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Farbenfrohe Hosenanzüge Jacke wie Hose

In der Mode könnte es jetzt laut werden: Der einst konservative Hosenanzug neigt zu großen Gesten.

© Dieter Rüchel Vergrößern Ist das etwa ein Schlafanzug? Auch bei einem Zweiteiler wie diesem von Prada stellen sich wichtige Fragen.

Wenigstens die Designer sind sich einig darüber, wann ein Hosenanzug ein guter Anzug ist. Ob die Bügelfalte wie mit dem Lineal gezogen ist, die Knopflöcher sauber umsäumt und Arm- und Beinlängen auf die Maße des Trägers angepasst sind, ist dabei eher nebensächlich. Miuccia Pradas Hosen zu passenden Jacken zum Beispiel muten an, als hätte die Designerin dabei nicht mit Stoff geschneidert, sondern eine Rolle Art-déco-Tapete verwendet. Und als wolle sie sichergehen, dass man dazu auch ganz bestimmt Schmuck trägt, näht sie diesen gleich mit an die Tapete. Bei Louis Vuitton sehen die Hosenanzüge ebenfalls aus wie geschmückte Weihnachtsbäume. Dagegen kleidet DKNY, die Zweitmarke der New Yorker Designerin Donna Karan, ihre Kundinnen von Kopf bis Fuß vergleichsweise zurückhaltend - in winzigen Blumendrucken.

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Für den Herbst, so scheint es, hatte die Mode einen schlauen Einfall, um zu provozieren - jetzt, da sie langsam langweilig zu werden droht. Schließlich kann man dieser Tage eigentlich alles anziehen. Ein runder Schuh ist so wenig ein modischer Fauxpas wie ein spitzer. In einer Röhrenjeans kann man ebenso auf die Straße treten wie in einer, die so schlabberig sitzt, als sei sie vom Freund geliehen. Was in und was out ist, bestimmt in erster Linie der Träger.

Nicht nur die Hosen schreien – auch die Oberteile

Muster auf den Hosen hingegen sind eines der letzten Themen, die modische Kontroversen auslösen: Damit kann man noch immer im Alltag auffallen. Wer so etwas trägt, dürfte zwar noch keine Regeln brechen, aber dennoch wenigstens schräge Blicke ernten. Diese Blicke zeigen, dass die bunten Teile also gewisse Grenzen touchieren. Seidenhosen sehen gemustert wie Schlafanzughosen aus, wie Modelle, in denen man sich doch eigentlich in die eigenen vier Wände zurückziehen sollte. Und was fällt der Trägerin einer Jeans mit Streifenmuster, Leopardendruck oder Trompe-l’oeil-Motiven ein, sich solch einer Geschmacklosigkeit hinzugeben?

Nun lassen Designer nicht nur ihre Hosen, sondern eben auch die passenden Oberteile für den Herbst gleich laut schreien, was so aussieht, als hätten sie vorgehabt, die Musterung eines Kleides in einem Anzug unterzubringen. Das mag man praktisch finden und das Beste aus beiden Welten in diesem Anzug begrüßen, etwa die Bewegungsfreiheit einer Hose oder die Abkehr vom immer gleichen Jeansblau. Dazu kommt der Ganzkörperdruck aber noch um einiges umstrittener daher als die bedruckte Hose. Das erklärt sich schon darin, dass Muster und Farbe es auf den klassisch-konservativen Anzug abgesehen haben, den Heiligen Gral der Herrenschneiderei und den sicheren Hafen der Damenmode im Büro.

Die SPD geht voran

Die deutsche Designerin Dorothee Schumacher bringt zum Beispiel für den Herbst kaleidoskopische und florale Muster auf besonders verspielten Variationen des Hosenanzugs unter. Sie spricht dabei von jener pattern power, die einen für die Welt draußen wappne. „Kleidung hat als zweite Haut am Körper sehr viel mit Kommunikation zu tun“, sagt Schumacher. Sie selbst kombiniert die bunte Hose, auf der Rottöne in Rosa laufen und Grün „der Störer“ im Muster ist, zu einem schwarzen Kaschmirpulli. Selbst wenn sie damit nicht explizit auffallen möge, sei dies eine Möglichkeit, um sich auszudrücken.

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Veröffentlicht: 15.10.2012, 10:10 Uhr