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Designer-ABC : Vionnet, Madeleine

Die Königin der Couturiers: Madeleine Vionnet Bild: ROGER_VIOLLET

„Die wichtigste Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts“ nannte Diana Vreeland, die ehemalige Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, Madeleine Vionnet. Von Cristobal Balenciaga wurde Madeleine Vionnet als „Meisterin des Stils“ bezeichnet.

          „Die wichtigste Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts“ nannte Diana Vreeland, die ehemalige Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, Madeleine Vionnet. Von Cristóbal Balenciaga wurde Madeleine Vionnet als „Meisterin des Stils“ bezeichnet. Und Azzedine Alaїa nannte sie „die Quelle von allem, die in unserem Unbewussten weiterlebt“. Für Modekenner ist ihr Name ein Synonym für Eleganz und perfekt geschnittene Kleider. Für alle anderen ist er lediglich ein Name, der in Vergessenheit geraten ist, trotz aller Innovationen in der Mode, für die er steht.

          Der „Königin der Couturiers“ haben wir nicht nur im Nacken geknotete trägerlose Halterneckkleider und weich fallende Handkerchief-Dresses zu verdanken, sondern auch die Abschaffung des Korsetts. Obwohl Paul Poiret diese Errungenschaft für sich beansprucht, lehnte doch Madeleine Vionnet als erste Modeschöpferin konsequent das Korsett ab. Schon zu Beginn ihrer Karriere, Anfang des 20. Jahrhunderts, verzichteten ihre Entwürfe auf die unbequemen Einengungen.

          Ihre wichtigste Erfindung: der Schrägschnitt

          Ihre wichtigste Erfindung ist jedoch der körperbetonte Bias-Cut: Der Stoff wird nicht wie üblich parallel, sondern schräg zum Fadenverlauf im 45-Grad-Winkel zugeschnitten und umspielt dadurch die Silhouette fließend. Durch den Diagonalschnitt konnte sich der Stoff an weibliche Rundungen anschmiegen und die Bewegungen der Trägerin nachvollziehen. „Wenn eine Frau lächelt, muss ihr Kleid mit ihr lächeln“, so betonte Vionnet den Dialog zwischen Körper und Kleid.

          Portrait von Madeleine Vionnet aus dem Jahr 1937
          Portrait von Madeleine Vionnet aus dem Jahr 1937 : Bild: ROGER_VIOLLET

          Damit veränderte sie in den zwanziger und dreißiger Jahren nicht nur die Mode, sondern auch die Körpersprache. Stars wie Greta Garbo, Marlene Dietrich, Joan Crawford oder Katharine Hepburn trugen mit Vorliebe die Modelle von Madeleine Vionnet, die prädestiniert waren für den Auftritt einer Diva.

          Vom Faltenwurf antiker Gewänder inspiriert

          Vionnets griechisch geprägtes Schönheitsideal beeinflusste ihren Stil maßgeblich. Issey Miyake verglich ihre Roben mit einem Meisterwerk der griechischen Bildhauerkunst, der Nike von Samothrake: „Als ich das erste Mal ein Kleid von Madeleine Vionnet sah, dachte ich an eine Reinkarnation der Nike-Statue. Madame Vionnet hatte den schönsten Aspekt der klassischen griechischen Ästhetik eingefangen, nämlich den Körper und die Bewegung.“

          Vionnet ließ sich vom Faltenwurf der antiken Gewänder inspirieren. Die Kunst des Drapierens spielte eine bedeutende Rolle für ihre freie Art des Entwurfs. Besonders wichtig war ihr die räumliche Wirkung eines Kleides, weshalb sie all ihre „Skizzen“ als körperhafte Gebilde im Raum anfertigte, nie als zweidimensionale Zeichnung auf dem Papier. Durch diese praktische Arbeit mit dem Stoff, den sie an einer Puppe aus Palisanderholz von allen Seiten gestaltete, entstanden die typischen Draperierungen. Für den edlen Faltenwurf verwendete sie vor allem elegant fallende Stoffe wie Crêpe Romain, Crêpe de Chine, Seidenmusselin und Charmeuse.

          Vom Glanz des schillernden Namen ist wenig geblieben

          Madeleine Vionnet wurde am 22. Juni 1876 in Chilleurs-aux-Bois, in der Nähe von Orléans, als Tochter von Abel Vionnet geboren. Sie wuchs in Aubervilliers im Jura auf und betrachtete die Region an der schweizerisch-französischen Grenze zeitlebens als ihre Heimat. Nach der Trennung ihrer Eltern wurde sie ab ihrem zweiten Lebensjahr von ihrem Vater erzogen, der sie, obwohl sie eine begabte Schülerin war, in eine Schneiderlehre gab.

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