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Modelabel Marc Cain : „Mode muss verführen“

Die Schau von Marc Cain bei der Mercedes-Benz Fashion Week im Januar in Berlin Bild: dpa

Marc Cain setzt auf Mode und Qualität. Hinter dem klangvollen Namen steckt solider deutscher Mittelstand. „Was wir in den vergangenen Jahren verdient haben, steckten wir wieder ins eigene Haus.“

          Draußen, vor den Fenstern, stehen die Hügel der Schwäbischen Alb; drinnen, im Chefbüro, blättert Helmut Schlotterer seine Pläne auf: Investition und Expansion, Um- und Ausbau, neue Stoffe, Farben und Schnitte, elegant und sportlich. Schlotterer macht Damenbekleidung der Oberklasse, Premiummode aus Bodelshausen. Ein Millionengeschäft in der deutschen Provinz. Und die Zeichen stehen auf Wachstum. Schlotterer sitzt mitten in seinem Lebenswerk. Grauer Anzug, schwarze Turnschuhe, weiße Haare, das weiße Sofa steht auf rabenschwarzen Dielen aus Eichenholz.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er wird vier Stunden lang über sein Unternehmen und die Branche reden. Über die Steuerreformen von Gerhard Schröder und deren Impulse für sein Geschäft, über China, Russland und die Ukraine, über die nahe liegende Burg der Hohenzollern und schwäbisches Unternehmertum, über den Niedergang der hiesigen Textilindustrie und das Aufblühen kleiner Marken. Er ist ein Mann der gepflegten Gegensätze. Auf der Anrichte in seinem Büro stehen die Modelle kleiner Ferraris; die Originale hat er mal gefahren.

          Durchgestylt und ausgetüftelt

          An der Wand hängen Bilder von James Dean und Steve McQueen, den Helden seiner Jugend. Als junger Mann wollte Schlotterer raus in die Welt. Später kam er wieder, baute nach seinen Lehr-, Studien- und Wanderjahren seinen eigenen kleinen Laden auf, machte ihn groß und bekannt. Heute sehen die Gebäude seiner Zentrale aus wie das futuristische Hauptquartier eines Computerkonzerns im Silicon Valley. Viel Glas, viel Stahl, viel Beton. Architektur im Stil der Postmoderne. Durchgestylt und ausgetüftelt. In den vergangenen sechs Jahren hat Schlotterer alles in allem 80 Millionen Euro in sein Haus investiert.

          Ein Ende ist nicht in Sicht. Auf der Großbaustelle gegenüber zieht der Kran ein Betonteil in die Höhe. Das neue fußballfeldgroße Logistikzentrum ist das vierte Gebäude des Komplexes. Softwaregesteuert, kurze Wege und schnelle Transporte. Der Bau kostet ihn 30 Millionen Euro. In einem Jahr wird er eröffnet. Tempo ist Schlotterers Motto, Mode sein Geschäft. Das kann er, das will er, das hat er von der Pike auf gelernt. Vor vierzig Jahren machte er mit „Marc Cain“ den Namen eines kanadischen Freundes erst zu seiner Marke und dann zu seinem Unternehmen. Es war die Zeit, als in Hunderten Textilbetrieben der Region die Lichter ausgingen.

          Helmut Schlotterer
          Helmut Schlotterer : Bild: Kaufhold, Marcus

          Zu teuer, zu schwach und zu alt. Auch der Betrieb des Vaters hielt der Konkurrenz jenseits der Alb nicht mehr stand. Schlotterer sah das, machte sein eigenes Unternehmen auf und ging neue Wege. „Ich sah, dass das bisherige Dreigestirn aus deutschen Produzenten, Groß- und Einzelhändlern sich auflöste.“ Mit der Öffnung der europäischen Märkte kaufte der Großhandel plötzlich in Italien ein. Das bedeutete das Aus für die heimischen Produzenten. „Ich baute von Anfang an auf die Zugkraft einer eigenen Marke und einer eigenen Handschrift“, sagt er.

          Mit Strickwaren fing Schlotterer an; dann kamen Blusen, Röcke und Hosen dazu. Er baute ein Vollsortiment auf und die Kollektionen aus, pflegte seinen Stil, investierte in Technik, Mitarbeiter und Beton, legte sich als einer der ersten in der Branche einen dauerhaften Showroom zu und forcierte den Vertrieb. Das verhalf der Marke zum Erfolg. Heute kommen die Garne aus Italien, die Nähereien stehen in Ungarn und Rumänien, das Design, die Produktion sowie die Qualitäts- und Endkontrolle sitzen in Deutschland. Das ist nicht billig, aber es lohnt sich. Qualität hat ihren Preis und Arbeit einen Wert.

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