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Männermodels : Der lange Weg über den Laufsteg

  • -Aktualisiert am

„Broken Promises“: Lino Meiries für Michael Michalsky im Januar bei der Fashion Week in Berlin. Bild: Helmut Fricke

Männermodels führen ein Schattendasein – und verdienen weit weniger als die Frauen. Damit nicht genug – jetzt schon das nächste große Ding: „female male models“.

          Diese Warterei, nicht sehr glamourös. Model Lino Meiries saß im Januar im Tempodrom in Berlin, eine Tüte mit Broten und Haribo in der Hand. Es waren noch ein paar Stunden bis zur Modenschau von Michael Michalsky. Während er geschminkt wurde, verfolgten Kamerateams die Arbeit des Visagisten, der den Look erklärte: „Sie sollen aussehen wie von der Sonne geküsst. Frische ist ein wichtiges Thema. Auch Männlichkeit. Die Mode will zurück zum Mann.“

          Die Luft im Raum war stickig, Lino musste gähnen. Er war im Klausurenstress an der Uni, und jetzt das hier! Privat schminkt er sich nie, und Gespräche über den Mann von morgen hält er für überflüssig. Es gebe für „male models“ ohnehin keine Kriterien mehr, sagt er. „Außer vielleicht: nicht dick! Nicht klein!“ Sein markantes Aussehen deutet allerdings darauf hin, dass noch ein paar weitere Kriterien wichtig sind. Zwei Dutzend Models hatte Michalsky für die Präsentation seiner Männerkollektion ausgewählt. Das Markenzeichen seiner Männermode: die im Schritt tief sitzende Hose, im kommenden Winter von etwas kürzerer Beinlänge, die nur tragen kann, wer unter 30 ist, groß und schlank, so wie die Jungs hier.

          Die meisten gehen noch zur Schule oder studieren: Betriebswirtschaft, Kulturwissenschaften, Lehramt. Auch Sportler sind dabei: Martin Penk spielte letztes Jahr bei den Junioren in der Basketball-Nationalmannschaft. Lukas Stürze war mal Handballprofi und „topless greeter“ in der Hamburger Filiale von Abercrombie & Fitch, wo er sich halbnackt mit Kundinnen fotografieren ließ. Noch so ein aktuelles Thema: Sexismus. Er sieht es gelassen: „Ich war ja freiwillig da!“ Als Model für Michalsky erhält er gerade mal so viel Geld, dass es für Anreise und Taxi reicht: „Ich komme nur zum Spaß.“

          Nach Abzug der Ausgaben bleibt oft wenig übrig

          Fashion Week als Passion Week. Man muss leidenschaftlich sein als Model, fleißig und tolerant. Denn in der Modelbranche verdienen Frauen mehr als Männer, weil mit Damenkollektionen die besseren Umsätze erzielt werden. Die Jungs geben sich aber genügsam: „Frauen brauchen halt mehr Geld“, sagt Luca Buttschaft, der in die zehnte Klasse geht. Tino Nennhaus, Max Frömbling und Jakob Wilhelm pochen sogar auf ihre Vorteile: „Die Mädchen arbeiten härter. Wir haben entspanntere Arbeitszeiten.“ - „Wir gehen entspannter miteinander um.“ - „Wir sind ganz relaxed.“ Scheint fast so, als gäbe es doch einen Trend bei den „male models“: den tiefenentspannten Halbstarken. Sonniger Look, sonniges Gemüt.

          Vor einigen der Neustarter liegt wohl noch das Abenteuer, das Lino Meiries mit gerade mal 26 Jahren schon hinter sich hat: internationale Modenschauen, Zeitschriftenstrecken, Reisen um die ganze Welt. Aber auch das Gefühl, „unterwegs immer fahriger“ zu werden. Angefangen zu modeln hat er vor fünf Jahren, als er zum dritten Mal in Hamburg von einem Modelscout angesprochen wurde. Ein paar Wochen später flog er für ein Calvin-Klein-Casting nach New York. Die Ankunft in Brooklyn, in einem heruntergekommenen Model-Apartment, war ein Schock für ihn, sagt er. Ebenso die Bekanntschaft mit seinen Mitbewohnern: „Viele Freaks, voll auf Droge. Einer hat sogar mal gegen eine Zimmertür gepinkelt.“

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