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Vom Laufsteg an die Wand Kleider zum Kleben

Heute bei Prada, morgen als Tapete? Ein Gespräch mit Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeteninstituts, über die Renaissance der Wandbekleidung.

© PR / Deutsches Tapeteninstitut / F.A.Z. „Ich glaube, dass bei Tapeten wie bei Stoffen in der Mode die Oberfläche sehr wichtig ist, man will etwas fühlen, ein haptisches Erlebnis haben“, sagt Karsten Brandt vom Deutschen Tapeteninstitut.

Herr Brandt, wer schaut hier bei wem ab? Die Mode- bei den Tapetendesignern oder die Tapeten- bei den Modedesignern?

Die Mode ist uns eindeutig einen Schritt voraus. Ich erinnere mich noch gut, als vor zwei Jahren auf den Laufstegen in Paris „colour blocking“ als Trend zu sehen war. Die Kombination mehrerer Farbblöcke in einem Outfit sah ich zwei Monate später auf der Skipiste und weitere sechs Monate später auf  Tapeten.

Die Laufstege in New York, Mailand und Paris beeinflussen unsere Wände zu Hause?

Eindeutig. Der Markt für die Mode ist aber auch einfach größer und damit einflussreicher. Doch die Grenzen verschwinden langsam, da immer mehr Designer und Designbüros auf mehreren Gebieten arbeiten. 

Die Retrowelle mit Mustern aus den sechziger und siebziger Jahren, wie sie Modemarken von Prada bis Louis Vuitton auf den Laufstegen und Produktdesigner wie Karim Rashid und Lars Contzen derzeit präsentieren, ist also kein Zufall.

Nein. Auch wenn es ja nicht den einen Trend gibt, sondern immer mehrere Entwicklungen, die parallel verlaufen und sich gegenseitig beeinflussen. Die Tapete erlebt übrigens schon ihre zweite Retrowelle. Wer in den achtziger und neunziger Jahren aufgewachsen ist, kannte Tapeten ja höchstens noch aus der Wohnung seiner Großeltern. Weiße Raufaser beherrschte unser Leben. 

Combo / Prada / Muster Prada zeigt den neuen Trend für Herbst und Winter, … © PR Bilderstrecke 

Wie erklären Sie das Comeback der Tapeten?

Im Bereich Inneneinrichtungen kennt man neben kurzfristigen Trends Entwicklungen, die in Zeiträumen von 20 bis 30 Jahren verlaufen. So gab es in den Siebzigern einen Höhepunkt in Form und Farbe bei Tapeten, mancher erinnert sich vielleicht noch an die beängstigend großen  orangefarbenen Kreise an seinen vier Wänden. Das war eine Welle, die im Nachgang von Mondlandung, Beatles und „Flower Power“ über uns hereinbrach. Danach schwang das Pendel zurück zur schlichten weißen Wand. Ornamente oder Opulenz galten als spießig und bourgeois. Vor etwa zehn Jahren wurden dann Tapeten mit auffälligen Mustern wieder cool für eine Generation, die genug vom reinen Weiß hatte. Es fing an in Clubs und Diskotheken, gefolgt von Kaffeehäusern wie Starbucks und erreichte schließlich die Vorabendserien im Fern-sehen und auch unsere Wohnungen.

Benutzen Mode- und Tapetendesigner ähnliche Materialien?

Da gilt das schöne alte Wort von der „Wandbekleidung“. Es gibt durchaus noch Textiltapeten, aus Seide oder Sisal. Ansonsten glaube ich aber, dass bei Tapeten wie bei Stoffen in der Mode die Oberfläche sehr wichtig ist, man will wirklich etwas fühlen, ein  haptisches Erlebnis haben. So erklärt sich die Vielzahl rauer und strukturierter Oberflächen, Tapeten mit Perlen und Swarovski-Kristallen oder einer Schiefer-Anmutung.

Gibt es auch Haute-Couture-Tapeten?

Ja, das kann man sagen. Besondere Designer-Tapeten haben ihren Preis. Dennoch sind Tapeten ein sehr demokratisches Produkt. Eine Rolle kostet zwischen zehn und 200 Euro, und
drei Rollen reichen schon für eine Zimmerwand von 15 Quadratmetern.

Sind Modedesigner auch gute Tapetendesigner?

Noch vor wenigen Jahren hätte sich ein berühmter Modedesigner nie an einem so profanen Produkt wie einer Tapete versucht. Das hat sich geändert. Und weil Design ein Geschäft ist, und die Hersteller von Tapeten meist keine eigenen Marken haben, versuchen sie sich, von ihren Konkurrenten zu unterscheiden. So gibt es Lizenzgeschäfte auch bei Tapeten, etwa mit Daniel Hechter und Esprit. Modedesigner entwerfen aber auch direkt für die Unternehmen. Einige namhafte Designer haben sich aber noch nicht an der Wand verewigt, man darf auf Überraschungen gespannt sein.

Die Fragen stellte Peter-Philipp Schmitt.

Quelle: Magazin «Z»

 
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