Home
http://www.faz.net/-gut-6xxp8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Styling der Stars Der Oscar geht ans Kleid

Auf dem roten Teppich haben viele Schauspielerinnen den größten Auftritt ihres Lebens. Dabei spielen sie nur eine Rolle, die andere ihnen auf den Leib geschneidert haben.

© REUTERS Vergrößern Wenn die Oscars vergeben werden, ist das Kodak Theatre Schauplatz von Roben-Oden und Kleiderkämpfen.

Seit Januar befindet sich der Hofstaat der A-Lister noch mehr im Ausnahmezustand als sonst. Ein Award folgt dem nächsten, begleitet von Nominierten-Lunchs, Pre- und Afterparties. Besonders wichtig sind die Critics’ Choice, Golden Globes, SAG, Bafta, Independent Spirit und schließlich die Academy Awards. Aber dazwischen finden auch noch die Filmfeste Sundance und Berlinale statt. Das sind hundert Gelegenheiten, ein gutes oder schlechtes Foto zu machen, in Listen der besten und schlechtesten Outfits aufgenommen zu werden oder, noch schlimmer, zu belanglos für eine Erwähnung zu erscheinen.

Das Leben ist ungerecht. Während Männer in ihrem Lieblings-Smoking davon kommen können, erfordern die unzähligen Anlässe für ihre Kolleginnen einen nicht abreißenden Strom an Looks, in denen sich noch keine andere fotografieren ließ. Kein Wunder, dass die Vorbereitungen für die Oscar-Verleihung jedes Jahr absurder werden. So ist es undenkbar, dass sich heute jemand – wie Demi Moore 1989 – in einem selbstentworfenen Kleid mit Biker-Shorts auf den roten Teppich trauen würde, schon gar nicht Demi Moore selbst, die nach ihrer Trennung angeblich auch wegen des wachsenden Perfektionsdrucks zusammenbrach.

Sich in der Öffentlichkeit zu zeigen ist eine ernste Angelegenheit geworden. Nicht nur für die größte Award-Zeremonie, sogar für den Spaziergang zu Starbucks lassen sich Prominente von Stylisten beraten, die dadurch selbst zu Prominenten wurden. Mit eigener Modekollektion und Reality-Serie ist es Rachel Zoe am gewinnbringendsten gelungen, den Ruhm der Kundinnen auf sich zu übertragen. Auf Events posiert sie Arm in Arm mit Anne Hathaway, Cameron Diaz und Eva Mendes. Sogar ihr ehemaliger Assistent Brad Goreski hat inzwischen eine Fernseh-Show. Auch die bekannteste Stylistin der Musik-Szene, June Ambrose, wird dieses Jahr ihre eigene Sendung auf VH1 starten. Bekannt wurde sie nicht nur durch Kunden wie Jay-Z, Will Smith, Kanye West oder Mary J Blidge, sondern auch, weil sie in der Sendung „X-Factor“ Nachwuchssänger für den großen Auftritt zurechtmacht. Selbstbewusst erklärt sie: „Ich bin ein Star inmitten von Stars!“ Entsprechend ironiefrei nennt sie ihre Social-Media-Präsenz „The Juniverse“.

June Ambrose during a taping of her new VH1 show "Styled by June." © ROBERT WRIGHT/The New York Times Vergrößern Wer sich in die Hände von June Ambrose begibt, der muss den öffentlichen Auftritt höchstens wegen einer Überdosis Stil fürchten.

Job der Stylisten heute: schneller sein als die Konkurrenz

„Muss man Star-Qualität besitzen, um als Stylist in Hollywood erfolgreich zu sein?“ Das frage ich Susan Ashbrook, die mit ihrem Buch „Will Work For Shoes“ auf ihre unterhaltsamen Erfahrungen in dem Geschäft zurückblickt. „Die Antwort ist ja“, sagt sie. „Zumindest sollte man seine Arbeit und seinen Standpunkt selbstsicher verkaufen können.“ Prominente werden ständig mit Möglichkeiten überflutet und schätzen deshalb jemanden mit Persönlichkeit, der ihnen sagt, wo es stilistisch langgeht. Ashbrook ist trotz Klienten wie Akris, Lanvin, Chopard, Swarovski oder Harry Winston eine erfrischend unaufgeregte Person in diesem Zirkus. Ich lernte sie Ende der Neunziger in New York kennen, als ich neben dem Studium bei der Modelagentur Elite die noch recht amateurhaft aufgestellte neue Celebrity-Abteilung mit betreute, während sie ihr Unternehmen „Filmfashion“ etablierte, das die Kommunikation zwischen Designern und Stars professionalisierte. Dank ihr gewann Kim Basinger 1998 einen Oscar im Escada-Kleid.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Oscar de la Renta Er kleidete die Ostküste ein

Oscar de la Renta war ein Mann der Frauen, weil das Entwerfen für ihn nicht Selbstverwirklichung sondern Dienst an der Kundin war. Nun ist der Modeschöpfer und Gentleman im Alter von 82 Jahren gestorben. Mehr Von Alfons Kaiser

21.10.2014, 06:48 Uhr | Stil
Mann schlüpft unter Kleid von Schauspielerin

Bizzares in Cannes: Auf dem roten Teppich schlüpfte ein Mann unter das opulente Kleid der amerikanischen Schauspielerin America Ferrera. Sicherheitskräfte ziehen ihn hervor und führen ihn ab. Bei dem Stalker handelt es sich um einen 26 Jahre alten Ukrainer, der es auch schon auf andere Stars wie Will Smith, Madonna oder Leonardo Di Caprio abgesehen hatte. Mehr

17.05.2014, 20:49 Uhr | Feuilleton
Luxus-Schuhmarke Jimmy Choo schafft es an die Börse

Das Börsendebut des Edelschuh-Herstellers Jimmy Choo ist am Freitag holprig verlaufen. Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann hat beim Börsengang weniger Geld eingenommen als erhofft. Mehr

17.10.2014, 12:25 Uhr | Finanzen
Naturschutz am Bogoria-See zahlt sich aus

Nach der Roten Liste bedrohter Arten startet die Umweltorganisation IUCN Ende 2014 die Grüne Liste” für Projekte, die vorbildlich im Naturschutz sind. Eines der ersten darauf könnte der Bogoria-See in Kenia werden. Mehr

22.08.2014, 13:10 Uhr | Wissen
Kindermode aus Paris Emile & Jojo freuen sich über Emile + Jojo

Anarchisches Chaos und phantastische Bilderwelten: Lisa Arbellot kreiert entzückende Kleider für Kinder. Die Linie hat die Französin nach ihren eigenen benannt: Emile und Jojo. Mehr Von Alfons Kaiser, Paris

10.10.2014, 13:49 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.02.2012, 14:34 Uhr