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Mode : Jacke wie Jacke

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Jacke wie Jacke ist nicht Jacke wie Hose. Diese Lebensweisheit mußte sogar gerichtlich festgehalten werden. Der Streit um den Vertrieb von Trainingsjacken mit Städtenamen-Aufschrift endete mit einer Einigung.

          Jacke wie Jacke ist nicht Jacke wie Hose. Diese Lebensweisheit mußte sogar vom Hamburger Landgericht festgehalten werden. Dabei hatte alles ganz friedlich angefangen. Vor viereinhalb Jahren begann Michael Jung, Jacken mit dem Schriftzug "Hamburg" zu bedrucken. Jung war Friseur, aber sein Salon "cut for friends" ein beliebter Szene-Treffpunkt. So wurde er zum Trendsetter.

          Vor gut einem halben Jahr entstanden die Trainingsjacken mit Firmenlogo, Stadtwappen und Namenszug: "Hamburg", "Berlin", "Munich", "Cologne". "Kaiserslautern" war wegen der großen Lettern schon schwieriger auf der Brust schmalbrüstiger Szenegänger unterzubringen. Sogar da gab es aber Bedarf: Die Logo-Jacken kamen also wirklich in Mode. Angeblich haben rund 50.000 Menschen zugegriffen und 59 Euro ausgegeben - sogar Robbie Williams und Tiger Woods.

          Schon dagewesen?

          Aber in der Mode ist bekanntlich alles immer schon dagewesen. Wenn nicht, hat in einer Parallelaktion gerade jemand genau dasselbe erfunden - oder eben zum Glück nur das gleiche, was den Richtern einen Ausweg bieten sollte. Timo Röpckes "Look 54"-Jacken sind in fünf verschiedenen Varianten lieferbar, mit jeweils unterschiedlichem Design des Berlin-Schriftzuges, aus 100 Prozent Baumwolle.

          Röpckes Berliner Jacken haben auch noch denselben Preis wie die Hamburger, wurden aber nach Aussage des Designers aus Charlottenburg selbst erfunden: "Wir haben sie schon im Oktober letzten Jahres verwendet!" Sogar Klaus Wowereit hat sich in der "Berlin"-Jacke ausführlich fotografieren lassen. Über seinem Bild auf der Homepage von "Look 54" ist zu lesen: "Mutti vons Janze".

          Aber das alles war kein Spaß, der Kasus mußte vor den Kadi. Michael Jung wollte den Jacken-Vertrieb des Konkurrenten stoppen. Da standen also am Dienstag zur Anhörung vor dem Hamburger Landgericht Jung gegen Röpcke, Ansicht gegen Ansicht, Jacke gegen Jacke. Richter Holger Schmidt mahnte die Parteien zur Besonnenheit: "Das Ganze hat mit einem Spaß begonnen, das sollte man nicht bierernst weiterbetreiben."

          Und wirklich einigten sich die Parteien überraschend schnell und in einer großzügigen Geste gegenüber dem deutschen Rechtssystem, das unter Überlastung ächzt. Jung darf weiterhin die ganze Republik bedienen. Röpcke darf künftig nur den Hauptstadt-Schriftzug vermarkten, aber in der ganzen Welt. Jacke wie Jacke ist also noch immer nicht Jacke wie Hose - aber jetzt weiß man wenigstens, wo.

          Quelle: kai. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2003, Nr. 204 / Seite 9

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