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Veröffentlicht: 01.01.2012, 20:05 Uhr

Designer-ABC Kenzo, Takada

Bei Kenzo, dem „Magier der Farben“, trifft japanische Schneiderkunst auf verspielte europäische Folklore. Das Ergebnis: „Seine Kleidung macht jeden Menschen glücklich“, so sein Landsmann Issey Miyake.

von Simone Kaiser

„Seine Kleidung macht jeden Menschen glücklich“, hat der japanische Designer Issey Miyake einmal über seinen Landsmann Kenzo Takada gesagt. Miyake muss es wissen, schließlich begann er fast zeitgleich mit Kenzo 1964/65 seine Karriere in Europa. Ausländische Modeschöpfer waren im Paris der Siebziger nicht gerne gesehen, die „Hauptstadt der Mode“ eine nahezu hermetisch abgeriegelte Zone, okkupiert von französischen Starschneidern.

So ist Kenzo zunächst von seiner neuen Wahlheimat alles andere als begeistert: „Am Anfang war es ziemlich hart. Es war kalt, ich kannte niemanden, ich sprach kein Französisch. Das Geld war knapp und so war ich ziemlich unglücklich“. Doch dem jungen Japaner gelingt es, mit einer einzigen Kollektion, die Kritiker zu überzeugen und vor allem die Modepresse auf seine Seite zu ziehen. „Kenzo ist ein Magier der Farben“, schreibt Claude Brouet, damals Modechefin der französischen Elle und später Verantwortliche für die Prêt-à-porter-Linie von Hermès, und nahm den bis dato unbekannten Designer auf den Titel. In seinen Entwürfen trifft Orient auf Okzident, vermischten sich auf bereichernde Art die traditionellen Schnitte und Materialien der europäischen und asiatischen Schneiderkunst -und vor allem die Farben dieser Kontinente.

Kimonos aus Tweed und karierte Sarongs

1970 hat Kenzo genügend Geld für eine kleine Boutique zusammen, die er „Jungle Jap(onaise)“ nennt und eigenhändig mit Pinsel und Farbe in einen Regenwald verwandelt. Nach seinem modischen Debüt lädt er dort regelmäßig auf engstem Raum zu kleinen Modepräsentationen, knüpft Kontakt zu etablierten Modeschöpfern und verkauft seine ersten Entwürfe an Louis Feraud. Bei seinem Start-up kommt dem Sohn eines Hotelbesitzers die Ausbildung an der traditionsreichen „Bunka Gakuen“-Modeschule in Tokio zugute, die er gegen den Willen seiner Eltern als erster männlicher Schüler besuchte. Dort hat der junge Kenzo Takada die Feinheiten der japanischen Mode gelernt, die er in Paris mit französischem Flair zu vermischen beginnt und wie niemand vor ihm neu interpretiert: Er schneidert Kimonos aus Tweedstoff, Sarongs aus transparentem Chiffon oder mit Schottenkaro-Muster, kombiniert weite Capes mit engen Hosen.

Tragen seine Schnitte am Anfang noch eine eindeutig japanische beziehungsweise asiatische Prägung, vermischen sich in Kenzos Mode mit der Zeit die beiden Kulturen ähnlich wie in seinem Lebenslauf. Bei dieser Verschmelzung stehen vor allem knallige Farben und Muster im Mittelpunkt: Kenzos Bandbreite an Farbtönen ist in der Oberliga der Mode wohl nur noch mit dem Regenbogen-Spektrum bei Missoni oder Emanuel Ungaro vergleichbar. Was schon seine erste Kollektion von den Ton-in-Ton-Modellen seiner westlichen Kollegen abgrenzt, zieht sich wie ein Leitmotiv durch seine weiteren Arbeiten. Er kombiniert Paisley mit Karo oder knalligen Blütendrucken, rosa Kirschblüten mit roten Rosen. Hier trifft Pink auf Rot, Orange und Gelb, dazu giftige Grüntöne und tiefes Azurblau. Slawische Stickereien und aufwendige, verschlungene Applikationen zieren seine Kleider, Kenzo kreiert einen unverwechselbaren Ethno-Look, noch bevor es diesen Namen in der Modewelt überhaupt gibt. Sein Stil ist folkloristisch und traditionell ohne angestaubt zu sein. 1983 präsentiert Kenzo seine erste Herrenkollektion.

„Der erste Japaner, der die Modewelt bewegte“

Nachdem er 1993 – wie später unter anderem auch Donna Karan oder Marc Jacobs – seine Marke an den französischen Luxusgüterkonzern Louis Vuitton & Moet Hennessy (LVMH) (verkauft, zeigt er 1999 seine letzte Schau in Paris und nimmt damit endgültig Abschied vom Modegeschäft. Die Designer Giles Rosier (Damenlinie) und Roy Krejberg (Herrenkollektion) haben die Nachfolge des Japaners angetreten.

Nach dem Abschluss seiner Laufsteg-Laufbahn konzentriert Kenzo seine Kreativität auf neue Bereiche, ohne die Finger so ganz von der Mode lassen zu können: So entwirft er zum Beispiel Kostüme und Make-up für eine Oper in der Bastille. Weiterhin malt er und hat 2011 die Inneneinrichtung eines Hotels auf Mauritius gestaltet. Was auch immer Kenzo in Zukunft tun wird – er wird in den Worten von Designer Yamamoto Yohji immer in Erinnerung bleiben als „der erste Designer aus Japan, der die Modewelt berührt und bewegt hat“.

Quelle: FAZ.NET

 

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