http://www.faz.net/-gut-qzp6

Designer-ABC : Prada, Miuccia

1913 gründete ihr Großvater das Luxus-Ledermoden-Haus in Mailand, heute führt Miuccia Prada ein weltweit erfolgreiches Modeimperium. Eine schlichte Tasche aus Militärnylon verhalf der Marke Prada zum Durchbruch und „Miu Miu“ zu dem Ruf, eine der wichtigsten Designerinnen der Gegenwart zu sein.

          In ihrem Gespür für Trends ist Miuccia Prada, die nicht so plakativ ist wie Dolce und Gabbana, nicht so klassisch wie Giorgio Armani (siehe auch: „Designer ABC“: A wie Armani), nicht so aggressiv wie Donatella Versace, all diesen Modemachern voraus. Den Hang zu mehr Farbe und Dekoration hat sie mit ihren Defilées ebenso angestoßen wie die Rückkehr zu einem einfacheren, wenngleich nicht minimalistischen Stil im Jahr 2005 nach all den Farbeskapaden und Mustermischungen der vorangegangenen Jahre. Sowohl bei den Herren als auch bei den Damen hat sie ihre theoretischen Erkenntnisse schnell in die Tat umgesetzt.

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Das Aufgreifen und Anstoßen von Trends ist typisch für Miuccia Prada, die im Jahr 1950 geboren wurde und das 1913 vom Großvater gegründete Luxus-Ledermoden-Haus in Mailand beerbt hat. In den siebziger Jahren studierte die höhere Tochter, die vom Familienunternehmen nichts wissen wollte, Politische Wissenschaften. Schon damals hatte sie als überzeugte Kommunistin und Feministin den Zeitgeist im Griff - und ging, in Yves Saint Laurent gekleidet, zu den revolutionären Sit-ins. Ihr Studium schloß sie mit einer Promotion zum Dr. phil. ab. Außerdem absolvierte sie eine fünfjährige Schauspiel- und Pantomimenausbildung bei Giorgio Strehler am Mailänder Piccolo Teatro.

          Erst die Tasche, dann die Mode

          Diese Ausbildung, wenngleich untypisch für eine Modemacherin, war wohl die beste Vorbereitung auf die Lebensaufgabe, die sie im Alter von 28 Jahren von ihrer Mutter Luisa übernahm - die Geschäftsleitung des in die Krise geratenen Familienbetriebs. Denn nun sollte sie ebenfalls den Zeitgeist erspüren und ihre Manifeste modisch in Szene setzen: Aus schwarzem Militärnylon schuf sie eine elegante Handtasche, die schnell zum Kultobjekt wurde und sich wie rasend verkaufte. Anders als die meisten Designer fügte sie nicht einer Modekollektion die Accessoires hinzu, sondern ging den umgekehrten Weg.

          Nachdem sie Mitte der Achtziger mit Schuhen begonnen hatte, ermunterte sie ihr Ehemann Patrizio Bertelli, ein Mann der Wirtschaft, der nach der Eheschließung die Finanzgeschäfte von Prada übernommen hatte, zu einer Damenkollektion. In den neunziger Jahren wuchsen die Umsätze der Firma von Millionen- auf Milliardenbeträge, immer mehr Boutiquen eröffneten, und Miuccia Prada wurde häufig als wichtigste Designerin der Gegenwart bezeichnet.

          Anstoß für Designer-Sportswear

          Von den Uniformen der kommunistischen Ideologie ließ sie sich dabei ebenso beeinflussen wie von ungewöhnlicher Grafik, originellen Drucken und seltenen Herstellungsverfahren - wie dem im Ofen gebackenen Silikon. Kennzeichen ihrer Mode sind nicht nur die strengen Schnitte oder der an Schulmädchenuniformen erinnernde brave Look. Vor allem in der 1992 gegründeten Zweitlinie „Miu Miu“ (nach ihrem Kosenamen) zeigte sie, daß auch die verspielte, bunte, teils sogar schrille Note Teil ihres Modekosmos ist. Die ungewöhnliche Zusammenstellung von Natur- und Kunstfasern verschob sich während der minimalistischen neunziger Jahre zu einem Techno-Look mit acetatbeschichteten Nylonanzügen - mit dem sie ganz nebenbei auch der Designer-Sportswear einen Anstoß gab.

          So erfolgreich Miuccia Prada als stilprägende Modemacherin, so unglücklich der Umgang des Prada-Konzerns mit den zugekauften Marken Jil Sander (siehe auch: ) und Helmut Lang. Bei den Marken schieden die namengebenden Modemacher und Markengründer nach wenigen Jahren der Zusammenarbeit enttäuscht aus, und die Umsätze gingen zurück. Der Erfolg scheint sich vor allem auf die Kernmarke des Prada-Konzerns zu konzentrieren. Miuccia Prada, die zusammen mit ihrem Mann und ihren Söhnen Lorenzo und Giulio im Elternhaus am Corso Porta Romana in Mailand lebt, wird es zur Kenntnis nehmen: Ihrem Erfolg tut es keinen Abbruch, wenn zwei prägende Designer der letzten Jahre schweigen. Vielleicht vermehrt es ihren Ruhm sogar.

          Das Designer ABC:

          Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

          Weitere Themen

          Alles ist Vintage

          Mode der Sixties : Alles ist Vintage

          Die Mode aus den Sixties ist nie ganz ausgestorben und scheint durch den Vintage-Style auch heute noch einen gewissen Anklang zu finden. Bis heute hinterlässt diese Mode vor allem in London ihre Spuren.

          Paris kriegt nasse Füße Video-Seite öffnen

          Hochwasser : Paris kriegt nasse Füße

          Land Unter in Villeneuve-Saint-Georges, rund 16 Kilometer vom Zentrum der französischen Hauptstadt Paris entfernt. Starke Regenfälle haben die Pegel der Seine und ihrer Nebenflüsse stark ansteigen lassen.

          Topmeldungen

          Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair

          Streit um Waffenexporte : Saudis wenden sich von Deutschland ab

          Das Königreich reagiert enttäuscht auf die Entscheidung Deutschlands, keine Waffen mehr an Parteien des Jemen-Kriegs zu exportieren. „Wir brauchen eure Rüstungsgüter nicht. Wir werden sie woanders finden“, teilt der Außenminister mit.
          Chinas Versicherer Anbang kommt unter Staatsaufsicht.

          Für mindestens ein Jahr : Peking stellt Versicherer unter Staatsaufsicht

          Noch vor einem Jahr sollte die chinesische Anbang die deutsche HSH Nordbank retten. Dann wurde der Konzernchef verhaftet. Nun stellt Chinas Staat das Unternehmen unter Zwangsverwaltung. Braut sich im Reich der Mitte die nächste Finanzkrise zusammen?
          Entschärfte Bombe am Gallus

          Fliegerbombe entschärft : Kartoffelsuppe in der Geisterstadt

          Die Fliegerbombe am Gallus ist erfolgreich entschärft worden. Viele Bewohner werden die Nacht dennoch nicht so schnell vergessen. Streifzug durch ein Viertel im Ausnahmezustand

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.