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Veröffentlicht: 01.01.2012, 17:00 Uhr

Designer-ABC Treacy, Philip

Er entwirft für die Queen und Camilla, aber Philip Treacy kann auch anders: Seine erfolgreichsten Hüte erinnern an balzende Paradiesvögel, Orchideen, Gewitterwolken oder Tomatensuppendosen. Der irische Modist setzt selbst einer Königin wie der Haute Couture noch die Krone auf.

von Simone Kaiser

„Einen Hut zu entwerfen ist wie eine Party zu schmeißen.“ Mit diesen Worten hat Philip Treacy einmal seine Arbeit beschrieben. Die biederen Ton-in-Ton-Modelle, die er für das königliche Haupt der Queen entwirft, sehen zwar eher nach einem langweiligen Stehempfang mit Tee und trockenem Gebäck aus. Doch der Modist mit dem spitzbübischen Gesicht und dem blonden Kochtopfschnitt kann auch wildere Feten feiern.

Treacy hat Naomi Campbell einen Hut aus einer Fotocollage ihres eigenen Konterfeis und einer Dose Campbell-Tomatensuppe auf den Kopf gesetzt („Campbell trägt Campbell mit Campbell“) – und brachte damit selbst die als zickig geltende Laufstegdiva zum Lachen.

Balzende Paradiesvögel in Hutgestalt

Er hat mit einer ganzen Kollektion von exotischen Orchideen-Hüten eine pompöse florale Installation auf die Häupter seiner Mannequins gezaubert. Er hat Hüte geschaffen, die das Gesicht der Trägerin einrahmen und in den Mittelpunkt rücken wie ein dicker Goldrahmen ein kostbares Meisterwerk. Treacy hat Kopfbedeckungen kreiert, die alles bedecken, nur nicht den Kopf. Er hat Objekte geschaffen, die mehr Schleier sind als Hut, und für die es in der Modewelt noch keinen Namen gibt. Manche seiner Modelle umschweben das Haupt wie eine dunkle Gewitterwolke, andere wippen so farbenfroh und formenreich wie ein balzender Paradiesvogel auf den Köpfen der Models.

1967 im westirischen Dorf Ahascragh geboren, beginnt Treacy in Dublin am National College of Art and Design Mode zu studieren. Dort fertigt er auch ein paar eigene Hüte – nette Ergänzungen zu seinen Kleidungsstücken. Doch bald rücken die Accessoires in den Mittelpunkt seines Interesses. Mit einem Stipendium in der Tasche zieht er im Jahre 1988 London und geht ans Royal College of Art. Die Zeit in London wird für Treacy zum Ausgangspunkt einer grandiosen Karriere als Hut-Designer: Denn während er an Projekten für das Kaufhaus Harrods arbeitet, lernt er Isabella Blow kennen – damals Modechefin der Zeitschrift Tatler. Blow, die ein Jahr später Vivienne Westwood in Madeleine-Albright-Pose aufs Tatler-Cover hebt, wird Treacys Mentorin und eine seiner besten Kundinnen: 2002 widmet er ihr die Ausstellung „When Philip Met Isabella“ im Londoner Design Museum mit allen Entwürfen, die er seit ihrer ersten Begegnung für sie kreierte.

Hochzeitshut für Camilla

Nach dem Studium wird Philip Treacy von Marc Bohan und Victor Edelstein, angesehenen Hofdesignern, zum Haushutmacher ernannt. Wenig später erhält der junge Modist eine Einladung von Chanel und präsentiert Karl Lagerfeld sein Portfolio: Der Chefdesigner ist von den ausgefallenen Entwürfen des 23 Jahre alten Treacy begeistert und verpflichtet ihn, die komplette Haute-Couture-Kollektion von Chanel für Frühjahr/Sommer 1991 mit seinen Kreationen zu bestücken. Für Treacy bleibt dies nicht die letzte Laufsteg-Präsentation.

1994 debütiert er in London mit einer Kollektion unter eigenem Namen und eröffnet das erste Geschäft. Mittlerweile vertreibt Treacy seine Hüte unter drei eigenen Labels: Silver, Purple und Men’s. Trotzdem hat er die Zusammenarbeit mit großen Modedesignern nie aufgegeben: Mit seinen extrovertierten Modellen verleiht er Entwürfen von Givenchy, Valentino, Thierry Mugler, Rifat Ozbek, Bella Freud und Alexander McQueen das Tüpfelchen auf dem i. Zweimal hintereinander wird er zum „British Accessory Designer of the Year“ gekrönt und schenkt der Modewelt im Jahr 2000 die erste Hut-Haute-Couture-Schau seit 70 Jahren. „Dafür zu sorgen, dass Hüte die Menschen auch im 21. Jahrhundert noch reizen“, erklärte Treacy zu seinem Ziel. Seine Modelle sind Kult und Kunst zugleich: 2001 gestaltet der Künstler, der seine Arbeit „eine Illusion“ nennt, zusammen mit Vanessa Beecroft eine Installation für die Biennale in Venedig.

Hüte, das sind doch nur Accessoires, hat vor Philip Treacy mancher Modemacher gedacht. Aber wer würde schon über Manolo Blahniks Meisterwerke sagen, diese seien nur ein Paar Schuhe? Philip Treacy hat der alten Königin Haute Couture die Krone zurückgegeben – und Camilla einen bezaubernden Hochzeitshut.

Quelle: FAZ.NET

 

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