Home
http://www.faz.net/-guu-qzp4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Designer-ABC Yamamoto, Yohji

„Hiroshima-Chic“ lautete 1981 das Urteil über die erste Kollektion des japanischen Designers Yamamoto. Sie sehe aus wie eine „Atombombenexplosion“. Mittlerweile ist der Architekt unter den Mode-Designern auch aus der europäischen Modewelt nicht mehr wegzudenken.

Als der japanische Designer Yamamoto 1981 seine erste Kollektion in Paris zeigte, war das eine kleine Sensation – und ein Schock für die etablierte Modewelt.

Anke Schipp Folgen:  

Man bezeichnete seine Kollektion als „Hiroshima-Chic“, sie sehe aus wie eine „Atombombenexplosion“ und würde das Ende der Mode bedeuten. Yamamoto stellte die europäische Mode grundsätzlich in Frage. Es ging ihm nicht um Schönheit und Glamour, sondern um Form.

Architekt der Mode

Er sah Mode wie ein Architekt: Er dachte in Kategorien wie Raum und Konstruktion. Bei seinen Entwürfen gibt nicht der Körper die Vorgaben, vielmehr verschwindet er in einer neuen Hülle. Ganz nach japanischer Tradition drapiert, knotet, wickelt und bindet Yamamoto die Stoffe und schafft damit abstrakte Silhouetten, indem er die Schultern deformiert oder Taillen unter vielen Lagen Stoff verschwinden läßt.

Der Japaner experimentierte auch mit europäischen Kleiderformen und verfremdete sie, indem er ihre Nähte versetzte und Schnitte transformierte. Mit ihm kam die Asymmetrie in die Mode.

Elegante und chice Sportswear

Yamamoto wurde 1943 in Tokio geboren. Er brach sein Jurastudium ab, um seiner verwitweten Mutter in ihrer Schneiderei zu helfen. Dann studierte er an der Bunke-Modehochschule in Tokio und gründete 1977 seine eigene Marke. Seine Vorliebe für Schwarz erklärt er damit, dass seine Mutter immer schwarz trug, nachdem sein Vater im Krieg gefallen war.

Seit 1984 macht Yamamoto auch Männermode. Große Erfolge feierte er durch seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Sportartikelhersteller Adidas: 2003 brachten sie gemeinsam die Kollektion Y-3 auf den Markt, die Sport und Style miteinander verbinden. Hier hält er sich im Wesentlichen an das sportliche Basisprogramm: Jogginghose, Sweater, T-Shirt. Vereinzelt Polokleider, Kapuzenjacken und Neopren-Anzüge. „Mein Wunsch war es, Sportswear elegant und chic zu machen“, sagt er. Die Kollektion besticht durch Einfachheit, Witz und Anmut. Und: Sie ist durch und durch westlich.

Buchtipp: „Icons of Fashion - The 20th Century“, herausgegeben von Gerda Buxbaum, Prestel-Verlag.

Lesen Sie morgen die letzte Folge der Serie „Designer ABC“: „Z wie Zegna“

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Street-Style-Ikone Caroline Issa Ich weiß schon abends, was ich morgens anziehe

Caroline Issa, eine der am besten gekleideten Frauen der Welt, über ihr Leben als Street-Style-Star, ihre Arbeit als Modeberaterin und die Kommerzialisierung des Stils. Mehr

08.10.2014, 16:04 Uhr | Stil
Modewoche Tokio Kimonos für Frauen mit Sexappeal

Kimonos gelten als der Inbegriff japanischer Sinnlichkeit – doch heute tragen die meisten Japanerinnen westliche Mode. Auf der Modewoche in Tokio versuchen die Designer Jotaro und Sansai Saito mit ihren neuen Kreationen, junge Frauen wieder für das traditionelle Kleidungsstück zu begeistern. Mehr

19.10.2014, 11:26 Uhr | Stil
Vantablack Schwarz ist das neue Schwarz

Vantablack ist ein Produkt der Nanotechnologie und für den Einsatz in der Wissenschaft gedacht. Mittlerweile interessieren sich auch Künstler und Designer für die Farbe. Leider hat die Sache zwei Haken. Mehr Von Laura J. Gerlach

20.10.2014, 12:02 Uhr | Stil
Architektur Streit um berühmtes japanisches Hochhaus

Seit 1972 gibt es in Tokio den "Nakagin Capsule Tower". Mit seinen 140 kleinen Wohnkapseln zeigt er, wie sich die Architekten der Metabolismus-Bewegung vor vier Jahrzehnten die Zukunft vorstellten. Der einzigartige, in die Jahre gekommene Schachtelbau von Kisho Kurokawa soll nun abgerissen werden. Mehr

22.10.2014, 10:51 Uhr | Feuilleton
Wolfgang Joop Lieber Popstar als Schneider

Seit Germany’s Next Topmodel ist Designer Wolfgang Joop zu einer Art Popstar für Jugendliche geworden. F.A.Z.-Redakteur Alfons Kaiser hat ihn beim Innovationstag in München interviewt. Ein Gespräch über seine Kindheit im Nachkriegsdeutschland, Kreativität als permanente Selbsttherapie und die Brisanz deutscher Worte in der Modewelt. Mehr

13.10.2014, 11:15 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2012, 16:10 Uhr