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Veröffentlicht: 01.01.2012, 20:50 Uhr

Designer-ABC Hermès, Thierry

Der Sattlermeister Thierry Hermès wurde 1837 als Kind flüchtender Protestanten in Krefeld geboren - doch erst in Paris gründete er den Handwerksbetrieb, der heute zu einer der wichtigsten Luxusmarken der Welt herangewachsen ist.

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© Hersteller Thierry Hermès: Der Sattlermeister von Paris

Hermès gehört neben Louis Vuitton zu den wichtigsten Luxusmarken der Welt. Die Taschen des Pariser Unternehmens, die weitgehend in Handarbeit produziert werden, sind so begehrt, dass die Lieferzeiten mehrere Monate betragen und es in den Geschäften auf der ganzen Welt lange Wartelisten gibt. Das Traditionshaus wurde 1837 von dem Sattlermeister Thierry Hermès in Paris als Handwerksbetrieb gegründet. Geboren wurde er in Krefeld, wohin seine Familie wegen ihres protestantischen Glaubens geflohen war.

Anke Schipp Folgen:

Hermès verkaufte zunächst Sattel und Zaumzeug. Als Autos Kutsche und Pferde zu ersetzen begannen, begann sein Enkel Emile Anfang des 20. Jahrhunderts damit, Koffer und Taschen herzustellen. Weil diese so gut verarbeitet und besonders lange haltbar waren, wurden sie schnell bei Adelsfamilien in ganz Europa beliebt.

Die Wartezeit für eine Birkin beträgt zwei Jahre

Zu einem der bekanntesten Modeaccessoires des 20. Jahrhunderts avancierte die sogenannte Kelly Bag. Sie wurde von dem Unternehmen in den dreißiger Jahren entwickelt und war zunächst nicht mehr als die verkleinerte Version einer Reisetasche, in der man Zaumzeug transportieren konnte. Sie hatte noch den gleichen Verschluss aus Ledergurten, erhielt aber zusätzlich goldene Beschläge.

Als sie 1956 von Fürstin Gracia Patricia von Monaco – der ehemaligen Filmschauspielerin Grace Kelly – auf dem Titel des amerikanischen Magazins „Life“ getragen wurde, bekam sie den Namen Kelly Bag – bis heute ist sie eines der am meisten verkauften Modelle bei Hermès, erhältlich in sechs Größen und aus verschiedenen Materialien. Aber auch die „Birkin“-Tasche ist trotz ihres stolzen Preises von rund 3000 Euro äußerst beliebt. Sie wurde nach der Schauspielerin Jane Birkin benannt, auf deren Anregung hin sie entworfen wurde, nachdem Birkin sich beklagt hatte, die Kelly Bag sei ihr nicht praktisch genug. Die aktuelle Wartezeit für eine echte „Birkin“ beträgt zwei Jahre.

Ponyfell und Sattelleder

Die berühmten handbedruckten Seidentücher mit Reitermotiven brachte das Unternehmen – das eine Kutsche als Firmenlogo hat – Ende der dreißiger Jahre auf den Markt. Sie wurden den Schals nachempfunden, die früher die Soldaten Napoleons trugen. Die Motive beziehen sich meistens auf den Reitsport, Variationen von Steigbügeln, Reitgerten, Pferden und Kutschen. Es gibt mehrere tausend verschiedene Entwürfe der „Carré Hermès“ und jedes Jahr kommen zwölf neue hinzu.

Seit den achtziger Jahren präsentiert sich das Modehaus außerdem mit einer eigenen Prêt-à-porter-Linie, die zunächst von der Französin Claude Brouet und später von dem Belgier Martin Margiela verantwortet wurde. 2003 übernahm der Designer Jean Paul Gaultier die Verantwortung für die Damenlinie. Gekonnt bezieht er sich in seinen Kollektionen auf die Wurzeln des Unternehmens, indem er spielerisch die Versatzstücke der Reitermode überraschend und unerwartet kombiniert. Ein Lederrock aus Sattelleder hat – an den Hüften ausgestellt – die Form einer Reithose. Zur Reithose wiederum lässt er eine Jacke aus Krokolederimitat tragen. Ein klassischer Plisseerock wird extravagant, wenn er aus Ponyfell genäht ist. Bei Blusen und Kleidern verarbeitet er außerdem Seidenstoffe mit den Motiven der Hermès-Tücher.

Das Kreative beaufsichtigt weiter die Familie

Die schweren Leder, glänzenden Felle und weichen Wollstoffe, die Gaultier verarbeitet, repräsentieren das Höchstmaß an Luxus, für das Hermès steht, und gleichzeitig die perfektionistische Schneiderkunst des Couturiers. Seine Entwürfe sind wie teure Möbelstücke, die Jahrhunderte überdauern könnten, und stehen außerhalb des Zeitgeistes. Sie kommen ohne überflüssiges Ornament aus und sind doch als Hermès-Produkte zu entziffern.
Hermès macht bis heute seine größten Umsätze mit Lederwaren und hat in Asien seinen größten Kundenstamm. Noch immer ist es zu Dreivierteln im Besitz der Familie, die den größten Teil der Aktien hält. Bis zum Januar 2006 war Jean-Louis Dumas, der zur fünften Familiengeneration gehörte, als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Unternehmens, das knapp 8400 Mitarbeiter beschäftigt. Sein Nachfolger wurde der Franzose Patrice Thomas, Dumas starb 2010 nach langer Krankheit. Dennoch beaufsichtigt die Familie weiterhin das Kreative, genauer: Dumas’ Sohn Pierre-Alexis und seine Nichte Pascale Mussard. Bis heute verkauft das Unternehmen, das seinen Stammsitz an der noblen Pariser Rue Faubourg St-Honoré hat, neben seinen Luxusartikeln immer noch Pferdezubehör, darunter exklusive Sattel.

Quelle: FAZ.NET

 

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