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Designer-ABC Ford, Tom

Ein Junge aus Texas prägte die Neunziger als ein Jahrzehnt der Coolness und des Glamours: Tom Ford drückte Gucci und Yves Saint Laurent seinen Stempel auf; bei seiner Finissage liefen im Publikum die Tränen. Als nächstes will er mit Estée Lauder Kosmetik entwerfen.

© AP Tom Ford

Am 26. Februar 2004 ging eine Epoche in der Mode zu Ende: Tom Ford zeigte auf der Mailänder Modewoche seine letzte Kollektion für die Marke Gucci. Im ehemaligen Kino an der Piazza Oberdan konnte man noch einmal besichtigen, warum Ford der prägende Designer der Jahrtausendwende war. Alles war auf Schwarz getrimmt: das Foyer, der Teppich, die Damen.

Anke Schipp Folgen:

Der Laufsteg war mit roséfarbenen Eisbärenfellimitaten ausgelegt, darüber spazierte ein Querschnitt durch Fords Können: unglaublich eng geschnittene weiße Röcke; Zigarettenhosen, als ob es Leggings wären; ein paar Herren im schwarzen Anzug oder im blausamtenen Smoking; geraffte, gegürtete, gewickelte, gebügelte Kleider, als ob Ford mit Querbändern aus Stoff und Leder und Pelz alles zusammenhalten wollte; eingefärbte Pelzstolen; Fransen, Bommeln, Troddeln, für den Abend Pailletten und Kristalle und die schlicht komplizierten weißen langen Jerseykleider von 1996. Es war eine rasant geschnittene Kollektion, die sexy wirkte, ohne dick aufzutragen, klar, ohne simpel zu erscheinen, konstruiert, ohne bemüht zu wirken. Als am Ende roséfarbene Rosenblätter zum Ultra-Nate-Hit „Free – to do what you want to do“ von 1996 herabschneiten und Ford den Laufsteg abschritt, liefen im Publikum die Tränen.

Der Junge aus Texas

Tom Ford, der wohl am stärksten verehrte Designer des Jahrzehnts, hat nicht nur durch seine Entwürfe bestochen. Der amerikanische Modemacher ist auch der Held einer europäisch-amerikanischen Geschichte, die länger zurückreicht, als es die 42 Jahre des Designers glauben machen konnten.

Sie handelte von einem Jungen aus der Neuen Welt, der die Alte Welt entdeckte und eroberte. Einem Jungen aus Austin in Texas, der in Santa Fe aufwuchs, in Paris und an der New Yorker Parsons School Architektur und Design studierte, der schon früh als Model und Schauspieler arbeitete, 1986 als Designer bei Cathy Hardwick begann, 1988 zu Perry Ellis ging, 1990 nach Mailand wechselte als Designer für die Damenlinien bei Gucci und dort 1994 Creative Director wurde.

Er machte die Neunziger zum Jahrzehnt des Glamours

Ein Jahrzehnt lang kontrollierte er die Marke: Herrenlinie, Damenlinie, Parfums, Werbekampagnen, Ladengestaltung, Gefühle. Der Stardesigner prägte Gucci, verzehnfachte den Umsatz und machte die Neunziger zum Jahrzehnt der Coolness und des Glamours. Diese Machtfülle und das blendende Aussehen des amerikanisch-locker auftretenden Designers machten aus ihm den einzigen wirklichen Star der Mode. Nicht nur Gucci drückte Tom Ford seinen Stempel auf. Im März 1999 ging Gucci, um die Marke zu entwickeln, eine strategische Partnerschaft mit dem Konzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR) ein und kaufte gleich darauf die Marke Yves Saint Laurent, aus der sich ihr legendärer Designer zurückzog. Ford übertrug als neuer Chefdesigner sein Erfolgsprinzip auf YSL. Obwohl er auch damit erfolgreich war, überwarf er sich mit dem Gucci-Mehrheitseigner PPR. Also gab Ford zehn Tage nach der Finissage in Mailand am 7. März 2004 auch die Abschiedsvorstellung bei Yves Saint Laurent in Paris. Nach den Supermodels war auch der einzige Superdesigner abgetreten. Der Glanz des Hauses Gucci drohte schon bald zu verblassen.

Im Herbst 2006 schließlich zeigte Tom Ford seine erste Kollektion, der eigene Flagshipstore folgte im Jahr darauf. Der Designer spezialisiert sich für sein eigenes Label auf Herrenmode und Accessoires, seine Sonnenbrillen wurden schnell zum Verkaufsschlager. 2009 legte Ford dann mit „A Single Man“ sein Regiedebüt vor. Tom Ford wird, soviel ist sicher, in Zukunft weiter zu hören und vor allem zu sehen sein.

Das Designer ABC:

Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

Lesen Sie morgen: „G wie John Galliano“

Quelle: FAZ.NEt

 
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