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Modejournalist Peter Bäldle Prêt-a-partir

Gott schuf die Mode, und er schrieb es auf: Modekritiker Peter Bäldle macht nach 70 Saisons Schluss. Ein persönlicher Rückblick in Wort und Bild.

© Helmut Fricke „Damals dachte ich noch, dass man mindestens 50 Jahre alt sein müsste, um eine Moderedaktion leiten zu können“: Journalist Peter Bäldle verabschiedet sich nach 70 Saisons.

Bereuen Sie es nicht? Tut es Dir nicht leid, nicht mehr zu den Schauen nach Paris und Mailand zu fahren, dass Du nicht mehr zu den Défilés kommst?“ Ich weiß nicht, wie oft ich das gefragt worden bin, seitdem ich mich gegen Ende der Pariser Designerschauen im vergangenen März verabschiedet habe von Kollegen und Freunden, PR-Frauen und Kreativen. Nach 35 Jahren und 70 Saisons am Laufsteg – als Modekritiker für die „Süddeutsche Zeitung“ in München und den „Standard“ in Wien, und kurzfristig, von 1984 bis 1986, auch als Fashion Director der ersten  deutschen Ausgabe von „Harper’s Bazaar“, Amerikas ältestem Mode- und Gesellschaftsmagazin. Nein, ich habe diesen Entschluss bis heute nicht bereut, obwohl ich die Mode noch immer liebe.

Was Raf Simons bei Dior und Hedi Slimane für Yves Saint Laurent zeigen werden, ihre Premieren in wenigen Wochen, das interessiert mich noch immer. Und wie wird es Jil Sander ergehen, wenn sie zum ersten Mal seit ihrem Weggang, ihre Mädchen paradieren lässt in jenen Räumen, die sie für ihre Mode gestaltet hat? Oder ist das nur dem Umstand geschuldet, dass man sich mittlerweile kennt: Simons von Shake-Hands, Slimane von Smalltalks und Jil Sander von langen Gesprächen und gemeinsamen Abendessen.

Meine Sitzung mit Jil

Ich werde nie vergessen, wie ich sie Mitte der siebziger Jahre kennenlernte. „Da ist eine Hamburgerin, die macht ganz schöne Mode“, sagte damals Ursula von Kardorff zu mir, die für die Mode verantwortliche Redakteurin der „Süddeutschen“. Sie war eine jener ganz wunderbaren Frauen im deutschen Journalismus, die sich kenntnisreich und intelligent um die Mode und ihre Macher kümmerten. Vielgelesen als Buchautorin, hatte sie auch mich zum Schreiben ermutigt, obwohl ich eigentlich ihr Zeichner war. Damals gab es noch jenen mittlerweile fast ausgestorbenen Beruf des Modegrafikers und -zeichners. Meine Aufgabe war es, UvK’s monatliche Modeseite, auch so etwas gab es damals noch, zu illustrieren, damit sie sich auf den ersten Blick vom Rest der Zeitung abhob. „Deshalb“, sagte Ursula von Kardorff zu mir, „machen Sie zwei schöne Zeichnungen von Jil Sanders Mode, denn ich werde über sie schreiben.“

Es sollte der erste Artikel über die Designerin werden, der außerhalb Hamburgs in einer Zeitung erschien. Sander selbst saß während der Münchner Modewoche in einem kleinen Zimmer im Hotel Bayerischer Hof mit zwei Mannequins und einem Chromständer voller Mode. Als ich zu ihr kam, war sie von der Idee mit den Zeichnungen so begeistert und vom Skizzieren so fasziniert, dass sie Modell um Modell anziehen ließ, nur um – mir über die Schulter schauend – zu verfolgen, wie diese auf dem weißen Bogen Papier Konturen gewannen. Sie wusste nicht, dass genau das ungefähr das Schlimmste ist, was einem als Zeichner passieren kann!

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