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Veröffentlicht: 01.01.2012, 18:00 Uhr

Designer-ABC Slimane, Hédi

Er ist der Männerdesigner, der vom Himmel fiel. So wie David Bowie die Musikszene der siebziger Jahre durch seine Androgynität veränderte, läutete Hédi Slimane eine neue Ära in der Männermode ein, als er von 2000 bis Anfang 2007 die Ateliers bei Dior Homme leitete.

von Markus Ebner

Er ist der Männerdesigner, der vom Himmel fiel. So wie David Bowie die Musikszene der siebziger Jahre durch seine Androgynität veränderte, läutete Hédi Slimane eine neue Ära in der Männermode ein, als er von 2000 bis Anfang 2007 die Ateliers bei Dior Homme leitete. Endlich war es wieder ein französischer Designer, der einer großen Pariser Marke Glanz verlieh.

Slimanes Stil hat sich kompromisslos an einen von dünnen Rockmusikern wie Pete Doherty abgeleiteten Körpertypus gewandt. Seine schmalen Silhouetten sind ebenfalls im Reich der Androgynität angesiedelt und werden von Männern wie Brad Pitt und Frauen wie Nicole Kidman gleichermaßen getragen. Überraschend trat er im Frühjahr 2007 von seiner Position zurück, da er seine Arbeitgeber nicht für einen neuen Vertrag gewinnen konnte, der ihm die Finanzierung und den Aufbau einer eigenen Kollektion garantiert hätte.

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Yves Saint Laurent klatschte stehend Beifall

Slimane schrieb schon mit seiner ersten Schau für Dior Homme Geschichte, als kein Geringerer als Yves Saint Laurent stehend Beifall beim Finale klatschte. Slimane hatte unter seiner Führung von 1997 bis 1999 angefangen, der Männermode des Hauses Saint Laurent einen zeitgemäßen Look zu verpassen. Mit einem Bewusstsein für Hierarchien und Loyalität innerhalb der französischen Modebranche weigerte sich Slimane dann, diesen Job weiterzuführen, nachdem Tom Ford und die Gucci-Gruppe die kreative Leitung von Yves Saint Laurent 1999 übernommen hatten.

Der Chef der mit Gucci konkurrierenden LVMH-Luxusgütergruppe Bernard Arnault belohnte sein Stehvermögen, indem er ihn bei Dior neben den Damendesigner John Galliano stellte, um aus dem schlafenden Lizenzgeschäft bei Dior Homme wieder einen Aktivposten zu machen. Arnault besitzt innerhalb der LVMH-Gruppe nur bei Dior eine persönliche Aktienmehrheit, weshalb er die Marke immer wie sein persönliches Steckenpferd behandelt und den Designern besonders nahe steht.

Wichtigste Leute an sich zu binden

Saint Laurents Anwesenheit bei Slimanes Dior-Debüt und seine Abwesenheit bei Tom Fords Premiere für die Damenmode der Marke Yves Saint Laurent wird heute als erster großer Skandal der Pariser Modewelt im neuen Jahrtausend gewertet. Gleichzeitig unterstreicht er auch Slimanes Talent, die wichtigsten Leute zur richtigen Zeit an sich zu binden. Außer Saint Laurent ist ironischerweise auch dessen Gegenspieler Karl Lagerfeld ein Fan der Arbeit Slimanes und immer in der ersten Reihe bei seinen Defilees.

Gleichzeitig dem Lager Saint Laurents und Lagerfelds anzugehören ist in der verfeindeten Pariser Modewelt eine ziemliche Leistung. Karl Lagerfeld, bekannt für seine medienwirksamen Zitate, nahm vierzig Kilo ab, um in die engen Schnitte der Slimane-Jacketts zu passen. Jeden ließ er wissen, dass er so seine Freude an der Mode wieder gewonnen habe.

Radikales Casting

Slimane hat auch für seine Modenschauen neue Standards gesetzt. Er hat die Schau als eigenes Designprojekt in Angriff genommen. Während in Mailand nach wie vor der muskulöse und sportliche Modeltyp bevorzugt wird, geht Slimane beim Casting radikal anders vor. Er hat Models immer nur exklusiv gebucht und nach dem Typus ausgewählt, der seinem eigenen Körper ähnelte: dünn und hager.

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