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Saint Laurent-Lebensgefährte Pierre Bergé : „Mein Leben ist leer seit dem Tod von Yves“

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Der Warhol bleibt - den Rest aus seiner und Yves Saint Laurents Sammlung lässt Pierre Bergé versteigern Bild:

Er war Geliebter, Mäzen und Komplize: 50 Jahre seines Lebens verbrachte Pierre Bergé an der Seite von Yves Saint Laurent. In der gemeinsam gesammelten Kunstsammlung steckt ein halbes Jahrhundert Leidenschaft - doch nach dem Tod seines Partners lässt Bergé die Sammlung nun versteigern.

          Er steht selten im Rampenlicht, eher hinter dem Vorhang, wie bei den Yves-Saint-Laurent-Schauen, die er bis ins kleinste Detail inszenierte. Über den Laufsteg schritt nur der Meister, voller Hemmungen wegen seiner Schüchternheit. Der Mann, der ihn ein halbes Jahrhundert lang bis zu seinem Tod begleitete, lugte nur kurz hinter dem Vorhang hervor.

          „Aber ich habe ihn nicht ,gemacht‘. Man ,macht‘ keinen Künstler“, sagt Pierre Bergé in seinem Büro in der Avenue Marceau im 16. Arrondissement, unweit des Etoile. Im Palais aus der Haussmann-Zeit hat auch sein Partner gearbeitet. In den oberen Stockwerken werden 5000 Roben aus allen Kollektionen Yves Saint Laurents in Kühlräumen aufbewahrt. Zum museumsgerecht gesicherten Nachlass gehören auch Tausende Zeichnungen, Entwürfe für Theater- und Ballettkostüme, Bühnenbilder, Möbel und und und.

          „Zunächst einmal war er mein bester Freund“

          „Man kann ein Genie, und das war er, nur begleiten, man kann ihm helfen, Arbeit abnehmen. Vor allem, wenn Liebe im Spiel ist. Denn Saint Laurent war zunächst einmal mein bester Freund, 50 Jahre lang mein Komplize und Lebenspartner, mein Geliebter, der Mann, mit dem ich mich ,pacser‘ ließ“, sagt Bergé und nutzt die Kurzform des Wortes, das die französische juristische Form umschreibt, eine Lebensgemeinschaft zu legalisieren, auch die gleichgeschlechtliche.

          50 jahre lang war Yves Saint Laurent der Mann an Bergès Seite
          50 jahre lang war Yves Saint Laurent der Mann an Bergès Seite : Bild: AP

          Sie lernten sich 1958 kennen. Der kaum 22 Jahre alte Yves Saint Laurent stellte nach dem Tod seines Lehrmeisters Dior die erste eigene Kollektion für das renommierteste Modehaus der Nachkriegszeit vor. Bergé lebte damals schon seit acht Jahren mit dem berühmtesten („ich sage nicht: ,besten‘“) Maler seiner Generation zusammen, Bernard Buffet. Aber drei Tage nach dem ersten Gespräch mit dem Wunderkind und nach einem gemeinsamen Diner bei der Modejournalistin Marie-Louise Bousquet verließ er seinen Gefährten, um fortan sein Leben an der Seite des Modeschöpfers zu verbringen – bis zu dessen Tod am 1. Juni dieses Jahres. Pierre Bergé und Yves Saint Laurent wurden eines der mythischen Paare von Paris, wie einst Jean Cocteau und Jean Marais, Marcel Proust und Rinaldo Hahn, Zizi Jeanmaire und Roland Petit, Gertrude Stein und Alice Toklas.

          „Man ist homosexuell, so wie man Linkshänder ist“

          „Im Gegensatz zu Yves, der in Algerien geboren wurde, also aus einem arabischen Land kam, hatte ich nie Schwierigkeiten, meine Homosexualität zu akzeptieren und auszuleben“, sagt Bergé. „Man ist homosexuell, so wie man Linkshänder ist, basta. Ich glaubte immer an die Menschenrechte, an den Code Napoléon, wo Sexualität nicht gemaßregelt wird, wie das in Deutschland noch lange der Fall war.“ Bergé erregt sich über den so spät abgeschafften Paragraphen 175, was auch zeigt, wie gut er Deutschland kennt. Für ihn sei es jedenfalls logisch gewesen, Yves Saint Laurent auch vor dem Gesetz zu seinem Partner zu machen. „Nie haben wir unsere Liebe verleugnet. Viele junge Franzosen, vor allem aus der Provinz, schicken mir täglich Briefe, um mir dafür zu danken.“ Ein Sprachrohr hat er sich mit der Homosexuellen-Zeitschrift „Têtu“ („dickköpfig“) geschaffen, die er großzügig unterstützt.

          Schon 1960 gründeten Bergé und Saint Laurent in der Rue Spontini im 16. Arrondissement ihr eigenes Modehaus. „Wie alle Paare hatten wir Stürme zu durchleben. Yves hatte Momente schwerer Depressionen, Alkohol- und Drogenprobleme zu bewältigen. Ich trug die Verantwortung für das Unternehmen. Aber wir hatten beruflich nie Differenzen. Ich half ihm auch, seine Ängste zu beherrschen. Das war kein großes Verdienst: Ich liebte ihn!“

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