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Michelle Obama American Style

Ein Stilvorbild für Amerika: Vier Jahre lang zog Michelle Obama eine ganze Nation an. Jetzt steht auch sie zur Wahl.

© picture press Vergrößern Michelle und Barack Obama tanzen am Inauguration Day im Januar 2009 in die Präsidentschaft hinein, sie in einem Kleid von Jason Wu.

Was für ein Tag! Und was für ein Abend! So klirrend kalt dieser 20. Januar 2009 in Washington auch war, so hoffnungsvoll war die Stimmung am Kapitol, an der Mall, im Weißen Haus und bei den Inaugurationsbällen, auf denen Barack Obama mit seiner Frau tanzen durfte und musste.

Alfons  Kaiser Folgen:    

Denn die Einführung des Präsidenten in sein Amt war ein Einschnitt nach der zuletzt lähmenden Bush-Zeit. Die Frau des neuen Präsidenten, Michelle Obama, die zu Hause die Hosen an hat und außer Haus meist Kleider trägt, wollte den Einschnitt ebenfalls zeigen. Statt wie ihre Vorgängerinnen auf die immergleichen Namen zu setzen, die meistens Oscar de la Renta lauten, kleidete sie ihr Amt als First Lady mit neuem Leben aus.

Als ihr Mann am Nachmittag den Amtseid leistete, trug sie ein Kleid von einer Modemacherin mit Migrationshintergrund. Entworfen hatte das Kleid mit  passendem Mantel in grünstichigem Gelb aus aufwendiger St. Gallener Guipure-Ätzstickerei Isabel Toledo, die in Kuba geboren wurde und in New York lebt. Am Abend dann, als das Präsidentenpaar die „Inauguration Balls“ abklapperte, trug Michelle ein weißes „one shoulder dress“, das mit Organzablumen und Kristallen bestickt war und abermals  alle Aufmerksamkeit von ihrem Mann in seinem Smoking abzog.

Michelle Obama ist ein Stilvorbild

Und wieder war es amerikanische Mode mit Migrationshintergrund. Das Kleid stammte von dem ersten asiatischstämmigen Designer, der je eine First Lady ausgestattet hatte. Und dieser Jason Wu, der in Taipeh geboren worden war, an der Parsons School in Manhattan studiert und erst zwei Jahre zuvor mit seiner eigenen Marke begonnen hatte, war zudem der bis heute jüngste Designer einer First Lady: 26 Jahre alt, schmal, klein, freundlich und kaum bekannt. Später sagte er uns: „Die freie Schulter und der nackte Oberarm waren schon ziemlich frech für eine Präsidentengattin.“ Und für einen Jungdesigner.

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Seitdem ist Michelle Obama zu einem Stilvorbild der Amerikanerinnen geworden, die meist auch nicht ganz jung und ganz dünn sind. Derek Lam, Prabal Gurung, Peter Som, Thakoon Panichgul, Phillip Lim, Alexander Wang: Sie hat eine ganze Generation New Yorker Designer nach oben gebracht, beraten unter anderen von Anna Wintour, der zweiten großen Förderin amerikanischer Mode. 

Wenn heute der nächste amerikanische Präsident gewählt wird, dann steht auch Michelle Obama zur Wahl, weil sie das Obama-Programm verkörpert Ihre sensationelle Rede bei der National Convention der Demokraten (in einem Kleid von Tracy Reese) hatte jedenfalls mehr Überzeugungskraft als sein Auftritt im ersten Fernsehduell mit Mitt Romney. Ja, sie ist eine Aufsteigerin und zeigt es gerne, manchmal auch mit vielen Farben. Aber gerade darin ist sie eine ziemlich gute Amerikanerin. Ihre Kleiderwahl, so viel steht fest, wird auch diese Wahl beeinflussen.

Quelle: Magazin «Z»

 
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Veröffentlicht: 06.11.2012, 16:02 Uhr