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Designer-ABC van Noten, Dries

Zurückhaltend und ernsthaft: Dries van Noten ist wohl der bekannteste Mode-Export Belgiens und der beständigste und erfolgreichste der Designergruppe „Antwerp-Six“.

Dries van Noten ist wohl der bekannteste belgische Modemacher. Er gehört zu den sogenannten Antwerp Six – jene sechs Designer aus der flämischen Stadt, die vor knapp zwanzig Jahren mit ihrer Avantgardemode in London für Aufmerksamkeit sorgten. 1986 fuhren die sechs Belgier, die sich von der Königlichen Kunstakademie kannten, zur Britischen Designerschau nach London: Ann Demeulemeester, Martin Margiela, Walter van Beirendonck, Dirk van Saene, Dirk Bikkembergs und van Noten.

Anke Schipp Folgen:  

Weil sie wenig Geld hatten, mieteten sie sich gemeinsam einen Lieferwagen und präsentierten zusammen in einem Raum versteckt im dritten Stock ihre Kleider. Damals wusste überhaupt niemand etwas über belgisches Design. Also stellten sie sich im Erdgeschoß an die Rolltreppe und verteilten Flyer, auf denen stand: „Kommt zu den sechs belgischen Designern!“ Es funktionierte. Sie sorgten mit ihren Entwürfen für Aufsehen. Danach waren sie die „Antwerp Six“, obwohl sie keine Statuten, noch nicht einmal einen gemeinsamen Stil hatten. Sondern nur eine Haltung, die sich um Konventionen nicht scherte. Andere nannten das dann Avantgarde.

Konzepte statt Kalkül

Dabei war der zurückhaltende und ernsthafte van Noten nie ein Revoluzzer. Es geht ihm um Konzepte, nicht um Kalkül. Und um Geschichten, die seine Entwürfe erzählen und die Stück für Stück wie ein kostbarer Stoff über Monate hinweg im Antwerpener Atelier gewoben werden. Der Anfang kann ein Bild sein, ein Mensch, eine Erinnerung. So wie jene Afrikanerin, die van Noten einmal in Antwerpen sah. Sie trug ein buntes Kleid, darüber einen Burberry-Trenchcoat und aufgetürmtes Haar.

Van Noten behielt sie im Gedächtnis, erzählte eines Tages seinem Team von ihr. Man begann weiter zu lesen, beschäftigte sich mit Afrika. Irgendwann ist daraus eine Kollektion entstanden, die van Notens typischer Mischung aus ethnischen Elementen und europäischen Schnitten entsprach. Das Entscheidende, mit dem van Noten seine Geschichten materialisiert, sind die Stoffe. Er beschäftigt sich intensiv mit Webarten, Druckverfahren und der Mode anderer Kontinente wie dem Sari. In Antwerpen hat er ein Archiv antiker Stoffe, in Italien und Spanien lässt er alles nach seinen eigenen Vorstellungen weben.

Der erfolgreichste Designer der „Antwerp-Six“

Belgische Identität basiert – bei aller Respektlosigkeit vor tradierten Formen – aber auch auf Tradition. Van Noten stammt aus einer Textilfamilie. Sein Urgroßvater war Schneider, sein Großvater verkaufte Männermode, sein Vater machte als erster in Belgien einen großen „Store“ auf dem platten Land auf. Van Noten, geboren 1958, wuchs zwischen Kleiderständern und Regalen auf, in den Ferien begleitete er seine Eltern zu den Messen nach Mailand und Düsseldorf. Sein Vater hoffte, daß er das Geschäft übernehmen würde. Der Sohn interessierte sich zwar für Mode, wollte sie aber lieber entwerfen als verkaufen.

Sein Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern führt van Noten heute so traditionell wie sein Vater und Großvater. Auch als Ende der neunziger Jahre aus Modemarken Konzerne wurden, blieb er dabei, zwei Damen- und zwei Herren-Kollektionen im Jahr zu entwerfen. Die zeigt er Saison für Saison bei den Pariser Prêt-à-porter-Schauen in der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts. Von den Antwerp-Six, die damals mit einem Paukenschlag die Modebranche aufmischte, ist er heute der beständigste und erfolgreichste.

Designer ABC:

Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

Lesen Sie morgen im „Designer ABC“: „O wie Heinz Oestergaard“

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 01.01.2012, 19:05 Uhr