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Veröffentlicht: 23.05.2013, 17:36 Uhr

Fahrradbekleidung Wie man sich anzieht, so rollt es

Heute kann man sich auf dem Rad modisch, sicher, qualitativ gediegen, praktisch und ganz verschieden kleiden. Je nachdem, zu was für einer Tour man mit dem Fahrrad aufbricht.

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© von Siebenthal, Jakob Die warme Jacke von Assos und der Kurzmantel von Amity

Es gibt Fahrradbekleidung, die gibt es nicht beim Lebensmittel-Discounter, auch dann nicht, wenn dort alles für die Radtour zum kleinen Preis ausgeschrieen wird. Trikots mit Rückentaschen, ja, die sind dort zu haben, Hosen mit Sitzpolster, auch Handschuhe und Helme. Aber es ist kaum etwas dabei, womit man quer durchs Großraumbüro zu seinem Arbeitsplatz gehen möchte. Nicht etwa, weil jeder Kollege sofort sehen würde, dass man sich bei den Gebrüdern Albrecht, bei Lidl oder Penny eingekleidet hat, sondern weil es eben typische Fahrradkleidung ist: schreiend bunt von wegen der Sicherheit durch Sichtbarkeit, eng anliegend und damit den geringsten Bauchansatz betonend, auftragend an Stellen, wo man nicht so heftig gepolstert sein möchte - alles in allem: funktional, aber nicht besonders ästhetisch.

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In dem City Bike Blazer Josefina in Marine-Dunkelblau von Amity geht die Dame erhobenen Hauptes vom Fahrradstellplatz ins Büro. Und auch als Herr im Kurzmantel Franz riskiert man im Kollegenkreis keine hochgezogene Augenbraue: Man trägt einen Trenchcoat von klassischem Chic in Beige. Dass der winddicht, wasserabweisend, atmungsaktiv und wenig schmutzempfindlich ist, glaubt der Betrachter sofort. Der Etaproof heißende dicht gewebte und imprägnierte Baumwollstoff der Schweizer Weberei Stotz fühlt sich auch gut an. Was man nicht sofort sieht, sind die Details, die aus den zwischen rund 350 und 400 Euro kostenden Jacketts und Kurzmänteln von Amity funktionale Bekleidung für Radfahrer machen. Die Ärmelmanschetten lassen sich umklappen, der Kragen hochschlagen und der geknöpfte Rückenriegel wenden: So werden an den drei Stellen Reflektorstreifen aus Scotchlite von 3M sichtbar. An Taschen ist kein Mangel: zwei abgedeckte Einschubtaschen und eine Brusttasche außen, innen sind es vier, eine mit einem Reißverschluss und eine mit Knopf gesichert. Der Mantel hat außen auf der Brust keine Tasche, aber dafür unter den Achseln Zipper zur Lüftung.

Fahrradkleidung am lebenden Objekt Mit dem Fahrrad zur Arbeit: Der City Bike Blazer von Amity ist unbedingt bürotauglich © Fricke, Helmut Bilderstrecke 

Die tadellos verarbeitete Oberbekleidung aus Dortmund ist sozusagen der eine Pol von feiner Fahrradbekleidung: perfekte Unauffälligkeit. Gar nicht verstecken will sich und die Sportlichkeit ihrer Trägerin die Radjacke Lady umaJack von Assos, die sich in der Kälte dieses Frühjahrs sehr bewährt hat. Von Design und Schnitt her ist die gleich über dem Unterhemd getragene Jacke ein Windstopper für Temperaturen zwischen 0 und 12 Grad Celsius: hoher Kragen, dichter Reißverschluss, frontal Airblock-Membran, Rückentaschen. Zwei gute Gründe dafür, rund 230 Euro für diese Windjacke anzulegen: die Passform und die Haltbarkeit. Dass die Jacke auch noch unverschämt gut aussieht, versteht sich bei dem Schweizer Hersteller von selbst.

Ebenfalls auffällig, und das mit voller Absicht ist das Luminite Jacket von Endura (rund 115 Euro). Die Jacke des schottischen Anbieters kombiniert die Funktionen einer Regenjacke mit denen einer Sicherheitsweste und zielt nicht nur auf den Sportler, sondern genauso auf den Berufspendler, der auch in der dunklen Jahreszeit mit dem Rad unterwegs ist. Regendichte Reißverschlüsse, enger Arm- und Halsabschluss, eine geschützte Brusttasche fürs Handy mit Kabelkanal und jede Menge reflektierende Applikationen gehören wie abgedeckte und verschließbare Lüftungsschlitze zu der mit unterschiedlichen Schnitten für Männer und Frauen erhältlichen Jacke. Ihr eigentlicher Clou ist die hinten eingearbeitete LED-Rückleuchte. Die wird durch Drücken eingeschaltet: Wenn man das Luminite Jacket allerdings zusammengeknüllt einsteckt, was bei einer Regenjacke durchaus zum bestimmungsgemäßen Gebrauch gehört, kann es passieren, dass sich das Rücklicht von allein einschaltet. Dann ist es nichts mit den 50 Stunden Blinkbetrieb, die versprochen werden. Dass die Schotten es auch dezenter als bei der Leuchtfarben-Jacke können, zeigt ihre Serie von Radtrikots (rund 55 Euro), die im Stil von Whisky-Marken gestaltet sind.

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