http://www.faz.net/-gut-qt95

Designer-ABC : McCartney, Stella

Zu Beginn ihrer Karriere wurde ihr vorgeworfen, nur die in Mode machende Tochter eines Beatles-Sängers zu sein. Völlig zu unrecht: Stella McCartney ist eine erstklassig ausgebildete Designerin und hat mit ihren frechen Entwürfen ihr Talent schon längst unter Beweis gestellt.

          Die Britin Stella McCartney gehört zu jener Generation junger Designer, die mit frechen und sexy Entwürfen ihr Debüt in der Mode gegeben haben. Die Tochter des Beatles-Sängers studierte an der renommierten Modeschule Central Saint Martins in London. Nur zwei Jahre nach ihrem Abschluss, 1997, wurde sie bereits von dem französischen Modehaus Chloé als Chefdesignerin engagiert – jener Marke also, die schon ihre Mutter Linda McCartney bevorzugt in den siebziger Jahren getragen hatte.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Britin verjüngte das Label, indem sie es cooler und frecher machte. Sie hatte selbstbewusste Frauen vor Augen, die sich gerne sexy, aber nicht ordinär kleideten. Fester Bestandteil waren ihre eng geschnittenen Hosenanzüge. Auch ging es McCartney, 1971 in London geboren, immer um Humor, indem sie freche Sprüche auf T-Shirts druckte oder Ananas-Bikinis präsentierte.

          Demnächst muß sie schwarze Zahlen schreiben

          McCartney wurde oft, aber zu Unrecht, vorgeworfen, dass ihr früher Erfolg mit ihrem Namen zusammenhänge und damit, daß sie als Portobello-Party-Girl in London berühmte Freundinnen wie Kate Moss, Gwyneth Paltrow und Madonna habe. Tatsächlich sind ihre Modenschauen, bei denen meistens auch Vater Paul McCartney in der ersten Reihe sitzt, durchaus glamourös, gleichzeitig gilt sie als bodenständig und äußerst fleißig. 2001 verließ die Britin Chloé und zeigt seitdem ihre Kollektionen unter eigenem Namen, finanziert durch den Gucci-Konzern, der allerdings im vergangenen Jahr anmahnte, daß sie demnächst schwarze Zahlen schreiben muss, will sie eine Zukunft haben.

          McCartney, die mittlerweile Mutter von vier Kindern ist, hat in den vergangenen Saisons eine deutlich femininere Seite gezeigt und verzichtet weitgehend auf die vorlaut-freche Anmutung – man könnte auch sagen, daß sie konventioneller geworden ist.

          Kollektion für H&M

          Trotz des wirtschaftlichen Drucks weigert sich die Vegetarierin bis heute, Leder oder Pelz zu verarbeiten. Taschen und Schuhe sind ausschließlich aus PVC gefertigt. Als äußerst erfolgreich gilt ihre Zusammenarbeit mit dem Sportartikelhersteller Adidas, für den sie seit 2004 eine eigene Linie entwirft. Bemerkenswert ist, dass es sich nicht um Lifestyle-Produkte handelt, sondern um Sportausstattung im engeren Sinne, die auf die Bedürfnisse verschiedener Sportarten eingeht.

          Im Winter 2005 präsentierte McCartney eine eigene Kollektion, die sie für die schwedische Modekette Hennes & Mauritz entworfen hatte. Seither entwarf sie Kleidung in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern – vom Opernensemble bis zur Sportmannschaft.

          Das Designer ABC:

          Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

          Lesen Sie morgen im „Designer ABC“: „N wie Dries van Noten“

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Licht mit mir Video-Seite öffnen

          Designer-Leuchten : Licht mit mir

          Lampe ist nicht gleich Lampe: Zum Beginn der dunklen Jahreszeit haben wir zehn Designer gebeten, uns ihre neuen Leuchten-Entwürfe zu zeigen.

          Bildhauer der Mode

          Nachruf auf Azzedine Alaïa : Bildhauer der Mode

          Azzedine Alaïa, der den Frauen enge Kleider auf den Leib schneiderte, ist gestorben. Naomi Campbell nannte ihn bis zuletzt „Papa“, und auch viele andere Frauen glaubten daran, dass dieser Designer das höchste Ziel der Mode erreichte.

          Beatles for Sale

          Diebesgut entdeckt : Beatles for Sale

          Teile aus John Lennons Nachlass wurden der Witwe Yoko Ono gestohlen. Jetzt sind sie überraschend in Berlin aufgetaucht. Ein Auktionshaus, das inzwischen pleite ist, hatte versucht, die Objekte zu verkaufen.

          Topmeldungen

          Nationales Punktesystem : China plant die totale Überwachung

          Mit einem gigantischen Punktesystem wollen Chinas Kommunisten jeden einzelnen Bürger zu sozialistisch-tugendhafter Folgsamkeit zwingen. Regierungskritiker werden bestraft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.