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Im Gespräch: Modebloggerin Jessica Weiß : „Es gehört auch ein bisschen Wahnsinn dazu“

  • Aktualisiert am

Julia Knolle und Jessica Weiß (rechts) haben „Les Mads” gegründet Bild: privat

Mit einer Freundin gründete Jessica Weiß das Modeblog „Les Mads“. Bis sie in der Branche ernst genommen wurden, dauert es ein paar Jahre. Im Interview spricht Weiß über Erfolg, deutsche Mode und das Buch zum Blog.

          Ein Modeblog lebt von Schnelligkeit und Aktualität. Ein Buch ist so ziemlich das Gegenteil davon. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eins zu schreiben?

          Es war mal ganz schön, etwas zwischen zwei Heftdeckel zu packen, was etwas längerfristiger ist als ein Posting. Deshalb haben wir auch nach einigem Zögern zugesagt, als der Verlag uns gefragt hat.

          In Ihrem Modeblog geht es viel darum, was man gerade trägt und künftig tragen wird. Das Buch ist ein Blick zurück auf die vergangenen drei Jahre. War das auch ein Innehalten?

          Ein bisschen schon. Wir haben über unsere Anfänge geschrieben, unsere Reisen und was wir da alles erlebt haben. Die Umstände, unter denen das Buch geschrieben wurde, waren dann aber genauso hektisch wie sonst auch. Wir haben immer abends geschrieben, nachdem der Blog-Alltag vorbei war.

          Das Buch zum Blog

          Mittlerweile hat Ihr Blog bis zu 650.000 Besucher im Monat. Haben Sie sich das vorstellen können, als Sie 2007 angefangen haben?

          Überhaupt nicht, das war auch nicht unsere Absicht. Es war damals eine schöne Abwechslung. Julia hat BWL studiert, ich Marketingkommunikation, das war alles ziemlich trocken. Der Blog war am Anfang eher ein Tagebuch für Freunde und Bekannte. Weil Mode aber unsere Leidenschaft ist, wurde daraus ein Modeblog.

          Wie erklären Sie sich, dass Sie bei jungen Frauen offenbar einen Nerv getroffen haben?

          Im Ausland gehörte Bloggen damals schon zum Alltag. In Deutschland gehörten wir zu den Ersten. Wir haben die Welt einfach durch unsere Augen gesehen und den Leser dabei an die Hand genommen. Und wir waren immer aktuell. Wenn wir auf ein Konzert gingen, konnte man das ein paar Stunden später online nachlesen.

          Sie lassen den Leser mitunter mit mädchenhafter Begeisterung daran teilhaben, was Sie tragen und welche Marken Sie mögen. Sind Sie eine Art Carrie Bradshaw der Bloggerszene?

          Ich glaube eher nicht. Viele Leute teilen unseren Geschmack oder lassen sich zumindest davon inspirieren. Stilvorbild kann man in Deutschland nicht sein, hier gibt es nicht so einen Hype. Das funktioniert in Amerika, da bietet Hollywood die Vorbilder, deshalb funktionieren die Blogs von Tavi und Bryanboy auch so gut.

          Und warum nicht in Deutschland?

          Mode hat hier grundsätzlich nicht so einen großen Stellenwert. Natürlich arbeiten auch wir daran, dass es irgendwann Mal ein Stück Kulturgut wird.

          Bei „Les Mads“ kann der Leser seine Meinung sagen, wenn Sie fragen: Soll ich diese Hose tragen? Soll ich diese Bluse kaufen? Unterscheidet Sie das von den klassischen Modemedien?

          Auf jeden Fall. Das Persönliche und die Subjektivität sind essentiell. Sonst könnte man auch die Vogue oder Elle lesen.

          Allerdings erwarten Ihre Leser auch, dass der Dialog nicht abreißt . . .

          Das ist auch so. Man muss bereit sein, quasi 24 Stunden online zu sein. Wir haben immer versucht, wenn eine Meldung rauskommt, sofort einen eigenen Post zu machen. Da gehört auch ein bisschen Wahnsinn dazu.

          Wie lange hat es gedauert, bis Sie von den Modemarken ernst genommen wurden?

          Das war eine Menge Arbeit. Wir mussten erst mal erklären, was ein Blog ist. Bei der ersten Fashion-Week in Berlin 2007 bekam ich noch ein Ticket über Bekannte, und von Saison zu Saison rutschten wir ein bisschen mehr rein. Heute ist unser Ruf in Deutschland sehr gut. International ist das ein bisschen anders. Da ist es nicht immer leicht, an Tickets zu kommen.

          Seit einem halben Jahr machen Sie „Les Mads“ ohne Julia Knolle. Funktioniert das „Zwei Freundinnen sprechen über Mode“-Modell dann noch?

          Das Buch war unser Abschlussprojekt. Es hatte sich schon lange herauskristallisiert, dass Julia sich zurückziehen will. Ich habe dann ein Netzwerk gegründet mit Bloggern, die aus anderen Städten schreiben. Die Auswahl ist jetzt größer. Es war wichtig, dem Leser mehr als nur eine Perspektive anzubieten. Die Zahlen sind weiterhin steigend.

          Es gibt mittlerweile viele Blogs. Wie hält man sich im Gespräch?

          Viele Leute unterschätzen das Bloggen: Es ist sehr viel Arbeit. Es gibt eine homogene Masse, in der viele Blogger dasselbe machen, aber nur sehr wenige herausstechen. Man bleibt im Gespräch, wenn man neue Ideen hat, Netzwerke gründet - oder eben ein Buch schreibt.

          Glauben Sie, dass Frauen sich in Zukunft überhaupt noch Modemagazine anschauen werden?

          Ich glaube schon. Ich lese immer noch gerne Magazine, weil ich dann etwas Haptisches in der Hand habe. Aber es wird wie bei einem Blog sein: Nur die Besten werden sich behaupten können.

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