich nicht vermutet), tritt er vors Mikro und spricht davon, dass er ein Dreamer, ein Believer sei. In der Tradition von Ed Hardy und Juicy Couture zeigt er von allem etwas zu viel. Zu große Daunenjacken, Bling-Bling-Glamour, Pelz, Strass, Brillanten, Totenköpfe, zerstörte Jeans und Dollar-Prints. Madonna findet die Show „Ahmaaaazing“. Eine Redakteurin gibt sich diplomatisch: „Natürlich kann man’s Trash nennen. Aber manche Leute suchen genau das.“ Tiffany Trump war auch da.

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Monse und Oscar de la Renta Zwei Labels hintereinander auf einer Schau – das war wohl auch eine Kostenfrage. Immerhin: Hinter Monse und Oscar de la Renta steht das gleiche Team, Laura Kim und Fernando Garcia. Beide hatten bei Oscar de la Renta ihre Karriere angefangen, bevor sie sich mit Monse selbständig machten. Geholfen hat es nicht: Neben Monse (Bomberjacken mit mongolischem Lammfell und viele schulterfreie Teile) wirken die Stücke von Oscar de la Renta antiquiert, selbst wenn die Schultern frei bleiben. Eine Schnürmieder-Hosenanzug-Kombination oder ein kokonartiger Mantel in Fuchsia über Leggins lässt die Achtziger aufleben. Es ist die erste Kollektion der Designer für Oscar de la Renta. Geht es nach Alex Bolen, dem CEO des Traditionshauses, sollen die Marken ohnehin enger zusammenwachsen. Ob das passt?

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Tory Burch Die Designerin erinnert sich an die dreißiger Jahre, an Katherine Hepburn als Tracy Lord, dem furchtlosen Charakter in „Die Nacht vor der Hochzeit“, einer Komödie über die High Society Philadelphias. Tory Burch kommt selbst aus Pennsylvania und verkörpert ebenjenen Stil: den der noblen Frau, die das Mädchen von nebenan geblieben ist. Burch kombiniert Merino-Sweater aus Fair-Isles-Strick über cremefarbenen Turtlenecks aus Viskose mit Schlaghosen und adretten Röcken in Tartan-Muster (als Hepburn im Film Hosen trug, war das ein Novum). Für den Abend gibt es Jumpsuits, Kleider und Mäntel aus Samt mit goldenen Blüten, dazu allerlei Accessoires. Die Schau zeigt sie am Valentinstag, und auf jedem Sitz im Whitney-Museum liegt ein anderes Buch über die Liebe. Wie kann man das nicht lieben?

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 17.02.2017 11:44 Uhr