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Modewoche in Mailand : Couture für Männer

Kreativdirektor Stefano Pilati macht seine Premiere für Zegna zum Gesamtkunstwerk. Bild: Fricke, Helmut

Die Mailänder Herrenmode-Woche hebt sich für Frühjahr und Sommer 2014 mit viel Luxus vom Rest der Welt ab - und mit dem Großtrend zu sportlichen Entwürfen.

          Zegna - nicht von Z bis A, sondern von A bis Z. Die Herrenmodemarke eröffnet die Modewoche in Mailand mit einer großen Schau. Und sie schließt die Modewoche am Dienstagmittag mit einem großen Brunch. Dazwischen auch noch die Zweitlinie „Z Zegna“: Das Familienunternehmen will eine dominante Rolle spielen - und fühlt sich mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz schon fast in einer Liga mit Giorgio Armani, Prada und Dolce & Gabbana.

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nun auch modisch. Denn Chefdesigner bei Zegna ist jetzt Stefano Pilati, der bis 2012 die Damen- und Herrenlinien von Yves Saint Laurent entwarf. Seine erste Kollektion von „Ermenegildo Zegna Couture“, der um etwa 50 Prozent teureren Exklusiv-Linie, zeigt, dass man sogar graue und beigefarbene Anzüge spannungsvoll inszenieren kann, wenn es zwischen Designer und Marke stimmt. Dann merkt man nicht mal, dass am Ende 33 Farben über den Laufsteg rauschten. Zweireiher, weite Sommermäntel, aufgekrempelte Ärmel: Pilatis persönlicher Look bestimmt auch den Zegna-Look.

          Und Ermenegildo Zegna gefällt’s. „Es ist genau das, was ich bei seiner Verpflichtung vor einem Jahr erwartet habe“, sagt er nach der Schau. „Dem Kunden wird es noch besser gefallen als der Presse, weil es gut zu verstehen ist.“ Dem Chef ist das wichtig, weil ihn einstelliges Wachstum in diesem Krisenjahr nicht zufriedenzustellen scheint - in den vergangenen Jahren ging es noch schneller nach oben.

          Ermenegildo Zegna Bilderstrecke
          Ermenegildo Zegna :

          Nach oben geht es auch bei Tod’s. Im Laden an der Via della Spiga gelangt man nur im Aufzug (mit Butler) ins dritte Stockwerk, wo der Barmann zum Empfang bereitsteht - und der persönliche Assistent, weil Männer immer so schrecklich viele technische Daten über Schuhe erfahren möchten. Hier kann man sich von September an im Ambiente eines Gentlemen’s Club Schuhe „made to order“ aussuchen, mit dem Original-Logo „J.P. Tod’s“, das bei anderen Produkten auf „Tod’s“ zusammengeschnurrt ist. Ein Paar kostet dann natürlich noch mehr als im Laden unten, nämlich 1000 bis 1200 Euro. Dem Kunden gibt eben auch der Preis das Gefühl, einem exklusiven Kreis anzugehören.

          Und noch ein Beispiel für den „Upmarket“-Großtrend von Frühjahr und Sommer 2014: Bottega Veneta. Tomas Maier, der nun schon seit zwölf Jahren als Chefdesigner die Marke bestimmt, in diesem Jahr ebenfalls die Milliardengrenze überspringen wird und von den meisten der neuen Geschäfte nur noch die „floor plans“ kennt, geht ebenfalls in Richtung Couture für Männer: mit handbemalten Hemden und Jacken. Die witzigen Trompe-l’oeil-Effekte machen aufgesetzte Taschen überflüssig und ziehen sich als karierte Linien durch die ganze Kollektion. Die Fensterkaros wiederum zitieren sogar das Intrecciato-Flechtmuster der Bottega-Taschen. Mit einem frei interpretierten festen Formeninventar, das weiß man in der Mode seit Coco Chanel, kann man eine Marke ad infinitum fortentwickeln. „Dieses Mal keine Sportswear, kein Military, sondern Sechziger-Silhouetten“, meint Maier. So einfach kann das sein.

          Die italienische Herrenmode-Branche ist gewachsen

          Der Drang zu Höherem verdankt sich natürlich dem Ehrgeiz der Designer - aber eben auch den Rechenkünsten der Manager. Obwohl Konsumlust in Italien kaum vorhanden ist: Die Herrenmode-Branche ist 2012 um 1,6 Prozent gewachsen, durch die Exporte. Deshalb geht es allen nach außen orientierten Marken gut. Und im Ausland begeistern eben vor allem solche Produkte, die noch auf den italienischen Künsten guten Handwerks und anspruchsvollen Designs beruhen.

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