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Designer-ABC Missoni

1945 begannen Rosita und Ottavio Missoni mit zwölf Farben, heute sind es rund 40 pro Kollektion: Beim italienischen Modehaus Missoni entwirft inzwischen die dritte Generation. Die feinenmaschigen, gestreiften und gezackten Strickwaren bilden noch immer den Kern der Marke.

Im italienischen Modehaus Missoni ist nun schon die dritte Generation an der Arbeit. Margherita Missoni, gerade Anfang zwanzig, studiert zwar Philosophie in Mailand und Schauspiel in New York. Aber die Mappe mit den Presse-Ausschnitten ist schon so dick wie das Telefonbuch von Manhattan. Der Marke, die von ihrer Mutter Angela und deren beiden Brüdern Luca und Vittorio geführt wird, hilft sie auf allen Ebenen: Die Freundschaft mit Dolce („Designer ABC“: D wie Dolce) und Gabbana („Designer ABC“: G wie Gabbana), mit der Versace-Erbin Allegra, mit den Kindern der italienischen „Vogue“-Chefin Franca Sozzani schafft wichtige Verbindungen. Auch beim Entwerfen hilft sie der Mutter, denn Angela versteht jüngere Kundinnen besser, seitdem ihre Tochter Missoni trägt und dazu auch deutlich ihre Meinung sagt. Und nicht zuletzt beflügelt Margherita als „It-Girl“ in den bunten Blättern das Amerika-Geschäft wie keine Werbekampagne es je könnte.

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Die nächste Generation sichert - wie auch bei Ferragamo („Designer ABC“: F wie Ferragamo), Armani („Designer ABC“: A wie Armani) oder Versace („Designer ABC“: V wie Versace) - die Zukunft. Denn allein aus dem Firmenarchiv, das aus mehr als 7000 Teilen mit bunten Streifen (längs, quer, diagonal, gerade, wellig, zackig, flammend), grenzenlosen Mustern und unendlichen Farbmischungen besteht, kann man seine Inspiration nicht beziehen. Wie ein bunter Faden ziehen sich die Missoni-Strickmuster durch die italienische Nachkriegsmode. Der Trend nahm den Faden oft auf und ließ ihn dann wieder fallen. Aber nach den schwarzen Entwürfen der Neunziger ist der Zickzackkurs wieder beliebt. Mindestens bei Künstlern, Literaten und Kuratoren sind die bunten Zacken in Mode wie einst in den Siebzigern.

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Immer ihrer Zeit voraus

Angela Missoni, die Designerin der Damenlinie (ihr Bruder Luca kümmert sich um die Herrenkollektionen, Vittorio ums Geschäft), denkt nicht ans nächste Frühjahr, sondern an die Unendlichkeit. Weil sie als Strickerin die Garne färben lassen muß, hat sie einen langen Vorlauf. Hunderte verschiedenartiger und verschiedenfarbiger Garne stellt sie für jede Kollektion in einer kaum computerisierten Organisation zusammen. Angela Missoni ist also immer ihrer Zeit voraus. Auf die Inspiration durch andere kann sie nicht warten. Das hat die Chefin des Hauses, die schon mit achtzehn Jahren begann, im Atelier zu arbeiten, dann eine Mutterpause einlegte, um schließlich doch das Design zu übernehmen, von ihren Eltern gelernt, Ottavio (genannt Tai) und Rosita Missoni, zwei Klassikern des italienischen Designs.

Auch nach dem Krieg, als alles begann, brachten die Missonis Farbe ins Grau und Schwarz. Ottavio, 1921 in Ragusa an der dalmatischen Küste geboren, war ein begnadeter Läufer. Seine Sportlerkarriere wurde zwar durch den Krieg unterbrochen. Aber als er im Jahr 1946 aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückkam, lief er weiter durch sein Leben - bis hin zum sechsten Platz beim 400-Meter-Lauf der Olympischen Spiele 1948 in London. Noch am Abend dieses Erfolgs kam es zu einer Begegnung, die seinen Lebens-Lauf in eine andere Richtung führen sollte. Denn unter den Zuschauern im Wembley-Stadion saß die achtzehn Jahre alte Rosita Jelmini. Ihre Familie besaß eine Fabrik für Tücher und bestickte Stoffe. Rosita, die zunächst Sprachen studierte, weshalb sie ihr Englisch in einem Londoner College katholischer Schwestern verbesserte, verfolgte auf den billigen Plätzen die Wettkämpfe und lernte ihn beim Fest zu Ehren der Athleten kennen.

Alles begann mit zwölf Farben

Ottavio baute nach dem Krieg ein kleines Strickwaren-Unternehmen auf. Zwei Strickmaschinen brachte er 1953 mit in die Ehe. So begannen sie an ihrem Lebenswerk zu stricken. Die ersten Maschinen bekamen nur Querstreifen hin. Dann fanden sie einen Trick, mit der Maschine auch senkrechte und diagonale Streifen und schließlich die Zickzack-Muster zu produzieren. Mit den Jahren haben sie die Fabriken dazu gebracht, die Garne in kleinen Mengen richtig zu färben. Mit zwölf Farben begannen sie, nun sind es bis zu 40 pro Kollektion. Und durch die verschiedenen Stoffe wird die Farbwirkung vervielfacht - zumal keine Farbe rein verwendet wird, sondern immer gemischt mit anderen. So wurde Missoni neben Pucci und Etro („Designer ABC“: E wie Etro) zu einer der drei italienischen Marken, die, mit so viel Geschmack wie kaum jemand sonst auf der Welt, mit Modefarben umgehen können.

Die Farben verführten wohl auch zum wilden Experiment. Und das führte schon früh zu einem skandalösen Versuch: Im April 1967 bemerkte Rosita vor einer Schau im Palazzo Pitti in Florenz, daß man durch die halbtransparenten Entwürfe die Büstenhalter sehen konnte. Also schickte sie die Mädchen nur in See-through-Entwürfen los. In der nächsten Saison durften die Missonis nicht mehr auf der Messe zeigen. „Dabei wollten wir gar nicht provozieren!“ Erst ein halbes Jahr später zeigte Yves Saint Laurent in Paris seinen „nude look“. Schon damals waren die Missonis also ihrer Zeit voraus. Margherita Missoni, ihr jüngerer Bruder, ihre kleinere Schwester und die vielen Vettern und Kusinen werden wohl dafür sorgen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 01.01.2012, 19:10 Uhr