http://www.faz.net/-gut-qzp4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2012, 16:10 Uhr

Designer-ABC Yamamoto, Yohji

„Hiroshima-Chic“ lautete 1981 das Urteil über die erste Kollektion des japanischen Designers Yamamoto. Sie sehe aus wie eine „Atombombenexplosion“. Mittlerweile ist der Architekt unter den Mode-Designern auch aus der europäischen Modewelt nicht mehr wegzudenken.

von

Als der japanische Designer Yamamoto 1981 seine erste Kollektion in Paris zeigte, war das eine kleine Sensation – und ein Schock für die etablierte Modewelt.

Anke Schipp Folgen:

Man bezeichnete seine Kollektion als „Hiroshima-Chic“, sie sehe aus wie eine „Atombombenexplosion“ und würde das Ende der Mode bedeuten. Yamamoto stellte die europäische Mode grundsätzlich in Frage. Es ging ihm nicht um Schönheit und Glamour, sondern um Form.

Architekt der Mode

Er sah Mode wie ein Architekt: Er dachte in Kategorien wie Raum und Konstruktion. Bei seinen Entwürfen gibt nicht der Körper die Vorgaben, vielmehr verschwindet er in einer neuen Hülle. Ganz nach japanischer Tradition drapiert, knotet, wickelt und bindet Yamamoto die Stoffe und schafft damit abstrakte Silhouetten, indem er die Schultern deformiert oder Taillen unter vielen Lagen Stoff verschwinden läßt.

Der Japaner experimentierte auch mit europäischen Kleiderformen und verfremdete sie, indem er ihre Nähte versetzte und Schnitte transformierte. Mit ihm kam die Asymmetrie in die Mode.

Elegante und chice Sportswear

Yamamoto wurde 1943 in Tokio geboren. Er brach sein Jurastudium ab, um seiner verwitweten Mutter in ihrer Schneiderei zu helfen. Dann studierte er an der Bunke-Modehochschule in Tokio und gründete 1977 seine eigene Marke. Seine Vorliebe für Schwarz erklärt er damit, dass seine Mutter immer schwarz trug, nachdem sein Vater im Krieg gefallen war.

Seit 1984 macht Yamamoto auch Männermode. Große Erfolge feierte er durch seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Sportartikelhersteller Adidas: 2003 brachten sie gemeinsam die Kollektion Y-3 auf den Markt, die Sport und Style miteinander verbinden. Hier hält er sich im Wesentlichen an das sportliche Basisprogramm: Jogginghose, Sweater, T-Shirt. Vereinzelt Polokleider, Kapuzenjacken und Neopren-Anzüge. „Mein Wunsch war es, Sportswear elegant und chic zu machen“, sagt er. Die Kollektion besticht durch Einfachheit, Witz und Anmut. Und: Sie ist durch und durch westlich.

Buchtipp: „Icons of Fashion - The 20th Century“, herausgegeben von Gerda Buxbaum, Prestel-Verlag.

Lesen Sie morgen die letzte Folge der Serie „Designer ABC“: „Z wie Zegna“

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Designer Raf Simons Ich will nicht von allen geliebt werden

Vor einem halben Jahr trennten sich die Wege von Raf Simons und Dior. Verarbeitet hat er die Trennung noch nicht. Ein Gespräch über die Ruhe nach dem Sturm. Mehr Von Florian Siebeck, Berlin

19.05.2016, 15:12 Uhr | Stil
Japan Obama erweist Hiroshima-Atombombenopfern die Ehre

In einer historischen Geste hat Präsident Barack Obama in Hiroshima der Opfer des weltweit ersten Atombombenangriffs gedacht und einen Überlebenden in die Arme geschlossen. Obama ist der erste amtierende amerikanische Präsident, der die japanische Stadt besucht. Sie war im August 1945 Ziel des ersten Atombombenabwurfs der Geschichte. Mehr

27.05.2016, 14:20 Uhr | Politik
Obama-Besuch in Hiroshima Die Welt war für immer verändert

Der amerikanische Präsident Obama hat als erstes amerikanisches Staatsoberhaupt Hiroshima besucht. An der Stelle der Atombombenexplosion forderte er, die Lehren aus Hiroshima zu ziehen. Mehr

27.05.2016, 14:47 Uhr | Politik
Premiere Lagerfeld präsentiert Chanel-Mode auf Kuba

In der kubanischen Hauptstadt Havanna hat das französische Modehaus Chanel seine Cruise-Kollektion 2017 vorgestellt. Viele modebegeisterte Kubaner blieben bei dem Event allerdings nur Zaungäste. Chanel ist das erste Top-Label, das Models in Kuba über den Laufsteg schickt. Mehr

04.05.2016, 12:38 Uhr | Stil
Weniger im Kleiderschrank All you need is less

Die meisten Marken mögen es noch nicht verstanden haben, aber man braucht gar nicht etliche Kleider – ein paar richtige genügen. Ein Plädoyer für mehr Stil in der Mode. Mehr Von Wäis Kiani

26.05.2016, 14:24 Uhr | Stil