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Gespräch mit einem Parfumeur : „Ich habe auf den Feldern Kräuter gesammelt“

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Bild: Getty Images

Wie riechen eigentlich Flughäfen? Oder das „Kleine Schwarze“? Ein Gespräch mit Chef-Parfumeur Thierry Wasser von Guerlain in Paris, einem der ältesten Dufthäuser der Welt.

          Monsieur Wasser, riechen Deutsche und Franzosen eigentlich unterschiedlich?

          Da wir Franzosen den Ruf haben, zu stinken, nehme ich an, dass Deutsche anders riechen.

          Wie bitte?

          Ludwig XIV. soll schließlich nur einmal im Jahr gebadet haben. Wenn der beispielgebend war. . .

          Meinem Vorurteil zufolge haben die modebewussteren Franzosen eine viel selbstverständlichere Beziehung zum Parfum als wir.

          Es gibt bei uns vielleicht mehr Wissen und eine größere Akzeptanz. Das ist eine kulturelle Frage. Aber Guerlain ist ein Haus mit 185 Jahren Geschichte, und als es 1853 unter Napoleon III. zum kaiserlichen Hoflieferanten ernannt wurde, öffnete uns das die Tore zu allen europäischen Höfen. Deutschland war da keine Ausnahme. Sissi von Österreich war eine treue Kundin insbesondere von Guerlain-Kosmetik. Sie bestellte kistenweise Feuchtigkeitscreme - aus Erdbeeren. Sie war verrückt danach.

          Als Parfumeur nennt man Sie auch „die Nase“. Beurteilen Sie Menschen danach, wie sie riechen?

          Ich bin niemand, der andere bewertet, das würde ich mir nie erlauben. Aber natürlich kann es sein, dass ein Duft etwas über einen Menschen aussagt. Ein Parfum ist etwas sehr Persönliches. Und der Geruchssinn arbeitet auf mysteriösere Weise als das Auge.

          Was verraten wir mit der Entscheidung für ein Parfum über uns selbst?

          Entweder kauft man ein Parfum und trägt es wie eine Signatur, die sagt: „Das bin ich.“ Oder man nutzt es wie ein Accessoire, das man wechselt, je nachdem was man ausdrücken möchte. Auch der Lippenstift darf etwas kräftiger sein, wenn man ausgeht.

          Mit gutem Riecher und passendem Nachnamen: Thierry Wasser

          Wie handhaben Sie das selbst?

          Ich trage kein Parfum, das ist der Nachteil meines Berufs. Sonst rieche ich nicht, was ich tue. Ich verwende morgens sogar parfümfreie Seife. Als ich allerdings „La petite Robe noire“ entwickelt habe, trug ich den Duft permanent, Tag und Nacht. Man kann diese kleinen Papierstreifen besprühen, um zu beurteilen, ob einem etwas gefällt oder nicht. Aber der eigentliche Duft entfaltet sich nur auf der Haut.

          Wie würden Sie „La petite Robe noire“ beschreiben?

          Wunderbar.

          Das sagt alles über die Schwierigkeit, etwas so wenig Greifbares wie Duft in Worte zu fassen.

          Mein Job ist abstrakt. Es geht darum, ein Gefühl auszudrücken. Wenn ich darüber hinaus erklären muss, warum ich dieses Gefühl hatte, lege ich mich besser auf die Couch und Sie spielen Psychiater.

          Wie muss ich mir Ihre Arbeit vorstellen? Sitzen Sie den ganzen Tag im Chemielabor?

          Meistens hält man uns für so verrückte Professoren. Aber das trifft es nicht. Ich verbringe ein Drittel meiner Arbeitszeit auf den Feldern mit der Beschaffung unserer Rohstoffe.

          Auf was für Feldern?

          Bergamotte-Felder zum Beispiel. Gerade komme ich aus Tunesien, wo ich Hunderte Tonnen Orangenblüten destilliert habe. Ende des Monats werden wir in Bulgarien Tausende Tonnen Rosenöl herstellen. Das ist Teil meiner Arbeit. Aber kaum jemand weiß davon. Für jeden unser strategischen Rohstoffe, Rose, Jasmin, Orangenblüte, Sandelholz, Vetiver, Bergamotte, bin ich einmal im Jahr vor Ort. Guerlain und Chanel sind die Einzigen in der Branche, die auch herstellen, was sie erfinden. Wir entwickeln nicht nur die Formel, wir setzen sie auch selbst um. Da wird die Rohstoffbeschaffung entscheidend.

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