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Mode im Wahlkampf Alles auf Stil

Ideologisch sind die Romneys und die Obamas Welten voneinander entfernt. Modisch aber sind sie sich ähnlicher, als es ihnen recht sein dürfte. Da hätten wir ein paar Vorschläge für den Wahl-Dienstag, die den individuellen Typ betonen.

© AFP Die Romneys (beim Kirchgang): Mit dem Zipper-Kleid von Alfred Fiandaca zur Wahlurne?

Der amerikanische Wahltag mag stets auf einen Dienstag fallen, für die Kandidaten und ihre Gattinnen ist es in Garderobenfragen ein Sonntag: Der gammelige Trainingsanzug und das adrette Kostüm haben gleichermaßen ihren Auftritt. Bei Tag lässt man sich gerne im Bequemsten blicken, was der eigene Kleiderschrank zu bieten hat und womit man eigentlich aufs Sofa gehört, sofern man nicht schon als Präsident antritt und deshalb an gewisse Förmlichkeiten gewöhnt ist. Am Abend holt man dann das Beste heraus, was wiederum an Feiertagsstimmung erinnert.

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Jimmy Carter zum Beispiel sah am Wahltag 1976 in der Strickjacke aus, als wäre er gerade erst vom Frühstückstisch aufgestanden, um mal schnell seine Stimme abzugeben. Ronald Reagan dachte 1980 nicht daran, sein Hemd für den Gang zur Urne in die Hose zu stecken; womöglich war er gerade mit dem Holzhacken auf seiner Ranch beschäftigt.

Ann Romney schaut gern ab

Und Michelle Obamas Aufzug am 4. November 2008 wirkte, als habe sie am Vormittag noch Zeit gefunden für eine Stunde Yoga, um am Abend in einem Kleid in Rot und Schwarz Geschichte zu schreiben. In diesem Jahr aber gehen die modischen Ähnlichkeiten über gewisse Kleiderordnungen hinaus. Ideologisch sind die zwei konkurrierenden Lager weit voneinander entfernt, modisch aber sehen sie sich zuweilen ziemlich ähnlich.

Das Herausfordererehepaar Ann und Mitt Romney ist in einer bislang einzigartigen Situation. Bei der Planung ihrer Garderobe können sie vorab auf die Wahl-Looks der Rivalen aus gleich zwei Jahren schielen, 2008 und 2012. Die Obamas haben schließlich bereits gewählt, er beim sogenannten early voting, das in vielen Bundesstaaten möglich ist, sie per Briefwahl. Das trifft sich gut, denn Ann Romney schaut, was ihre Garderobe betrifft, ohnehin gern bei anderen ab: Seit einigen Monaten orientiert sie sich an der Kleiderwahl Michelle Obamas.

Barack Obama, Michelle Obama Die Obamas (in der Wahlnacht 2008): Wiederholt sich Geschichte in Rot und Schwarz? © ddp images/AP/Jae C. Hong Bilderstrecke 

Da ist zum Beispiel dieser Taillengürtel zum ausgestellten Rock, die zusammen an die Sanduhrsilhouette der fünfziger Jahre erinnern. Die amtierende First Lady hatte solche Kleider in der Vergangenheit mit Vorliebe für den Besuch an Grundschulen vorgesehen, und so eins trug sie nun auch zur dritten Runde des Fernsehduells am 22. Oktober - wie eben auch Ann Romney. Schon zuvor, während der zweiten Runde, sahen sich beide Ehefrauen auffallend ähnlich: In derselben Farbe, die einem shocking pink nahekommt, waren sie nicht zu übersehen. Nur, Ann zeigte noch einen Hauch mehr Kante: Zum Schock in Pink trug sie eine Kette in Smaragdgrün.

Es ist ganz untypisch für eine Republikanerin, aber sie scheint zu glauben, dass man im schlichten Kostüm und mit dem Seidentuch um den Hals nur begrenzt Spaß hat. Aber genau den sucht sie modisch. Wie sonst erklärt sich die Auswahl eines Minikleides mit Musterung in Pink-Orange, mit dem sie besser in einer Bar in Key West Margaritas ausschenken könnte, als im Fernsehen zu sprechen?

Hochgekrempelte Ärmel, schlechtsitzende Jeans

Oder jenes rote Kleid mit dem auffälligen Reißverschluss vorne, der vom Dekolleté bis knapp übers Knie hinunterläuft und so damit droht, sie innerhalb von Sekunden zu entblößen? Weil das Zipper-Teil von Alfred Fiandaca, einem ihrer Lieblingsdesigner, aber aus so festem Stoff gefertigt ist, dass sie es gut tagsüber tragen kann, wäre es doch eine Option für kommenden Dienstag. Vielleicht für den Besuch im Wahllokal? Ann Romney ist schließlich dafür bekannt, Kleider mehrmals auszuführen.

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