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Designer-ABC Ferré, Gianfranco

Gianfranco Ferré zählte neben Gianni Versace und Giorgio Armani zu den großen Drei der italienischen Modebranche. Im Juni 2007 starb er überraschend im Alter von 62 Jahren. Bei der Fashion Week in Mailand war am Montag Abend die allerletzte von ihm designte Kollektion zu sehen.

Er war einer der großen Drei der italienischen Mode. Neben Gianni Versace und Giorgio Armani zählt auch Gianfranco Ferré zur Generation der italienischen Modepioniere, die in den siebziger und achtziger Jahren Mailand als Konkurrenz zur damaligen Modehauptstadt Paris aufbauten. Versace wurde schon 1997 ermordet. Und als Gianfranco Ferré am 17. Juni 2007 starb, wurden Stimmen laut, dass die Hochzeit der italienischen Mode sich allmählich dem Ende zuneigen könnte. Im Sommer 2007 gab auch noch Valentino seinen Rückzug bekannt – und da schien es endgültig um die italienische Mode geschehen.

Im Alter von 62 Jahren war Gianfranco Ferré im San-Raffaele-Krankenhaus in Mailand an den Folgen einer Hirnblutung gestorben. Noch drei Tage zuvor hatte er an seiner ehemaligen Universität, dem Politecnico, einen Vortrag über Mode und Design gehalten. Ferré litt an Diabetes und hatte schon zwei Schlaganfälle hinter sich. Aber den ärztlichen Rat, seine Ernährung umzustellen, konnte er wegen seiner Neigung zu Süßem nicht nachkommen. Seine Leibesfülle war schon fast sein Markenzeichen: Schwergewichtig und dennoch stets elegant im Dreiteiler zeigte sich der am 15. August 1944 in Legnano in der Nähe von Mailand geborene Designer mit dem gepflegten Vollbart und der runden Brille nach den Defilees auf dem Laufsteg, erstmals 1978 nach der Präsentation seiner ersten eigenen Damenkollektion.

„Architekt der Mode“

Bevor er seine Karriere als Modedesigner begann, hatte er an der Polytechnischen Universität in Mailand Architektur studiert. 1969 schloss er das Studium mit seiner Doktorarbeit ab, die mit summa cum laude bewertet wurde. Weil seine Entwürfe später zudem stets durch klare Linien geprägt waren, wurde er auch „Architekt der Mode“ genannt. Nach dem Studium hatte er keine Stelle als Architekt gefunden, die ihm zu gesagt hätte. Daher versuchte er es mit dem Möbeldesign und kurze Zeit später mit Schmuck-Kreationen. Dadurch wurde Anna Piaggi von der italienischen „Vogue“ auf ihn aufmerksam. Sie war es auch, die ihn international berühmt machte.

Schon Anfang der Achtziger war das Label Gianfranco Ferré, das er zusammen mit dem Textilhersteller Franco Mattioli gegründet hatte, eines der erfolgreichsten und bekanntesten italienischen Modeunternehmen. Seine erste eigene Frauenkollektion unter seinem Namen aus dem Jahr 1978 war erkennbar von seinen Eindrücken aus dem Orient beeinflusst. 1973 war er zum ersten Mal nach Indien gereist. Die Kultur und ihre Farben wie Gelb, Orange und Rosa dominierten die Kreationen.

Klare Linien und geradlinige Eleganz

Neben den Farben des Orients waren klare Linien und geradlinige Eleganz für seinen Stil prägend. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hatte er seine ganz eigene Definition von Eleganz: „Eleganz entsteht nicht dadurch, immer nach der neuesten Mode gekleidet zu sein. Sie beruht auf der Art und Weise, wie man sich anderen präsentiert. Deswegen achte ich bei meinem Gegenüber als erstes auf Hände, Schuhe, Uhr und Krawatte – weniger auf die Handtasche einer Frau.“

Sein Ziel war es stets, Kleider für die „intelligente und starke Frau“ zu entwerfen. Über seine Wunschkundin sagte er: „Die Frau, die ich bevorzuge, ist in der Lage, ihr Kleid selbst auszusuchen und es zu leben. Hinter meiner Mode steht eine echte Frau, die sich selbst verwirklichen will.“

Sein Lieblingskleidungsstück: die weiße Bluse

Gianfranco Ferré verbindet man nicht nur mit eleganten Abendroben, sondern vor allem mit seinem Lieblingskleidungsstück, der schlichten weißen Bluse, die er immer wieder neu interpretierte: „Blusen sind die Dauerbrenner meiner Kollektionen. Ich entwerfe gerne weiße Blusen. Sie erinnern mich an meine Mutter, die immer weiße Krägen getragen hat.“ 1982 entwarf er außerdem die erste seiner Herrenkollektionen, in denn er gerne immer wieder auch Pelz einsetzte. 1984 folgte das erste Damen-Parfum, zwei Jahre später der erste Herrenduft und im gleichen Jahr seine erste Haute-Couture-Kollektion.

Im Jahr 1989 wurde er vom französischen Luxusunternehmer Bernard Arnault unter Vertrag genommen. Ferré war fortan für Christian Dior tätig. Sein außerordentliches Gespür für Eleganz hatte den Italiener auch in der französischen Modewelt beliebt gemacht. Dennoch war es damals eine Revolution, dass ein Italiener auf dem Chefsessel des französischen Traditionshauses saß und sogar für die Haute-Couture-Kollektion verantwortlich war. 1996 wurde er bei Dior durch John Galliano ersetzt.

Ferré verließ Paris und baute sein eigenes Modeimperium weiter aus. Am Ende gehörten Accessoires, Parfums, Brillen, Kindermode, Schuhe, Schirme und Krawatten dazu. Neben der günstigeren Damenlinie „Oaks by Ferré“ brachte er auch die junge Linie „GFF“ für Frauen und Männer sowie eine Jeans-Linie auf den Markt.

Er hat „absoluten Chic“ geschaffen

Selten hat man so viel Kollegenlob für einen Designer vernommen wie nach dem Tod von Ferré. Roberto Cavalli lobte seinen Stil und seine Kreativität, Giorgio Armani seine Würde und sein Verantwortungsgefühl, und Donatella Versace würdigte Ferré als Menschen „aus einer anderen Zeit“, der italienische Mode verändert und „absoluten Chic“ geschaffen habe.

Mit seinen letzten Kollektionen rechtfertigte Ferré all dieses Lob. Nur wenige Tage nach seinem Tod zeigte sein Team die von ihm entworfene Herren-Kollektion für Frühjahr und Sommer 2008 – das Publikum applaudierte stehend und ließ hemmungslos die Tränen fließen. Im September 2007 folgten in Mailand die Damen-Entwürfe fürs nächste Jahr. Es war die letzte Kollektion, die er vor seinem Tod entworfen hatte.

Einen Tag nach der Präsentation wurde Lars Nilsson zum neuen Kreativchef ernannt. Zuvor war er unter anderem für Chanel, Christian Lacroix und Dior tätig. 1999 zog er nach New York und arbeitete dort bei Ralph Lauren und Bill Blass. Seit 2003 arbeitete der Designer bei Nina Ricci und trat 2007 die Nachfolge des Altmeisters Ferré an.
 

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 01.01.2012, 21:50 Uhr