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Designer-ABC : Cardin, Pierre

Vinyl, Plastik und silbernes Leder: In den Sechziger Jahren revolutionierte Pierre Cardin die französische Modewelt mit seinen futuristischen Weltraum-Entwürfen. Er eröffnete Nobelrestaurants, verkaufte fast so viele Lizenzen wie Kleider und produzierte die Uniformen der chinesischen Armee.

          Der französische Modeschöpfer sorgte in den sechziger Jahren durch seine futuristisch anmutenden Kleider für Furore. Ähnlich wie André Courrèges und Paco Rabanne experimentierte er damals mit neuen Formen und Materialien in der Mode. Cardin hatte sich damals von der Raumfahrt-Euphorie anstecken lassen, nachdem 1961 der Russe Yuri Gagarin als erster Mensch ins Weltall flog.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er schuf geometrische Formen, die seine Kleider roboterhaft aussehen ließen. Seine Kleider wirkten manchmal wie Flugobjekte, sie waren kantig geometrisch, die Hüte sahen aus wie Satelittenscheiben, die Minikleider ließ er mit Quadraten ausstaffieren. Auch in der Auswahl der Stoffe war er seiner Zeit voraus: Er benutzte Vinyl und Plastik oder silbergefärbtes Leder. Berühmt machten ihn auch die Naro-Sakkos, die er für die Beatlesentwarf – ohne Kragen und mit einem runden Halsausschnitt.

          Kostüme für Cocteaus „La Belle et la Bête“

          Pierre Cardin, der eigentlich Pietro Cardini hieß, wurde am 2. Juli 1922 in San Biagio di Callalta in der Nähe von Venedig als jüngstes von sieben Kindern eines Weinhändlers geboren. Aus wirtschaftlichen Gründen wanderte seine Familie nach Frankreich aus. Cardin lernte Herrenschneider und ging nach der Befreiung Frankreichs 1944 nach Paris, wo er Modezeichner bei Paquin wurde. Durch ihn bekam er Kontakte zu Theater und Film, unter anderem entwarf der die Kostüme für Jean Cocteaus Film „La Belle et la Bête“.

          Von 1947 bis 1950 arbeitete er für Christian Dior, als dieser mit dem „New Look“ für Aufsehen sorgte, und machte sich schließlich 1950 mit einem eigenen Modehaus selbstständig. Er stand bald im Ruf, die besten Herrenanzüge und Schneiderkostüme von Paris anzufertigen. 1952 präsentierte Cardin seine erste Haute-Couture-Kollektion. Mitte der fünfziger Jahre eröffnete er auf der eleganten Rue du Faubourg Saint-Honoré zwei Boutiquen, die er „Adam“ und „Eve“ nannte.

          Lizenzverträge in allen Herren Länder

          Cardin war ein glänzender Vermarkter seiner Mode, auch wenn man ihn dafür kritisierte, dass er Ende der fünfziger Jahre für verschiedene Kaufhäuser Prêt-à-porter-Kollektionen entwarf – woraufhin ihn das „Chambre Syndicale de la Couture Parisienne“ aus der Kammer ausschloss. Cardin war auch der erste, der Handarbeiten durch Maschinen ersetzte und Accessoires und Haushaltswaren wie Porzellan, Bestecke und Tischwäsche in seine Modelinie aufnahm. Seine Geschäftstüchtigkeit zeigte sich auch auf anderen Gebieten. 1981 kaufte er zum Beispiel das Pariser Nobelrestaurants „Maxim’s“. Den Namen hatte Cardin bereits seit 1978 für verschiedene Produkte wie Champagner und Gänseleber, Koffer, Möbel und Kleidung benutzt. 1983 eröffnete er Luxus-Restaurants im „Maxim’s“-Stil in Moskau, New York und Peking.

          Cardin knüpfte bereits in den siebziger Jahren Kontakte nach China, 1995 schloss er einen Vertrag mit der chinesischen Regierung ab und produzierte fortan die Uniformen für Armee und Polizei. Der Modeschöpfer vergab zudem in fast alle Länder der Welt Lizenzverträge, was allerdings im Laufe der Jahre dazu führte, dass seine Marke verwässerte und seine Produkte nicht mehr als Luxusartikel wahrgenommen wurden.

          Cardin lebt heute zurückgezogen an der Côte d’Azur, wo er ein herrschaftliches Anwesen besitzt, das in den sechziger Jahren gebaut wurde und an eine Weltraumstation erinnert.

          Quelle: FAZ.NET

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