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Marc O’Polo wird 50 : Stil aus Stephanskirchen

Die bunten Hemden hatten Werner Böck 1968 überzeugt, sich die damals schwedische Marke Marc O’Polo genauer anzuschauen. Bild: Marc O'Polo

Vor 50 Jahren wurde die Modemarke Marc O’Polo in Stockholm gegründet. Werner Böck holte sie vor 20 Jahren nach Oberbayern – sonst hätte sie vielleicht nicht überlebt.

          Es begann vor einem halben Jahrhundert auf seltsame Art. Zwei junge Schweden und ein Amerikaner gründeten 1967 in Stockholm eine Modemarke. Voller Hoffnungen fuhren sie 1968 zur Kölner Herrenmodemesse. Vielleicht wäre die Geschichte hier schon zu Ende, wenn nicht ein ehrgeiziger junger Mann aus Bayern auf der Messe stehengeblieben wäre. Werner Böck glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Zwischen den riesigen Aufbauten der Konfektionäre sah er einen winzigen Stand aus Faltwänden. „Aber das Produkt war neu“, sagt Böck. „Die Hemden und Blusen aus handgewebter Baumwolle hatten schöne Farben und eine wunderbare Struktur und waren schmal geschnitten.“ Das sah alles sehr modern aus.

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Hier also beginnt diese Geschichte erst richtig. Böck, geboren 1943, war noch jung, aber schon erfahren. Seine Eltern führten ein Herrenmodegeschäft in Rosenheim, für das er in Köln neue Ware orderte. In Nagold hatte er auf der Modefachschule studiert. Und er war schon ein Jahr lang in London aufs College gegangen und hatte in Kaufhäusern gearbeitet. In der Carnaby Street erkannte er, dass ein neues Mode-Zeitalter anbrach. „Unglaublich, was da passierte. Das hat mich geprägt.“

          „Wenn ich in einem unserer Läden etwas sehe, das mir nicht gefällt, dann mache ich gleich ein Foto und schick’s in die Zentrale.“
          „Wenn ich in einem unserer Läden etwas sehe, das mir nicht gefällt, dann mache ich gleich ein Foto und schick’s in die Zentrale.“ : Bild: Rainer Hosch

          Das „O“ als Zeichen der Originalität

          Er sprach die Gründer der Marke an, die ihm schon wegen des Namens seltsam vorkommen musste. Rolf Lind, Göte Huss und Jerry O. Sheets hatten sich den Entdecker Marco Polo als Schutzpatron gewählt. Bei der Namensfindung fiel ihnen das Mittelinitial von Jerry O. Sheets ins Auge. Oft wurde er – weil man das „O.“ als irisches „O’“ missverstand – als „Jerry O’Sheets“ angeschrieben. So kombinierten sich die drei Gründer spaßhaft „Marc O’Polo“ zusammen. Das „O’“ zierte schon das erste Produkt der Marke – ein Baumwollhemd für Herren, das schnell ausverkauft war. Bis heute wird das „O’“ verwendet, als ein Zeichen für Originalität.

          1980 – als Telefonzellen noch die Rettung waren – und Werbekampagnen die Menschen zum Lachen bringen sollten.
          1980 – als Telefonzellen noch die Rettung waren – und Werbekampagnen die Menschen zum Lachen bringen sollten. : Bild: Marc O'Polo

          Das elterliche Geschäft in Rosenheim war ohnehin zu klein für den Ehrgeiz von Werner Böck. Gleich 1968 gründete er die „Marc O’Polo Textilvertrieb Werner Böck GmbH“ in Stephanskirchen. In den Siebzigern ging es aufwärts. 1975 gab es schon Linien für Männer und Frauen. Auch die Marke Campus mit dem Campus-Sweatshirt und der Logo-Aufdruck der Marc-O’Polo-T-Shirts halfen bei der Vermarktung. Böck belieferte möglichst die besten Häuser am Platz. Das erste eigene Geschäft wurde 1979 in Düsseldorf eröffnet. Und bald war das Label in Deutschland weltbekannt.

          Umzug in den größten Markt

          Die Markengründer hielten nicht Schritt mit den Ideen ihres deutschen Vertriebspartners. 1987 übernahm Böck 40 Prozent der Anteile der schwedischen Muttergesellschaft. Als Marc O’Polo in den Neunzigern ein paar Saisons stagnierte, wurde er ungeduldig. Und je mehr er nach vorne drängte, desto mehr schienen die Gründer die Lust zu verlieren. Einer ging sogar nach Indien und kam nicht wieder. Böck übernahm 1997 weitere 40 Prozent, war somit Mehrheitsgesellschafter, plante den Umzug in den größten Markt, nämlich Deutschland, baute eine parallele Firmenstruktur auf, weil das Geschäft ja gleich weitergehen musste – und Marc O’Polo zog von Stockholm nach Stephanskirchen.

          Stephanskirchen? Ja, die idyllische 10 000-Einwohner-Gemeinde, gleich neben Rosenheim gelegen, war der richtige Ort. Das erkennt man, wenn man heute durch das Dorf im Dorf geht. Die vielen Gebäude auf dem Marc-O’Polo-Gelände – Design, Showrooms, Verwaltung, Marketing, Fotostudio, Zentrallager – sind nach den Vorgaben der Corporate Identity gestaltet: weißer Verputz, graue Farbe, Holz und Glas. Die Cafeteria, erst vor acht Jahren gebaut, wird schon langsam zu klein für die vielen Mitarbeiter. Vor dem Lager stehen die Lieferwagen Schlange. Die Ware, die zum größten Teil in Asien gefertigt wird, packt man hier in Pakete für die einzelnen Läden. Dank RFID-Technik im entfernbaren Etikett kennt jedes Teil seine Bestimmung, und verloren geht nichts.

          Böck checkt das Unternehmen täglich

          Der Parkplatz des Mehrheitsgesellschafters und Aufsichtsratsvorsitzenden am Haupteingang ist noch frei. Aber sicherlich nicht deshalb, weil Werner Böck noch auf dem Golfplatz wäre. Eher schon, weil er irgendwo nach dem Rechten schaut; allein den großen Laden in München checkt er einmal pro Woche. Täglich kann Böck die Abverkäufe jedes einzelnen Geschäfts abrufen – und das sind inzwischen 108 selbst geführte und 203 Franchise-Läden. Hinzu kommen 2056 Handelspartner, also Multi-Brand-Stores und Kaufhäuser.

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