Home
http://www.faz.net/-hs1-751nh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Luxus aus Bella Italia (1) Das Internet anders aufzäumen

Das Land ist politisch und wirtschaftlich angeschlagen. Aber der italienischen Luxusbranche gehen die Ideen und das Geschäft nicht aus. Emanuele Della Valle versucht sich im Internet mit Luxusware und passenden Geschichten. Teil 1 der Reihe „Bella Italia“.

© Helmut Fricke Im Büro: Emanuele Della Valle

Und welchen Einfluss hat nun die Politik auf die Luxusbranche? Behindern der Rückzug von Mario Monti und die mögliche Rückkehr von Silvio Berlusconi das Land nicht auch wirtschaftlich? Emanuele Della Valle sieht es locker: „Die Politik in Italien war immer ein Durcheinander. Wir brauchen trotz der Rezession nicht panisch zu werden, sondern müssen es einfach durchstehen, dann wird es wieder besser.“

Alfons  Kaiser Folgen:

Emanuele Della Valle hat gut reden. Er sitzt in New York und sieht Italien aus der Ferne, die Stimmung bekommt er nicht täglich mit. Und er hat da eine neue Geschäftsidee. Der 37 Jahre alte Sohn von Diego Della Valle, dem Herrscher über einen familiengeführten Luxuskonzern, erforscht nämlich mit Unterstützung seines Vaters das Online-Geschäft für Luxuswaren - von Manhattan aus.

Schon immer hörte Emanuele von Amerika

In Italien hat das Tradition. Aus vielen Familien wurden die Kinder nach Amerika geschickt. Salvatore Ferragamo ging schon im Alter von 16 Jahren nach Kalifornien. Margherita Missoni studierte jahrelang in New York, bevor sie vor drei Jahren nach Mailand zurückkehrte. Und Emanueles Onkel Andrea Della Valle, der den Konzern mit aufbaute, führte in den Achtzigern den ersten Laden der Familie am West Broadway in Manhattan.

Schon immer hörte Emanuele von Amerika. Sein Vater gab den Marken amerikanische Namen: Tod’s, Hogan, Fay. Also ging auch Emanuele nach dem Internat für ein Jahr nach Kalifornien, dann nach Hongkong, dann nach London und 1998 wieder nach New York, wo er ein Jahr lang bei der „Vogue“ und für Tod’s arbeitete. Mit seiner amerikanischen Frau hat er zwei Kinder, Jack und Maria, die zwar Italienisch gut verstehen, aber nicht so gut sprechen, weil er zu oft auf Englisch mit ihnen redet.

Noch zwackt er den Marken keine Prozente ab

Nun will er den Online-Handel mit seiner Firma „Mediabend Capital“ andersherum aufzäumen. Andere Internetseiten wie Net-a-porter oder Stylebop begannen mit dem Verkauf von Designermode und drapierten dann redaktionelle Inhalte um die Waren. Emanuele Della Valle beginnt auf seiner Seite „Lifestyle Mirror“ mit dem Inhalt. Im Stil einer Zeitung mit Fraktur-Lettern aufgemacht, gibt es große Geschichten über die Reichen und Schönen. Wenn man weiter klickt, kommt man auf die Seiten der Luxusmarken.

Eine weitere Internetseite, „Elizabeth Street“, soll modebewusste Mütter auf der ganzen Welt für sich einnehmen. Der Traffic auf den Seiten, die es erst seit gut einem halben Jahr gibt, wächst stark, besonders seit Thanksgiving und jetzt im Advent, da dort auch viele Geschenktipps zu finden sind. Die Benutzerführung wird verfeinert, das Angebot wächst, und die Technik wird so weiterentwickelt, dass die Besucher gar nicht von der Internetseite verschwinden müssen, wenn sie online shoppen wollen. Schiefgehen kann ohnehin nichts, denn die Geschäftsführerin der Firma ist eine Deutsche, Eva Quirrenbach, seit langem eine Freundin der Familie.

Mehr zum Thema

Erst jetzt, da das Vertrauen in die Internetseite wächst, geht er an die kommerzielle Verwertung. Noch zwackt Della Valle den Marken keine Prozente dafür ab, dass er die Leser auf ihre Seiten führt. Sein Team verhandelt gerade mit Firmen und Kaufhäusern darüber. Mit den Anzeigen auf der Seite macht er immerhin schon gute Umsätze. Rund 30 Personen arbeiten für die beiden Seiten in einer Etage eines alten Lagerhauses in Chelsea, unter ihnen ehemalige Redakteure von Magazinen wie „Vogue“ oder „Town & Country“, die meisten sehr jung und sehr weiblich.

Ein Trendscout in amerikanischen und digitalen Dingen

Zur Verbundenheit mit dem väterlichen Konzern meint Emanuele wieder recht locker: „Ich mache ein neutrales Business. Eines Tages kann Tod’s ja Werbung schalten.“ Das heißt aber nicht, dass er seine Stylisten, Redakteure und Fotografen davon abhalten würde, mal eine Kampagne für die konzerneigene Schuhmarke Roger Vivier zu fotografieren. „Aber nur, wenn sie es wirklich wollen.“ Emanuele Della Valle ist also so etwas wie ein Trendscout in amerikanischen und digitalen Dingen. Was aber, wenn sein Vater, der nächstes Jahr 60 Jahre alt wird, sagt: „Ich will nicht mehr, du musst es machen!“ Da lacht Emanuele Della Valle: „Das wird nicht so schnell passieren.“

Erst einmal will er am Trend bleiben. Das sieht man schon an seinen Gästen. Es geht ein junger Mann, der aussieht wie ein Student, der sich aber als Max Levchin herausstellt, ein Mitbegründer des Bezahldienstes Paypal. „Ein Genie“, ruft Emanuele aus. Und es kommt Chiara Ferragni, die wirklich Studentin ist - und die bekannteste italienische Mode-Bloggerin (“The Blonde Salad“). Diese Geschichte ist noch längst nicht zu Ende.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schelte von Ökonomen Es ist ja nicht Washingtons Geld

In der Griechenland-Debatte prügeln Amerikas Ökonomen gnadenlos auf die Deutschen ein. Dafür gibt es kulturelle Gründe – und ganz praktische. Mehr Von Winand von Petersdorff

02.07.2015, 15:40 Uhr | Wirtschaft
Neapel Die besten Margheritas der Welt

Dass die Pizza aus Italien kommt, weiß jeder – wo genau sie ihren Ursprung hat, ist aber umstritten. Die heutige Variante mit Tomatensauce, Mozzarella und Basilikum als Basis stammt vermutlich aus Neapel. Dort behaupten die Betreiber der Pizzeria Brandi, die erste Margherita der Welt gebacken zu haben. Mehr

29.01.2015, 11:59 Uhr | Stil
Zum Tod von Laura Antonelli Ein göttliches Geschöpf des Kinos

Ihre Rolle in Viscontis Unschuld machte die Schauspielerin Laura Antonelli unvergesslich. Jetzt starb sie im Alter von 73 Jahren. Mehr Von Andreas Kilb

23.06.2015, 18:42 Uhr | Feuilleton
Amerika Micro-Apartments gegen Wohnungsnot in New York

Im Kampf gegen die Wohnungsnot testen die New Yorker Behörden vorgefertigte Apartments mit 24 bis 34 Quadratmetern Wohnfläche - der Bau von derart kleinen Wohneinheiten ist bislang in der Metropole verboten. Gedacht ist der Wohnblock My Micro NY" in Manhattan für die steigenden Zahlen von New Yorker Singles und Neuankömmlingen. Mehr

08.05.2015, 10:27 Uhr | Wirtschaft
Demo gegen Gleichberechtigung Wen stört es wirklich?

Amerika, Irland und bald Italien? Die Regierung unter Matteo Renzi will die Gleichstellung homosexueller Paare regeln. Die katholische Kirche mobilisiert nun Gegner des Gesetzes für Großdemonstrationen in Rom. Mehr Von Jörg Bremer, Rom

27.06.2015, 10:55 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.12.2012, 17:20 Uhr