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Jessica Joffe : Made in America

  • Aktualisiert am

Colorblock-Top mit Spitzeneinsatz von Thakoon Bild: Jork Weismann für Frankfurter Allgemeine Magazin

Jessica Joffe springt in den kalifornischen Frühling – und hat die besten amerikanischen Jungdesigner dabei. Im Interview spricht sie über ihr Leben in Amerika, ihre Arbeit als Autorin und ihre 250 Projekte.

          Wie viele Deutsche sagen eigentlich Jessica zu Ihnen – und nicht Dschässica?

          Ich finde es auf Deutsch mit einem weichen J viel schöner. Da wir uns zwischen der angelsächsischen und der deutschen Welt bewegten, haben meine Schwester Janina und ich Namen bekommen, die man in vielen Sprachen aussprechen kann.

          Sie haben schon früh in Amerika gelebt.

          Ja, mein Vater hat dort studiert und gelehrt. Als ich sehr jung war, lebten wir in Washington D.C. Später unterrichtete mein Vater in Harvard. Unsere Eltern wollten, dass wir unser Englisch erhalten, also haben sie es zu Hause aufgeteilt: Mein Vater hat immer Englisch mit uns gesprochen, meine Mutter Deutsch. Wir waren auf internationalen Schulen und später in England im Internat.

          Auch das Schreiben haben Sie da und später in Stanford an der Uni gelernt. Liegt bei Ihnen noch irgendwas in der Schublade?

          Ich weiß nicht, ob man schreiben ‚lernen’ kann. Man kann es oder kann es nicht. Aber Übung hilft: viel lesen und lernen, wie die Besten mit der Sprache umgehen. Es hilft auch immer, ein paar Schreibregeln zu kennen, wie zum Beispiel die von George Orwell. Neuerdings habe ich angefangen, Drehbücher zu schreiben, zwei „Pilots“, genauer gesagt. Das ist der Auftakt zur einer möglichen Serie. Als Autorin und Schauspielerin finde ich Fernsehen interessanter als Film. Man hat mehr Zeit und Möglichkeiten, Figuren und Situationen in einer Serie aufzubauen.

          Sie haben erst in New York gelebt, jetzt in Los Angeles.

          Ich lebe immer noch in München und in den Vereinigten Staaten. Jetzt verbringe ich mehr Zeit in Los Angeles als in New York, aber ich pendele immer noch zwischen den beiden Küsten. Für mich hat das ganze Land einen großen Reiz.

          Es wird viel über Los Angeles geschimpft.

          Dieses ewige Hypen und Niedermachen von Städten finde ich langweilig: L.A., NY, Berlin, London, Paris. Es ist doch ein riesiges Privileg, an solchen Orten wohnen zu können. Ich weiß gar nicht, was  es zu schimpfen gibt über L.A. Wir haben Museen, Parks, stilbildende Architektur, gute Restaurants, interessante Nachbarn, den Ozean und dazu noch tolles Wetter. Ich bin überall zufrieden – es sei denn, es ist zu kalt.

          Sie haben auch schon in mehreren Filmen mitgespielt.

          Ja, mein schönstes Erlebnis war der Film mit Anton Corbijn, „A most wanted man“, der wohl Ende dieses Jahres herauskommt, mit Philip Seymour Hoffman und Rachel Mc-Adams. Ich genieße die Schauspielerei. Es ist eine einzigartige Möglichkeit, sich kreativ und total ehrlich zu bewegen. Man kann das Schauspiel mit keiner anderen Kunstform vergleichen, schließlich lebt es komplett vom Moment. Auch wenn ich derzeit viel schreibe, gebe ich nicht das eine für das andere auf. Ich werde mein Leben lang schreiben.

          Sie schreiben unter anderem für das deutsche Magazin „Flair“. Keine Lust auf politischen Journalismus, wie Ihr Vater, Josef Joffe, Herausgeber der „Zeit“ und Verfasser der Kolumne „Zeitgeist“?

          Von ihm habe ich auf jeden Fall die Lust an der Meinung.

          Wenn man vom Schreiben auf die Person rückschließt, war Ihr Vater ein strenger Vater.

          Ein starker Vater! Als ich ihm mit 15 Jahren einen Text gab, hat er ihn auseinandergenommen. Von meiner Mutter Christine Brinck, einer unglaublich begabten Autorin, habe ich genau so viel gelernt.

          Sie arbeiten auch als Model und waren unter anderem das Gesicht einer Elizabeth-Arden-Kampagne. Sonst noch einen Berufswunsch?

          Vielleicht Lehrerin? Ich arbeite in L.A. an einem wunderbaren Shakespeare-Projekt mit jungen Schülern in South Central, einem nicht gerade privilegierten Stadtteil. Begeisterung zu wecken beflügelt beide Seiten.

          Nicht Designerin?

          Nein, davor habe ich viel zu viel Respekt. Da bleibe ich lieber bei den 250 Projekten, die ich mir sonst so vorgenommen habe.

          Warum eigentlich so viele Wünsche?

          Weil ich mich nicht entscheiden kann. Deshalb mache ich lieber alles.

          Die Awards Season ist in vollem Gang. Am Sonntag werden die Oscars vergeben. Muss man da eigentlich als junge Schauspielerin hin?

          Man muss gar nichts. Jeder findet seinen eigenen Weg. Für manche führt der rote Teppich zum Erfolg, für andere ist es die Position hinter der Kamera oder das Schreiben. Manche schaffen es in kürzester Zeit, bei anderen dauert es 20 Jahre, bis sie wahrgenommen werden. Klar ist nur: Ohne harte und hartnäckige Arbeit geht es nicht. Ich versuche, meinen eigenen Weg zu gehen, indem ich auf allerlei Klaviaturen spiele – oder es jedenfalls versuche.

          Und wie war das Shooting für unsere Ausgabe an Venice Beach?

          Wir hatten ein „Guerrilla Shooting“, ruckzuck, und waren fertig, bevor wir überhaupt angefangen hatten. Eine kleine Stripshow haben ein paar nichtsahnende Touristen noch mitbekommen. Jork, unser Fotograf, wollte „Big Steps“ aufzeichnen, die man in einer Stadt wie L.A. vorfindet. Wo besser anfangen als am Strand?

          Die Fragen stellte Alfons Kaiser.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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